34. Sonntag im Jahreskreis / Christköning, Lesejahr C

21.11.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Vom Kind zum König - das Kirchenjahr ist durchschritten: von der Krippe zur Krone.
Noch einmal eine Huldigung der Niedrigkeit. Noch einmal ein Lobgesang für alles, was Krippe, Kreuz und Krone uns geben: andere Maße, andere Sichten, eine andere Zeit.
Vor allem eine andere Zeit: Gottes Zeit ist nicht meine Zeit, zum Glück.
Gottes Zeit ist nicht ein Abschnitt von Geburt bis Tod. Gottes Zeit ist nicht Werden und Vergehen. Gottes Zeit ist Schöpfung und Erlösung, mitten in meiner Zeit, am Ende sowieso. Mitten in meiner Zeit geschieht Gott: sein Wort wird gesprochen, seine Zeichen werden vollzogen, sein Leib gegessen.
Unsere Feier holt Christus als König in unsere Zeit, damit wir uns öffnen können für Gottes Ewigkeit, damit all unser Tun, unser Singen und Beten, unser Hören und Essen, unser Klagen und unsere Freude das Ziel finden.
Was nicht liebt, vergeht. Wir können lieben, weil Christus König aus Liebe ist.
Wer liebt, wird König, Christus zuerst und dann wir, wenn wir in seiner Nachfolge zur Liebe bereit werden...

Zweite Lesung ( Kol 1,12-20 )

Dankt dem Vater mit Freude! Er hat euch fähig gemacht, Anteil zu haben am Los der Heiligen, die im Licht sind.
Er hat uns der Macht der Finsternis entrissen und aufgenommen in das Reich seines geliebten Sohnes.
Durch ihn haben wir die Erlösung, die Vergebung der Sünden.
Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung.
Denn in ihm wurde alles erschaffen im Himmel und auf Erden, das Sichtbare und das Unsichtbare, Throne und Herrschaften, Mächte und Gewalten; alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen.
Er ist vor aller Schöpfung, in ihm hat alles Bestand.
Er ist das Haupt des Leibes, der Leib aber ist die Kirche. Er ist der Ursprung, / der Erstgeborene der Toten; so hat er in allem den Vorrang.
Denn Gott wollte mit seiner ganzen Fülle in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen. Alles im Himmel und auf Erden wollte er zu Christus führen, der Friede gestiftet hat am Kreuz durch sein Blut.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 23,35-43 )

Die Leute standen dabei und schauten zu; auch die führenden Männer des Volkes verlachten ihn und sagten: Anderen hat er geholfen, nun soll er sich selbst helfen, wenn er der erwählte Messias Gottes ist.
Auch die Soldaten verspotteten ihn; sie traten vor ihn hin, reichten ihm Essig und sagten: Wenn du der König der Juden bist, dann hilf dir selbst!
Über ihm war eine Tafel angebracht; auf ihr stand: Das ist der König der Juden.
Einer der Verbrecher, die neben ihm hingen, verhöhnte ihn: Bist du denn nicht der Messias? Dann hilf dir selbst und auch uns!
Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen.
Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.
Dann sagte er: Jesus, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.
Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.

 

Predigt/Ansprache

Es ist nicht einfach, von Christus, dem König, zu reden. Unsere demokratisch verfasste Gesellschaftsordnung hat uns vom Königtum entfremdet und seine Geschichte reserviert für einen ganz bestimmten Journalismus.
Hinzu kommt, dass die internen familiären Schwierigkeiten mancher Königshäuser gerade in diesen Tagen den Eindruck entstehen lassen, dass es auch dort nur allzu menschlich zugeht. Auch bei Königs menschelt es. Manche träumerische Projektion einer heilen Welt ist da wie ein Luftballon zerplatzt.
Und dennoch geht von den Königshäusern eine Faszination aus, so dass unzählige Illustrierte mit dem Bericht von Glanz und Glitzern eine Menge Geld verdienen.
Die Hochzeit des spanischen Kronprinzen in diesem Sommer sollen mehr als 900 Millionen Menschen am Fernsehen verfolgt haben. Grund für diese Faszination scheint mir, dass das Bild des Königs eine tiefe Hintergründigkeit hat. Es scheint mir, dass es wie ein wichtiges Bild für das Leben tief in unserer Seele eingebrannt ist.
Deshalb will ich fragen: Was sind Merkmale eines guten Königs? Was ist königlich?
Und was fasziniert Menschen wie dich und mich am königlichen Ambiente?
Mit einer ungewöhnlichen Überlegung habe ich auf diese Fragen eine Antwort gefunden.
Wie kann man einen Esel, der keinen Durst hat, trotzdem zum Trinken bewegen?
Und wie kann man - bei allem Respekt- einen Menschen dazu bringen, nach Gott zu dürsten, wenn er diesen Durst verloren hat und sich mit Bier und Schnaps, manchmal mit ein bisschen Sekt und Sex, mit Fernsehen und Autofahren zufrieden gibt?
Schlägt man auf den Esel ein, bis er trinkt? Soll man ihm Salz zum Schlucken geben?
Beides wäre Tierquälerei. Man muss einen durstigen Esel herbeischaffen, der ausgiebig und mit großem Behagen aus dem Eimer säuft. Aber ohne jedes Theater, einfach weil er Durst hat, einen großen unstillbaren Durst. Das wird seinen Artgenossen nicht unbeeindruckt lassen.
Die Lust wird ihn bewegen, sich zum Eimer zu neigen und im tiefen Zug das erfrischende Wasser zu schlürfen.
Diese Überlegung von Jaques Loew möchte ich auf Gott übertragen. Gott hat Lust am Leben und nichts liegt ihm so am Herzen, als dass wir den Durst nach Leben teilen.
Aber wer wüsste nicht, dass wir oft die Lust am Leben vergessen, bisweilen verloren haben.
Wir verdrängen ja nicht nur mit Konsum von Auto und Fernsehen und manch anderem unser Leben, sondern wir erleben auch, im nachhinein meistens bitter, dass durch Neid, Eigensucht, durch Gewalt und Menschenhass, durch Feindschaft oder auch nur Vorurteil uns viel vom Leben verloren geht.
Und was macht Gott mit den Menschen, die die wahre Lust am Leben verloren haben?
Wie geht Gott mit denen um, die auf Kosten anderer leben, weil sie einer falschen Lust anhangen und damit bewirken, dass viele keine Freude mehr am Leben finden können?
Wie herum auch immer - die Botschaft des heutigen Tages bezeugt: Gott schlägt und quält den Menschen nicht, er straft nicht und fügt keine Schmerzen zu. Er will, dass der Mensch freiwillig trinkt aus der Quelle des Lebens, dass er trinkt aus der Gemeinschaft mit ihm und daraus die Freude am Leben gewinnt.
Darum ist er einer von uns geworden. Mit seinem eigenen Leben stellt er seinen unstillbaren Durst nach Leben unter Beweis.
Mit Jesus hat Gott sich in die Reihe der Menschen gestellt. Still und unscheinbar zeigt dieser Jesus, welche Lust am Leben ihm zu eigen ist. Niemand steht so zum Leben wie er. In seiner Nähe finden Menschen zum Leben: Blinde erhalten die Sicht, Taube hören wieder die zarten Saiten der Liebe, Gelähmte bewegen sich wieder, Aussätzige kommen wieder in die Gemeinschaft, Toten finden wieder zum Leben zurück.
Durch die Begegnung mit ihm ist das Leben beschenkt mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe, so dass sie durch ihn erfahren, wie sehr das Leben zum Guten wachsen kann. Selbst seinen Tod stirbt er für das Leben der anderen. In den letzen Atemzügen schenkt er dem Verbrecher Verzeihung um seines Lebens willen, gibt ihm die Verheißung, das neue Leben im Paradies mit ihm zu teilen.
Das alles hat der Verfasser des Kolosserbriefes im Kopf und im Herzen, wenn er schreibt:
Dankt dem Vater mit Freude! Durch ihn haben wir das neue Leben ,die Vergebung der Sünden... Denn Gott wollte mit der ganzen Fülle seines Lebens in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen und ins Leben zurückzuführen...
Gott wollte mit der ganzen Fülle des Lebens in Jesus wohnen - und Jesus hat Gott uneingeschränkt in sich Wohnung nehmen lassen.
Darin gründet seine königliche Würde, mit der auch wir zu Königen und Priestern werden vor Gott, wie es der Petrusbrief schreibt und wie es in der Präfation nachher heißt.
Deshalb stellt sich der Herr neben uns, lehrt uns mit Worten und Taten, aus der wahren Quelle des Lebens zu trinken. Aus dieser Lebensquelle - freiwillig- den Durst zu stillen, das ist königlich und das hat eine Konsequenz.
Martin Buber bringt sie mit einem Satz zum Ausdruck:
Es gibt nur eine wirkliche Sünde: zu vergessen, dass jeder ein Königskind ist.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Christus ist unser König. Zu ihm beten wir:


* Christus, dem leidenden König, empfehlen wir die Menschen, die in bitterer Armut und Krankheit und täglicher Angst leben...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns

* Christus, dem dienenden König, empfehlen wir die Menschen, die sich um das Wohl der Ärmsten der Armen sorgen...

* Christus, dem König, der Gott die Ehre gibt, empfehlen wir alle, die als Getaufte in der Unsicherheit des Lebens auf ihn schauen und das Evangelium in ihrem Alltag bezeugen wollen...

* Christus, dem kommenden König der Herrlichkeit, empfehlen wir jene Männer und Frauen, die Verantwortung tragen in Staat und Gesellschaft...

* Christus, dem König des ewigen Lebens, empfehlen wir unsere verstorbenen Brüder und Schwestern...

Gott, ewig und allerbarmend du hast uns zu Schwestern und Brüdern deines Sohnes gemacht und uns durch die Taufe Anteil gegeben an seiner Königswürde.
Dir danken wir und dich loben wir jetzt und in der Ewigkeit. Amen