4. Advent, Lesejahr C

24.12.2006



Einleitung in die Eucharistiefeier

Dass Advent eine drängende Zeit ist, wird in diesem Jahr besonders spürbar, da am heutigen Abend schon Heilige Nacht begangen wird.
Wir dürfen die Zwänge dieses Kalenders durchaus mit adventlichen Augen sehen:
Gott drängt in unser Leben, und bringt es mit seinem Anspruch durcheinander.
Er will die Mitte sein, durch die wir Halt gewinnen und festen Stand.
So rufen wir ihn um Erbarmen an ...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 1,39-45 )

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.

Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt  und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes. Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib. Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

 

Predigt/Ansprache

Für die Weihnachtspost ist es an diesem vierten Advent schon zu spät. Die Zeit drängt.
Wie im Zeitraffer wird aus dem Advent Weihnachten, wird der Adventskranz durch den Weihnachtsbaum abgelöst.
Diese verkürzte Zeit lässt uns noch mehr in Stress geraten, unsere Schrittgeschwindigkeit hat sich erhöht.
Verwandtenbesuche sind vereinbart, manchmal freudig, gelegentlich auch mit Bangen und Stirnrunzeln erwartet.
Der Adventskalender der Liturgie öffnet ein letztes Bild. Es ist ein stilles Bild: ein verheißungsvoller Weg und ein Tor, das weit gemacht wird, eine offene Tür und offene Ohren. Ein Verwandtenbesuch, mehr nicht. Nichts Aufregendes, kaum der Rede wert.
Da tritt einer über unsere Schwelle, eilt aus der Weite Gottes auf uns zu wie ein Besucher,
der auf Gastfreundschaft angewiesen ist, auf offene Türen, auf einen Willkommensgruß,
eine freundliche einladende Geste.
Im Sommer während der Fußball-Weltmeisterschaft galt das Motto „Die Welt zu Gast bei Freunden"; wir versuchten, uns von unserer beste Seite zu zeigen: Menschen aus aller Herren Länder haben wir Gast sein lassen.
Heute will Gott Gast sein in seiner ihm nicht immer freundlich gesonnenen Welt.
Das feiern wir allen Ernstes: ER sucht uns auf, er tritt ein zu einer ganz bestimmten Zeit.
Wird er durchkommen oder ist der „Dornwald" des äußeren Rummels und der inneren Hektik undurchdringlich. Sein Kommen ist kein privater Hausbesuch, keine bloß innerliche Einkehr ins Herzenskämmerlein.
Er tritt in die Welt ein und sucht in ihr heute Nacht seine zweite Heimat.
Er wird nicht mit der Tür ins Haus fallen, sondern bittet und hofft, dass jemand zu Hause ist,
wenn er anklopft und über die Schwelle treten will.
Zu manchem kommt er wie ein lang erwarteter Besucher, zu anderen wie ein fast Vergessener, mit dessen Ankunft man nicht mehr gerechnet hat.
Er kann auch kommen wie ein Fremder, der um Aufnahme bittet.
Und er kommt auf jeden Fall, um zu bleiben, nicht für einen kurzen Small Talk.
Das gehört zum Geheimnis der vor uns liegenden Nacht: er will gebeten werden, dass er bleibt und nie mehr abreisen muss aus unserem Leben.
Dieser Gast freilich muss damit rechnen, dass er nicht überall willkommen sein wird.
Er lässt einem Zeit, Auch das gehört zum Geheimnis der vor uns liegenden Nacht:
die Geduld unseres Gottes, der seine Reise zu uns nicht vorzeitig abbricht, wenn wir uns eingestehen: ich bin noch nicht so weit, diesen Besuch zum empfangen.
Wenn wir uns eingestehen: Weihnachten kommt mir zu schnell, kommt mir zu früh in die Quere, stört meine Terminplanung.
Vielleicht will ich Weihnachten nur meine Ruhe haben, ungestört, endlich mit mir allein ... ?
Komm doch an einem anderen Tag zu Besuch, wenn es mir besser passt, wenn wir mehr Zeit hätten füreinander.
Weil dieser nächtliche Besucher so groß und so vielschichtig ist, brauchen wir eine Einübung in die Lebenskunst, Gastgeber zu sein.
Dass es gelingen kann, die Welt Gast sein zu lassen bei Freunden, haben wir im vergangenen Sommer bewiesen. Wir haben uns, so wurde es überall attestiert, von unserer besten Seite gezeigt.
Wird ER, dieser Gast, nach den Feiertagen das auch uns bescheinigen, dass wir uns von unserer beste Seite gezeigt haben?
Wird er bleiben können, weil wir ihn darum gebeten haben und ihm Raum gegeben haben in unserem Leben?
Vielleicht könnte es mit diesem Gast gelingen, dass die Suche nach Glück nicht ergebnislos,
sondern erfolgreich endet.
Michel Houellebecq schreibt in seinem Werk „Die Suche nach Glück":
Der Ort, an dem alle Missverständnisse aufgehoben sind, der magische Ort des Absoluten und der Transzendenz, wo das Wort ein Gesang ist, das Gehen ein Tanz, den gibt es nicht auf Erden. Aber wir gehen ihm entgegen.
Zu diesem Entgegen-Gehen möchte ich sie ermutigen.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Maria und Elisabeth haben der Verheißung Gottes vertraut.
In diesem Zutrauen dürfen auch wir beten:

+ für alle, die mit großen Erwartungen das kommende Weihnachtsfest begehen:

in Hoffnung auf familiären Frieden,
in Hoffnung auf Versöhnung mit Menschen, mit denen sie sich zerstritten haben,
in Hoffnung auf Tage in festlicher Stimmung und erholsamer Ruhe ...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich ...

+ für alle Mütter, die ein Kind erwarten:

für die, die es in Sorgen tun,
für alle, die es mit Schmerzen tun
und für jene, die es mit Freude tun ...

+ für alle, die erfüllt von der Botschaft Jesu Christi, ihr Glück anderen mitteilen:

als Väter und Mütter, als Lehrerinnen und Lehrer,
als Seelsorgerinnen und Seelsorger,
als Getaufte inmitten ihres Alltags ...

+ für jene, die angesichts der Festtage ihre Trauer besonders spüren:
und für jene, um die sie trauern, weil sie nicht mehr da sind ...

Gott, in deinem Sohn bist du uns nahe gekommen, so können wir dich selbst annehmen und aufnehmen.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit.