Aschermittwoch, Lesejahr C

21.02.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Gestern so, heute so. Gestern Trubel, heute Asche.
Will die Fastenzeit die Freude verdrängen? Auf keinen Fall. Wohl aber zeigt sie uns unverblümt, was Hauptsache und was Nebensache ist, wie die Gewichte des Lebens gelagert sind, was vorübergehend und was von Dauer ist.
Die Fastenzeit lädt uns ein zu genießen, nicht indem wir Mengen verschlingen, sondern indem wir mit kleinen Löffeln essen und uns die Gaben der Schöpfung auf der Zunge zergehen lassen.
Die Fastenzeit will der Freude dienen, indem wir neu mit dem Geber aller Gaben leben lernen. Mit jedem Neubeginn ist auch ein Weg verbunden.
Hören wir bewusst auf Gottes Wort, damit wir dann als Zeichen der Bereitschaft, diesen neuen Weg zu gehen, das Aschenkreuz empfangen.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 6,1-6.16-18)

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
Dein Almosen soll verborgen bleiben, und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.
Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht,
damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Predigt/Ansprache

Asche ist Ausdruck der Vergänglichkeit.
Es ist der traurige Rest eines vergangenen Materials, der Palmzweige des letzten Jahres.
Selbst dieser Rest ist noch sehr vergänglich.
Asche verweht, weil sie keine Form und Gestalt hat. Sie kann weggewischt werden und hinterlässt keine bleibenden Spuren. Nichts daran ist kostbar.
Gedenke, Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.
Warum sollten wir uns so drastisch an die Vergänglichkeit erinnern?
Man muss uns das nicht ausdrücklich sagen, dass die Welt und auch wir Menschen unweigerlich dem Ende zulaufen. Tag für Tag können wir davon in den Zeitungen lesen.
Und auch im persönlichen Bekanntenkreis oder gar in der eigenen Familie erleben wir leidvolle Krankheiten und Tod.
Soll uns etwa Angst eingejagt werden? Sollen wir daran erinnert werden, dass alles eben doch keinen Sinn hat? Das freilich würde der Lebensauffassung, die wir sonst in der Bibel entdecken, zuwiderlaufen.
Rühren wir also etwas an dieser Asche. Wirbeln wir ruhig einmal ordentlich Staub auf.
Denn der Staub der Jahrhunderte und der Jahrtausende liegt tatsächlich auf diesem Wort. Es ist uralt.
Wir finden es am Anfang der Schöpfungsgeschichte. Dort lesen wir, wie der Mensch aus dem Staub der Erde geformt wurde und ihm auf den Kopf zugesprochen wird: Du bist Staub. (Gen 3, 19)
Im Paradies wurde also Klartext gesprochen. Diese Aussage müssen wir so stehen lassen.
Wobei auch ein Körnchen Trost darin liegt. Wenn wir das staubige Elend beklagen, dann müssen wir eben nicht so tun, als ob wir allein damit fertig werden müssen.
Wir sind gerade nicht die einzigen, die es so getroffen haben. Asche sind tatsächlich alle, die leben.
Diese Staub- und Erdverbundenheit von uns Menschen zeigt sich ja bis heute: etwa in der eigenen staubigen Vergangenheit, in der Vorliebe der Kinder im Dreck zu spielen, auch in den verkümmerten Visionen, den Enttäuschungen an uns selbst, an den anderen, an der Kirche, an mancher Vergeblichkeit unserer Arbeit und Geschichte, an den traurigen Resten
einer zerbrechlichen und zerbröckelnden Beziehung.
Diese Staubkörner menschlichen Lebens gehören von Anfang an dazu.
Gerade auch die Ahnung davon, dass unser Leben begrenzt ist. Dass Krankheit und Tod das Los des Menschen sind. Was soll nach der Bibel nun die ganze Mühe im Leben, wenn alles Staub ist?
In der Schöpfungsgeschichte glimmt trotz allem ein kleiner Funke weiter.
Denn Gott formte den Menschen nicht nur aus Staub und Asche.
Der Mensch erhält noch ein göttliches Element dazu. Gott haucht dem Menschen einen lebendigen Atem ein. Dadurch wird er das kostbare, wertvolle und einzigartige Wesen.
Wenn der Mensch bewegt wird und belebt vom himmlischen Atem, dann kann er auch glauben, hoffen, und das Leben mit dem liebevollen Blick Gottes sehen.
Dann können wir das Leben vertrauensvoll gestalten, dann können sich Talente entfalten,
kann unser Leben kreativ werden.
Dieser göttliche Hauch weht auch im heutigen Evangelium.
Spürbar und erfahrbar ist er seit alters her in den drei Werken der Frömmigkeit..
Das erste fromme Merkmal ist das Almosen geben und zwar diskret und handfest.
Mitmensch sein für andere, dazu braucht es manchmal wirklich Geschick, Inspiration,
den göttlichen Atem.
Solche Hilfsbereitschaft und Güte werden vor den Augen Gottes keinesfalls wie Staub verwehen.
Auch das zweite fromme Kennzeichen wird bewegt vom göttlichen Luftstrom.
Es ist das ehrliche Gebet im stillen Kämmerlein. Gott kann es sich leisten, jeden einzelnen im Gebet anzuhauchen, er braucht dazu nicht die Masse.
In solch einem intimen und belebenden Gespräch kann er das Verkrustete aufbrechen und das Verkümmerte neu beleben. In solch einem Gespräch lässt sich dann auch sagen, wer Gott für uns ist, für einen ganz persönlich. Und wie wir uns vor ihm sehen.
Dass wir leben wollen und uns danach sehnen, von der Last vergangener Unzulänglichkeiten befreit zu werden.
Und auch beim dritten Merkmal, dem Fasten, weht göttlicher Hauch. Da geht es nicht darum, die Figur zu verbessern oder seine Willensstärke unter Beweis zu stellen.
Wir sollen im Fasten herausfinden, wie wir dem Willen Gottes in unserem Leben auf die Spur kommen.
Wie wir ihm begegnen sollen, der Barmherzigkeit und will und keine Opfer.
Der nicht will, dass das geknickte Rohr vollends abgebrochen wird, und dass der nur noch schwach glimmende Docht ausgelöscht wird.
Doch trotz allen guten Anfangs und trotz des zärtlichen Atems Gottes bleibt es dabei, dass wir Menschen Staub sind.
Aber dieses Zeichen der Vergänglichkeit hinterlässt doch eine bleibende Spur. Gott nämlich lässt die Menschen selbst in all dem staubigen Elend nicht allein.
Gottes Sohn teilt mit uns den Staub der Erde.
In ihm und im Zeichen des Kreuzes bekommt die Asche auf einmal eine zukunftweisende Gestalt.
Gedenk, o Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehrst. Das ist nur der vorletzte Schritt.
Denn hinter dem Kreuz leuchtet die Wirklichkeit der Auferstehung auf, das neue Leben das uns verheißen ist, das wir erst mit dem letzten Schritt erreichen.

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir werden immer wieder von Gottes Geist beschenkt. so bitten wir:

um eine frohe Bereitschaft, durch Gebet, Buße und Handeln unsere Zugehörigkeit zu Jesus Christus zu erneuern und zu vertiefen...

um Trost aus der Nähe zum Leben und Leiden Jesu
für alle, die Leid erfahren und erdulden müssen ...

um Versöhnung zwischen den Menschen durch die Versöhnung mit Gott für alle,
die in Zerwürfnissen leben und im Streit ...

um Erkenntnis und Freude im Glauben an Jesus Christus,
für alle, die sich auf Taufe und Eucharistie und auf Firmung vorbereiten ...

um das Leben in Gott für alle Verstorbenen aus unserer Gemeinde, aus unseren Familien und aus unseren Freundeskreisen ...

Gott, durch den Tod und die Auferstehung deines Sohnes hast du das Leben und Sterben aller verändert und uns Hoffnung geschenkt.
So gehen wir dir in diesen Tagen entgegen als dein Volk, das dich lob und preist jetzt und in der Ewigkeit. Amen