Fest Christi Himmelfahrt, Lesejahr C

20.05.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Lange Zeit haben sich die Menschen Christus vorgestellt wie einen übermächtigen König, als König der Könige und Herrn der Herren.
Solchen Bildern gegenüber sind wir zurückhaltend geworden; denn wir sehen zu deutlich, dass andere Mächte unsere Welt regieren. Ungerechtigkeit, Unfrieden und Not zeugen davon.
In den Gesichtern der Leidenden entdeckten wir eher den erniedrigten Heiland.
Zu dem einen Christus gehören beide Blickwinkel: der Gekreuzigte und der Verherrlichte.
Das Fest seiner Himmelfahrt verheißt uns, dass im Letzten schon alles anders geworden ist, dass alles vorläufig ist, Durchgang. Auch unser Weg führt zu einem Ziel, an dem der Herr schon angelangt ist. Was wir hier miteinander feiern ist ein Unterpfand dieser Hoffnung. Dem Herrn, zu dem wir unterwegs sind, gilt unser Ruf um Erbarmen...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 24,46-53 )

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.
Ihr seid Zeugen dafür.
Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herab senden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.
Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.
Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;
sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.
Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Predigt/Ansprache

corda! Empor die Herzen! Sollen wir die Herzen wirklich nach oben, zum Himmel, erheben? Heute, wie zu keiner anderen Zeit, gibt es auf der Erde genug Glück mit den Händen zu greifen. Es bietet sich uns eine Fülle von Möglichkeiten; Wissenschaft und Technik haben uns geholfen, schöner, freier und glücklicher zu leben. Und die Entwicklung geht weiter, die Fortschritte werden größer. Die Zukunft hat schon begonnen. Wir können den Himmel getrost den Spatzen überlassen. Was soll da noch ein Fest Christi Himmelfahrt?
Unsere Welt ist wie ein Schiff, das mit modernsten Instrumenten ausgestattet ist und eine optimal ausgebildete Besatzung hat; nur eines fehlt dem Schiff: der Kompass.
Keiner weiß so genau, wohin die Fahrt eigentlich geht. Albert Einstein hat das zu seiner Zeit vorausschauend so beschrieben: „Wir leben in einer Welt vollkommener Mittel und verworrener Ziele." In der Tat: neben einer großen Euphorie gibt es viel Angst, gibt es Leiden an der Sinnlosigkeit des Daseins. Man spricht von einem „existentiellen Vakuum".
Darum ist das heutige Fest nicht überflüssig; ganz im Gegenteil: es lässt uns verstehen,
was in unserem Leben unten und oben ist und wie beides zusammengehört.
Das Unten kennen wir zur Genüge. Die Lesung richtet unseren Blick nach oben.
Oben - das ist der Raum des auferweckten Christus, hoch über alle Mächte und Herrschaften.
Seit Christus auferstanden und erhoben ist, gilt nicht mehr das Irdische, gilt nicht mehr das Unten allein, denn das Entscheidende vollzieht sich im Himmel.
Durch Christus leben wir unter einem geöffneten Himmel, nicht mehr nur in der Enge menschlichen Daseins, sondern schon in der unendlichen Weite von Gottes Horizont.
Wir sind auf eine neue Dimension verwiesen und auf eine neue Zukunft. Was die Welt zu bieten hat, ist nicht wenig und wir sind davon auch fasziniert. Aber je mehr wir uns darauf einlassen, desto mehr stellen wir fest, dass es in allem etwas zu wenig ist, dass ein Manko bleibt. Wir leiden mehr oder weniger an einem Vakuum, das nicht so leicht gefüllt werden kann vom Materiellen.
Sursum corda! Erhebt die Herzen! Gott, der im Buch der Weisheit Liebhaber des Lebens genannt wird, ist der, der dieses Vakuum füllen kann: mit letztem Glück, mit geglückter Vollendung, mit anhaltender Freude, mit bleibendem Frieden, mit unzerstörbarem Heil.
ER kann es wirken in seiner Kraft und Stärke, nicht erst einst, sondern ER gibt schon jetzt Anteil daran.
In der Gabenbereitung bringen wir Brot und Wein; es sind Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit. Und wir bitten Gott, dass er diese Gaben mit seinem Leben füllt.
Da findet ein heiliger Austausch statt. Was wir auf unserer Erde erarbeiten, empfängt den Segen von oben, so dass SEIN Heil jetzt schon gegenwärtig wird. Das Oben wirft sein Licht in unsere Welt hinein.
Das wird uns heute verheißen. Einem Versprechen kann man trauen oder auch mit Misstrauen begegnen. Es kommt - wie es in der Lesung formuliert war - auf die Augen des Herzens an, auf die Intensität unseres Vertrauens und unserer Liebe, damit wir erkennen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind; damit wir erkennen, welche Herrlichkeit und Fülle ER uns schenken will; wenn, wenn wir unsere Herzen festmachen, verankern in DEM, DER oben ist in Christus. Empor die Herzen! Erhebt die Herzen! Haben wir sie wirklich schon beim Herrn?

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Das heutige Fest öffnet unseren Blick zum Himmel. Darum beten wir:


• für alle, denen das Werk der Verkündigung aufgetragen ist: um Segen für ihr Bemühen, glaubwürdige Zeugen zu sein.

Gott, du Liebhaber des Lebens ... Herr, erbarme dich..

• für die Männer und Frauen, die große Verantwortung tragen für das Zusammenleben der Völker: um Weisheit und um Kraft, das durchzusetzen, was dem Wohl aller dient

• für die Menschen in großer Not, für alle, die in diesem Leben zu kurz kommen:
um die Hilfe ihrer Mitmenschen und um Trost aus dem Vertrauen auf deinen Beistand.

• für unsere Gemeinde, für die Glaubenden und für jene, deren Herz gefangen ist von den materiellen Gütern:
um immer wieder neue Anstöße zu einem bewussten Leben in deiner Gegenwart

Vater im Himmel, dein Sohn ist uns vorausgegangen, um uns einen ewige Wohnung zu bereiten. Auf ihn schauen wir und preisen dich in dieser Zeit und in der Ewigkeit. Amen