4. Advent, Lesejahr C

21.12.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Frieden - für ungezählte Menschen ist dieses Wort der Inbegriff ihrer Sehnsucht.
Für die Menschen in den Kriegsgebieten dieser Erde, aber auch für viele unter uns:
Frieden in den Familien, in der Nachbarschaft, Frieden zwischen den verschiedenen Gruppen der Gesellschaft.
Das Fest, das wir in wenigen Tagen feiern, sagt uns, woher wir den Frieden erwarten dürfen. Freilich - ob wir unseren Herrn als Friedensbringer erfahren, liegt nicht zuletzt an uns selbst.
Denn er kommt nicht mit Gewalt und lautem Getöse, sondern in der Stille der Heiligen Nacht, als Kind, klein und unscheinbar. Dass wir IHN sollen wir erkennen und anerkennen. So rufen wir ihn um Erbarmen an....

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 1,39-45 )

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa. Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn, und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

Predigt/Ansprache

Beobachten Sie einmal kleine Kinder aufmerksam beim Spielen: mit aller Ernsthaftigkeit setzen sie sich in ihre Rollen hinein. Da spielt dann nicht mehr die Sarah oder der Patrick, da spielt dann eine Puppenmutter oder ein Bahnhofsvorsteher.
Kinder gehen ganz in ihrer Rolle auf. Es kann aber auch ganz anders kommen: sie werfen plötzlich alles hin: es macht keinen Spaß mehr, da mache ich nicht mehr mit und aus ist das Spiel. Auch wir Erwachsene verhalten uns so. Auch wir kennen: da mache ich nicht mehr mit! Es können verschiedene Erfahrungen sein, die einen Menschen zur Einsicht kommen lassen: es hat keinen Sinn mehr.
Da hat jemand einen Menschen verloren, der ihm viel bedeutet hat, vielleicht sogar alles. Oder da wurde jemand im Stich gelassen von einem Partner, dem er fest vertraut hat. Oder da wurde die Laufbahn eines anderen abrupt beendet. Oder da ist jemand kraftstrotzend und wird plötzlich von einer schweren Krankheit bedroht. All das können Augenblicke sein, in denen es uns schwerfällt, an einen Sinn im Leben zu glauben.
Manche gelangen an einem solchen Punkt: sie sehen keinen Ausweg mehr, es hat doch keinen Zweck, alles ist sinnlos.
Die Lesung aus dem Hebräerbrief sah unser Leben genau von der anderen Seite. Sie überdachte das Leben und Handeln Jesus und versuchte aufzuzeigen, warum er für die Zukunft der Menschen so bedeutsam ist.
Um es in wenigen Sätzen zu sagen: Wir können uns nicht selbst retten; nur im Märchen konnte das der Lügenbaron Münchhausen: er zog sich am eigenen Schopf aus dem Dreck heraus. Weil wir dazu nicht in der Lage sind, hat Gott sich entschlossen, uns Menschen zu erlösen. Sein Sohn führt diesen Willen aus, indem er Mensch wird und die Sache des Menschen in die Hand nimmt. Einen Leib hast du mir bereitet, und siehe: ich komme, deinen Willen zu erfüllen.
Der Sohn Gottes sagt ja zum menschlichen Dasein. Es lohnt sich für ihn, Mensch zu werden und Mensch zu sein. Es ist ein erstrebenswertes Ziel, es hat Sinn und gibt Sinn. Im Weg Jesu sehe ich eine Möglichkeit, das eigene Dasein reicher und erfüllter werden zu lassen. Nach den Worten des Hebräerbriefes gebe ich ihm einen tieferen Sinn, wenn ich es sehe als einen Teil im Heilsplan Gottes; wenn ich es sehe als Teil dessen, was Gott mit uns vorhat.
Wenn ich es so begreife als meine Gabe von Gott zum Heil der Mitmenschen. Wenn ich mir die Haltung von Gottes Sohn zu eigen mache, kann ich meinem Leben in all seiner Unscheinbarkeit und Geringheit und Schwachheit einen Sinn geben, der tiefer reicht. Einen Leib hast du mir bereitet, und siehe: ich komme deinen Willen zu tun.
Wer diesen Weg versucht, über dessen Leben steht nicht mehr als Motto: ich mache nicht mehr mit! sondern: Ich bin dabei! Und wir können mit dabei sein, weil er sich für uns engagiert hat mit vollem Einsatz: sein Sohn wird Mensch; ER will zeigen, dass Menschsein lohnenswert ist. Wer solchen Lebensmut hat, der gewinnt. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass sie in dieser Hoffnung in die nächsten Tage gehen und in dieser Freude die kommenden Festtage feiern können.

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Die Welt wartet auf einen Erlöser.
Darum beten wir:


+ für die Kirche, die es schwer hat, in dieser Zeit die frohe Botschaft vom Kommen Christi glaubwürdig und überzeugend zu verkünden...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich ...

+ für die Mächtigen dieser Welt, in deren Verantwortung Entscheidungen über Krieg und Frieden liegen und über Gerechtigkeit für alle...

für die Menschen in äußerer und innerer Not, für die Opfer von Krieg, Hass und Ungerechtigkeit...

+ für alle, die in ihrer Seele tief verletzt sind, für die Kinder, Frauen und Männer, deren Vertrauen und enttäuscht und deren Liebe verraten wurde...

+ für unsere Gemeinde, für die Menschen unter uns, die in diesen Tagen einsam sind...


Gott unser Vater, du lässt die nicht allein, die auf deine Ankunft warten.
Dir danken wir und dich preisen wir in dieser Zeit und in der Ewigkeit. Amen