Jürgen Mauri nimmt Abschied

In einem feierlichen Gottesdienst am 25. Juli hat sich Jürgen Mauri als Kirchenmusiker der Gemeinde St. Michael verabschiedet. Zum letzten Mal unter der Leitung von Jürgen Mauri gestalteten die Chöre von St. Michael (Kirchenchor, „Spirit Voices", Kinderchor) sowie die Kantorei der Martin-Luther-Kirche den Gottesdienst, in dem alle kirchenmusikalischen Spielarten zum Zuge kamen.
In bewegenden Reden dankten Vertreter die Chöre und der Gemeinde Sankt Michael Herrn Mauri für 28 Jahre erfolgreicher Arbeit.
Dazu ein Artikel der Stuttgarter Zeitung
Die Rede des 2. Vorsitzenden des Kirchengemeinderats
Lieber Herr Mauri,
• Wir alle kennen das Gleichnis von den anvertrauten Talenten, in welchem berichtet wird, dass ein Mann, der auf Reisen geht, seinen Dienern bestimmte Geldbeträge zu treuen Händen übergibt, und als er nach Jahren zurückkommt, von diesen nicht nur den überlassenen Geldbetrag zurück erwartet, sondern einen wesentlich höheren. Das Gleichnis soll uns lehren, dass wir mit den Talenten, die Gott uns gibt, etwas anfangen sollen und diese Talente zum Wohl der Gemeinschaft einsetzen und sie so mehren sollen. Ihnen hat der liebe Gott ein ganz besonderes Talent, eine besondere Begabung in die Wiege gelegt, die Musikalität. Ohne dem lieben Gott in seinem Urteil vorzugreifen, ob Sie denn verantwortlich mit Ihrem Talent umgegangen sind, bin ich mir sicher: er wird zufrieden sein mit dem, was Sie daraus gemacht haben.
• Sie haben dieses Talent aufgegriffen, es gemehrt und die Musik zu Ihrem Beruf gemacht. Im ersten Schritt war dies ein Glück für Sie selbst, denn der kann sich glücklich schätzen, der sein Hobby, seine Leidenschaft zum Beruf machen kann. Ein besonderes Glück ist es dann noch, wenn man - wie in Ihrem Fall - diese Begeisterung für die Musik mit einem Partner, mit Ihrer Frau, teilen kann. Musik ist aber nicht dazu da, sie für sich allein zu betreiben. Mit Ihrer Einstellung als Kirchenmusiker in unserer Gemeinde vor nunmehr 28 Jahren begann ein langer Weg, auf welchem viele Menschen in unserer Gemeinde und darüber hinaus von Ihrem Talent profitiert haben, wo Sie es wirklich gemehrt haben und bei diesen Menschen die Liebe zur Musik geweckt oder Ihr eine Platz gegeben haben, an dem sie sie ausleben konnten. In den fast 30 Jahren ist vieles von dem, was wir heute als selbstverständlich ansehen, ganz allmählich gewachsen.
• Schaut man heute auf das Ergebnis, auf das, was aus ihrem Talent hervorgegangen ist, so ist dies außergewöhnlich vielseitig: da gibt es zwei Kinderchöre, den jungen (oder junggebliebenen) Chor Spirit-Voices (mit seinem morgendlichen Ableger für die jungen Mütter), den Kirchenchor und die Choralgruppe allein in St. Michael. Daneben haben Sie mit der Leitung der Kantorei in der evangelischen Gemeinde Martin Luther einen wichtigen Beitrag in der Ökumene vor Ort geleistet und auch in dieser Gemeinde vielen Menschen eine Möglichkeit gegeben, Ihrer Liebe zur Musik nachzukommen. Neben diesen vielen Akteuren in den Chören haben Sie aber auch all den Gemeindemitgliedern, die nicht aktiv mitgewirkt haben sondern in den Gottesdiensten und Konzerten Ihre Musik genossen haben, eine große Freude bereitet. Wir erinnern uns gerne an die vielen Konzerte, Orchestermessen aber auch ganz normalen Gottesdienste, in den denen auch die musikalisch passiven Gemeindemitglieder Ihre Musik genossen haben. In den Abschiedskonzerten der letzen Wochen und auch im heutigen Gottesdienst durften wir nochmals das breite Spektrum ihres Wirkens erleben.
• Noch einmal sei gesagt, dass all dies das Ergebnis einer langen kontinuierlichen Arbeit ist. Viele Pfarrer, Diakone und Pastoralreferenten haben wir in den Jahren verabschiedet. Kirchenmusikalisch hatten wir immer eine Konstante. Ich persönlich kenne Sankt Michael nicht anders, obwohl ich inzwischen auch schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert in Sillenbuch lebe. Sankt Michael und Jürgen Mauri - das gehörte einfach zusammen.
• Der große Stellenwerter der Kirchenmusik geht dabei weit über das rein Musikalische hinaus. Kinder und junge Erwachsene fanden und finden den Weg in die Gemeinde über die Chöre. Sie sind Ort der Begegnung. Darüber hinaus sind die Konzerte eine kulturelle Institution, welche über die Gemeinde hinaus Menschen im Stadtbezirk erreicht, die vielleicht der Kirche nicht so nahe stehen.
• Lieber Herr Mauri: für all das, was Sie mit Ihrem Talent in unserer Gemeinde und im gesamten Stadtbezirk bewirkt haben, sage ich Ihnen heute stellvertretend für die vielen Mitglieder der Chöre, der vielen Gemeindemitglieder und der vielen Musikliebhaber im Stadtbezirk ein herzliches Dankeschön. Wir werden Sie in Sankt Michael und im Stadtbezirk vermissen.
Unsere Aufgabe wird es nun sein, die Saat und die Pflanzen, die Sie errichten haben, weiter zu pflegen und die Kirchenmusik in St. Michael auf dem vorhandenen Niveau zu halten.
• Für Sie und Ihre Frau beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt, den Sie bewusst - auch mit einem Ortswechsel - völlig neu gestalten. Musik wird sicherlich weiterhin eine große Rolle spielen. Für den neuen Lebensabschnitt wünschen wir Ihnen und Ihrer Frau alles erdenklich Gute und Gottes Segen.
• Als Abschiedsgeschenk haben Sie sich mit Ihrer Frau zusammen die Einnahmen der heutigen Kollekte für die von Ihnen genannte Verwendung gewünscht. Daneben möchten wir Ihnen eine bleibende Erinnerung an unsere Gemeinde mit auf den Weg geben. Wir hoffen, dass Sie in Ihrem Garten in Ihrer neuen Heimat noch einen Platz für ein - noch - kleines Apfelbäumchen finden. So wie Ihre Arbeit in unserer Gemeinde langsam gewachsen ist, soll dieses Bäumchen wachsen und hoffentlich sehr schmackhafte Früchte tragen. Es soll auch eine Aufforderung sein, dass Sie uns nicht vergessen und uns aus der Ferne weiterhin in Gedanken begleiten. Sie sind zukünftig für diesen Baum verantwortlich. Ob der liebe Gott Ihnen auch dafür Talent - einen grünen Daumen - mitgegeben hat, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht kann Ihre Frau Ihnen bei der Pflege auch ein wenig behilflich sein. Wir haben extra eine widerstandfähige Sorte ausgesucht, die auch das raue Klima der Vogesen überstehen wird.
• Für Ihre Verabschiedung heute haben wir einen würdigen Rahmen gefunden: Wie könnte man einen Musiker besser verabschieden, als mit einem musikalischen Frühschoppen? Dazu lade ich alle Gäste ganz herzlich ein.
Ihnen und Ihrer Frau nochmals alles Gute für die Zukunft.
Jürgen Mauri schrieb zu seinem Abschied im Gemeindebrief:
Auf dem Weg
Am 1. Januar 1982 begann ich meine Tätigkeit als Kirchenmusiker der Gemeinde St. Michael und werde sie im Jakobus-Jahr 2010 mit dem Gottesdienst am 25. Juli beenden. Dass mein Abschied am 25. Juli mit dem Jakobus-Tag zusammenfällt, sehe ich als schönes Zeichen für meinen Lebensweg. Das Ende einer Etappe ist nicht nur der Zeitpunkt des Ausruhens, sondern auch des Rüstens für einen neuen Wegabschnitt.
Begonnen habe ich den aktuellen, 28-jährigen Abschnitt mit dem Organistendienst und der Übernahme des bestehenden Kirchenchors. In der ersten Jahreshälfte wurde mit dem Aufbau des Kinderchors begonnen, der heute in drei Altersgruppen probt. Nach einigen Jahren ging die Leitung der bestehenden Jugendschola in meine Hand über, aus der zu Beginn der 90er Jahre dann der mehrstimmige Junge Chor St. Michael wurde. Seit 2004 firmiert dieser Chor unter „Spirit Voices" mit zwei Gruppen.
Der Kantorendienst ist seit vielen Jahren Bestandteil der liturgischen Feiern am Wochenende. Die regelmäßige Zusammenarbeit mit der Kantorei der Martin-Luther-Kirche, die ich seit 1988 leite, wurde beständiges Element der Ökumene vor Ort.
Unter den Augustinern Pater Johannes, Pater Jordan und Pater Gottfried konnte ich in großer Freiheit und Selbstständigkeit die Musik in der Gemeinde ausüben und habe stets Zuspruch und Anerkennung aus der Gemeinde erfahren. Für diese angenehme Arbeitsatmosphäre, in der ich mit Freude Musiker sein konnte, bin ich den Patres, den Kirchengemeinderäten, den Gemeindegliedern und vor allem allen Sängerinnen und Sängern von Herzen dankbar. Dasselbe gilt auch für die evangelische Gemeinde, alle Pfarrer, mit denen ich zusammenarbeiten durfte, und die Mitglieder der Kantorei.
Nun werde ich meine Arbeit als Kirchenmusiker in Sillenbuch zu Beginn der Sommerferien beenden und mit meiner Frau zu neuen Ufern aufbrechen. Unser neues Aktionszentrum liegt Richtung Santiago de Compostela, in den Vogesen. Santiago de Chile wird dann auch immer wieder ein weiteres Ziel sein.
Zwei weitere Verabschiedungstermine stehen noch an; am 18. Juli in der Martin-Luther-Kirche als Chorleiter der Kantorei und am 3. Oktober bei der Dekanatswallfahrt nach Zwiefalten als Dekanatskirchenmusiker des Dekanats Reutlingen.
Jürgen Mauri
siehe auch ein Artikel der Stuttgarter Zeitung
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