1. Advent, Lesejahr C

03.12.2006



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir beginnen heute die Adventszeit, die Zeit der Erwartung und der Bereitung.Gott wird kommen - nicht nur am Fest seiner Menschwerdung, das wir an Weihnachten feiern.Gott möchte bei jedem von uns ankommen, heute, morgen und am Ende unseres Lebens.Wir sind eingeladen, uns durch Gebet und Wachsamkeit vorzubereiten auf dieses Kommen Gottes in unser Leben, damit wir ihn erkennen, wenn er kommt.
Ein liebendes, vertrauendes und hoffendes Herz wird schon jetzt seine Nähe spüren und die heilende Kraft seiner Gegenwart erfahren.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 21, 25 - 36)

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen, und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres.
Die Menschen werden vor Angst vergehen in der Erwartung der Dinge, die über die Erde kommen; denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn mit großer Macht und Herrlichkeit auf einer Wolke kommen sehen.
Wenn (all) das beginnt, dann richtet euch auf, und erhebt eure Häupter; denn eure Erlösung ist nahe.
Und er gebrauchte einen Vergleich und sagte: Seht euch den Feigenbaum und die anderen Bäume an: Sobald ihr merkt, dass sie Blätter treiben, wisst ihr, dass der Sommer nahe ist.
Genauso sollt ihr erkennen, wenn ihr (all) das geschehen seht, dass das Reich Gottes nahe ist.
Amen, ich sage euch: Diese Generation wird nicht vergehen, bis alles eintrifft.
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.
Nehmt euch in Acht, dass Rausch und Trunkenheit und die Sorgen des Alltags euch nicht verwirren und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht,
(so) wie (man in) eine Falle (gerät); denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.
Wacht und betet allezeit, damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen und vor den Menschensohn hintreten könnt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Predigt/Ansprache

Wir wollen oft nach den Sternen greifen. Wir haben Wünsche und Träume, die wie Sterne am Horizont blinken. Erinnerungen und Visionen strahlen auf in unserer Phantasie.
Unsere Sehnsucht blüht auf besonders in den Zeiten, in denen überall Sternen leuchten.
Jetzt in der Zeit vor Weihnachten ist alles erleuchtet, als würden alle versuchen, sich die Sterne vom Himmel zu holen. Auch gesellschaftlich wird versucht, nach den Sternen zu greifen.
Wer kommt in der Champions-League weiter? Sucht Deutschland immer noch den Superstaroder den Intelligentesten oder einfach den Besten? Wie bewältigen wir den Schuldenberg?
Gelingt die Verringerung der Arbeitslosigkeit? Wird die Gesundheitsreform ...
aber jetzt bewegen wir uns schon wieder im Jammertal.
Welches Konzept bringt uns wirklich aus dem Tal der Tränen? Welcher neue Film gibt eine neue Identität oder lässt wenigstens für die Zeit im Kino lachen? Eigentlich brauchen wir sofort wieder eine Fußball-WM.
Und dennoch und trotzdem - viele Sterne überall.
Es ist die Zeit, in der Sehnsucht und Hoffnungen erwachen, die meistens verborgen bleiben.
Träume von Harmonie, Geborgenheit, Liebe und Frieden, aber auch Herzenswünsche materieller Art stehen da.Jeder wünscht sich etwas - Was ist mein Wunsch beim Anblick einer Sternschnuppe,bei deren Fallen man sich etwas wünschen darf?
Stellen Sie sich vor, Sie hätten einen Stern und sollten ihren Wunsch darauf schreiben, nur einen einzigen, aber ihren eigenen und sonst nichts.
Welchen Wunsch würden Sie darauf schreiben? Und dann hängen Sie ihren Stern mit dem Wunsch auf einen Baum mit einem langen Ast.Und da hängen alle unsere Wunsch-Sterne - ein Sternenhimmel voller Träume und Wünsche, voller Sehnsüchte.
Sterne sind wichtig für jeden einzelnen; sie lassen uns weitergehen, sind wie Energiequellen für unser Leben.
Auch die Jünger Jesu hatten solche Wünsche. Doch Jesus zerstört ihren Traumhimmel.Er lässt sie nicht ihren Träumen nachhängen.
„Die Sonne wird sich verfinstern und die Sterne werden vom Himmel fallen...
Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen."
Das ist eindeutig, gerade heraus, da gibt es nichts zu deuteln.
Denken Sie noch einmal zurück an unseren Wunschbaum: da kommt jemand mit einer großen Schere und schneidet alle Wunsch-Sterne vom Ast.
Sie fallen alle ab. Keiner bleibt mehr. Alle auf dem Boden. Jesus holt die Sterne vom Himmel, nicht sanft einladend, sondern klar und hart. Meine Träume werden wie Sternschnuppen untergehen. Eine Zeit also, in der viele Sterne verglühen.
Ist das die Frohbotschaft für den Advent? Das ist so. Das wäre so, wenn nicht der Satz käme: ber meine Worte vergehen nicht! Darauf wollte Jesus hinaus, das ist die Sinnspitze seiner Predigt vom Ende.
Was zählt und was bleibt, o Mensch, wenn du erkennst, dass deine Wunschvorstellungen sich auflösen in Rauch und Hauch, ist allein: mein Wort, meine Botschaft, mein Ruf an dich.
Mein Stern statt deiner vielen Sternchen. Dann gilt, was auch versprochen ist: „eure Erlösung ist nahe". Kann ich also nur wählen zwischen meinen Sternenwünschen und dem Sternangebot Gottes?
Ein Wort von Dietrich Bonhoeffer hilft mir weiter mit seiner Unterscheidung:
„Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen."
Gott bezaubert zwar durch seine Einladung an uns Menschen, aber er zaubert nicht das hervor, was wir uns wünschen. ER ist nicht festzulegen auf die Ebene eines Kaufhauses,in dem ich mir alle meine Wünsche erfüllen kann, wenn ich das nötige Geld habe.
Gott ist kein Selbstbedienungsladen für meine persönlichen Eitelkeiten, wo ich nur zugreifen muss. Aber ER verheißt und ER steht zu seiner Verheißung. Mit Jesus hält er sein Versprechen.Darum bleibt Gottes Angebot:mein Stern statt der vielen Sterne, mein Weg statt deiner vielen Wünsche, die wie Seifenblasen platzen.
Denk doch, o Mensch, wie schnell wird bei euch einer ausgerufen zum Superstar, zum Superstern und kurze Zeit später wieder fallengelassen.Hier ist das, was bleibt, wenn alle Sterne herabstürzen. Als Zeichen meiner Zuneigung habe ich euch Jesus gesandt.
Mein Stern soll euch die Richtung zeigen und euch den Weg weisen. Euch innerlich aufzumachen, euch erleuchten zu lassen, eure Herzen aufstrahlen zu lassen anstelle eurer Wohnungen - dafür besteht die Chance jetzt in der Adventszeit.Euch vorzubereiten auf das Fest des Miteinander - das ist der Sinn der Zeit, die vor euch liegt. So kann sie zu einer erfüllten Zeit werden.
(Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael)

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott kommt, um uns aufzurichten und zu ermutigen.
Vertrauensvoll wenden wir uns an ihn und beten:

für alle Christen:
um Offenheit für die Begegnung mit dem lebendigen Gott
und um die Fähigkeit, die Zeichen der Zeit richtig  zu deuten ...

Herr, unser Gott .. wir bitten dich, erhöre uns ...

für die christlichen Kirchen und Gemeinschaften:
um Einheit im Glauben
und um ein glaubwürdiges Bezeugen der Gegenwart Gottes in unserer Welt ...

für die Mächtigen in Politik und Wirtschaft:
um einen guten Blick für das Wohlergehen der ihnen Anvertrauten, damit alle Menschen auf unserer Erde in Frieden und Gerechtigkeit leben können ...

für die Kranken und Notleidenden:
um Hilfe in ihrer Not durch Menschen, die sich ihrer annehmen,
und um die Erfahrung von Gottes heilender Nähe ...

für alle, die unter Stress und Hektik leiden:
um Besinnung auf das Wesentliche und um Ruhe und Gelassenheit ...

Ewiger Gott, du kommst in unsere Welt und bist uns nahe durch deinen Sohn Jesus Christus.
Für ihn danken wir dir und loben dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen