Integration


Viele von uns freuen sich, wenn im Sonntagsgottesdienst mit den Ministranten Sara-Jacqueline mit ihrem Rollstuhl im Chor auffährt. Lesen Sie den Brief, den ihre Eltern jetzt in unserem Gemeindebrief veröffentlicht haben.



Vom „integrativen" Leben in der Gemeinde


Liebe Gemeinde,

viele von Ihnen kennen uns und unsere besondere Situation, in die uns der Herrgott gesetzt hat. Da unsere jüngste Tochter Sara-Jacqueline vor knapp 17 Jahren mit einer angeborenen Querschnittlähmung und allen dazugehörenden Beeinträchtigungen zur Welt kam, haben wir mittlerweile viel Übung darin bekommen, die Interessen von Sara-Jacqueline zu wahren und umzusetzen!
Sie wissen ja, dass unsere Tochter mit ganzem Herzen ministriert.
Sie sehen ihre Begeisterung, ihre Freude und ihr Engagement, mit dem sie dem Gottesdienst begegnet. Diese Entwicklung ist für uns sehr erfreulich und erfüllend, denn es war ein unglaublich langer und oft beschwerlicher Weg, bis Sara-Jacqueline diesen direkten Zugang zu ihrer Umwelt zugelassen hat.
Den Anfang hierfür hat in der Gemeinde vor acht Jahren Pater Gottfried bei der Kommunionvorbereitung gemacht.
Sara-Jacqueline fasste Vertrauen zu ihm und begann hin und wieder mit ihm zu sprechen. Die Herzlichkeit und Normalität, mit der Pater Gottfried mit Sara-Jacqueline umging, ermutigte sie immer mehr. Sie traute sich immer mehr zu, nahm mit Freude an den Minigruppenstunden teil und freute sich auf die Gottesdienstbesuche.
Natürlich spielte Pater Gottfried noch lange eine große Rolle. Als im Herbst 2008 dann für
Sara-Jacqueline und 36 weitere Jugendliche die Firmvorbereitung begann, waren wir sehr gespannt. Sara-Jacqueline war bis dahin immer sehr skeptisch, was den Umgang mit anderen Jugendlichen anging, doch sie war zuversichtlich und freute sich auf die gemeinsamen Stunden. Alle Beteiligten des Firmvorbereitungsteams haben eine echteMeisterleistung im Sinne der Integration vollbracht! Denn Sara-Jacqueline benötigt einen engmaschigen Pflegeaufwand, der eine großzügige Tagesplanung nicht zulässt. Aufgrund ihres Handicaps kann Sara-Jacqueline nicht lesen, deshalb muss sie alles, was sie wissen soll, auswendig lernen! Diese ganzen Vorbereitungen, die Treffen mit der Gruppe, die Freizeiten und das Dazugehören waren für Sara-Jacqueline Motivation, sich weiter einzubringen. Sie nahm mit Begeisterung an der Sternsinger-Aktion teil - was für die Verantwortlichen wieder eine neue Herausforderung war - und beschloss, in den Ministrantendienst einzutreten.
Dabei unterstützte sie Pater Gottfried wieder voll undganz. Mittlerweile hat sie liebe Freundinnen aus der Gemeinde gewonnen und kann auf deren Unterstützung zählen. Auch im Gottesdienst wird sie vom gesamten „Team" unterstützt und da angenommen, wo sie gerade steht. Die Hilfe, die sie braucht, bekommt sie und bislang hat noch niemand einen Einwand erhoben, der ihr den Ministrantendienst verwehren soll.
Es ist oft viel einfacher von Integration zu sprechen, als sie zu leben. Das erleben wir leider in unserem Alltag häufig. Darum sind wir wirklich sehr glücklich, dass dies im Gemeindeleben in St. Michael so herzlich gelebt wird. Das gibt uns die Stärke, die wir immer wieder aufs Neue benötigen.
Sicher waren wir manchmal frustriert, wenn die Rollstuhlrampe mit Fahrrädern verstellt war, wenn der behindertengerechte Zugang zum Gemeindehaus verschlossen war, wenn wir uns im Winter durch für Rollstuhlbreite spärlich vom Schnee geräumte Zugänge quälen mussten oder manch andere Unachtsamkeiten.
Doch wir haben erfahren, dass man manches einfach einfordern muss, es ist schließlich keine absichtliche Unterlassung.
Und im Miteinander geht alles nun mal harmonischer. Nun möchte ich für Ihre Aufmerksamkeit danken, wünsche Ihnenalles Gute und Gottes Segen und hoffe, Sie werden uns auch in Zukunft weiterhin mit Wohlwollen begegnen.

Ihre Familie Büttel



Zurück