34. Sonntag im Jahreskreis / Christköning, Lesejahr C

25.11.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Vom Kind zum König - das Kirchenjahr ist durchschritten.
Von der Krippe zur Krone - noch einmal eine Huldigung der Niedrigkeit, noch einmal ein Lobgesang für alles, was Krippe, Kreuz und Krone uns geben: andere Maße, andere Sichten, andere Werte, eine andere Zeit.

Vor allem eine andere Zeit.
Gottes Zeit ist nicht meine Zeit, zum Glück.
Gottes Zeit ist nicht ein Abschnitt von Geburt zum Tod;
Gottes Zeit ist nicht Werden und Vergehen.
Gottes Zeit ist Schöpfung und Erlösung,
schon mitten in meiner Zeit, und am Ende sowieso. Mitten in meiner Zeit ereignet sich Gott:
sein Wort wird gesprochen, seine Zeichen werden vollzogen, sein Leib wird gegessen.
Unsere Feier holt Christus als König in unsere Zeit, damit wir uns öffnen können für Gottes Ewigkeit, damit all unser Beten und Singen, unser Hören und Essen, unser Klagen und unsere Freude, damit all unser Tun das Ziel findet.
Was nicht liebt, vergeht. Wir können lieben, weil Christus König aus Liebe ist.
Wer liebt, wird königlich, Christus zuerst und dann auch wir, wenn wir in seiner Nachfolge stehen. Ihn ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen ...

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 23,35-43 )

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:

wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
Und alle Völker werden von ihm zusammengerufen werden, und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Erde für euch bestimmt ist.
Denn ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank, und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Dann wird er sich an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig, und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
ich war fremd und obdachlos, und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis, und ihr habt mich nicht besucht.
Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

 

 

Predigt/Ansprache

Es ist nicht einfach, vom Christus, dem König zu reden.
Unsere demokratisch verfasste Gesellschaftsordnung hat uns vom Königtum entfremdet und seine Geschichte reserviert für einen ganz bestimmten Journalismus.
Auch bei Königs menschelt es. Manche träumerische Projektion einer heilen Welt ist diesem Sektor ist wie ein Luftballon zerplatzt.

Und dennoch geht von den Königshäusern eine Faszination aus; unzählige Gazetten verdienen mit den Berichten von Glanz und Glitter eine Menge Geld. Grund für diese Faszination scheint mir, dass das Bild von einem König eine tiefe Hintergründigkeit hat; es scheint mir, dass es ein wichtiges Bild für das Leben ist, tief in unsere Seele verankert.
Deswegen will ich fragen: Was sind Merkmale eines guten Königs? Was ist königlich?.
Mit einer ungewöhnlichen Überlegung habe Antwort gefunden auf diese Fragen.
Wie kann man einen Esel, der deinen Kurst hat, trotzdem zum Trinken bewegen?
Und wie kann man -bei allem Respekt! - einen Menschen dazubringen, nach Gott zu dürsten, wenn er diesen Durst verloren hat und sich begnügt mit Bier und Schnaps, manchmal ein bißchen Sekt und Sex, der sich mit Fernsehen und Autofahren zufrieden gibt?
Soll man auf den Esel einschlagen bis er trinkt? oll man ihm Salz zu schlucken geben?
Beides wäre Tierquälerei.Man muss einen anderen durstigen Esel herbeischaffen, der ausgiebig und mit großem Behagen an der Seite seines Artgenossen aus dem Eimer säuft.
Aber ohne jedes Theater, einfach weil er Durst hat, einen großen, schier unstillbaren Durst!
Das wird seinen Kollegen beeindrucken. Die Lust wird ihn bewegen, sich zum Eimer zu neigen und in tiefem Zug das erfrischende Wasser zu schlürfen.
Diese Überlegung, die Jaques Loew angestellt hat, möchte ich auf Gott übertragen:
Gott hat Lust am Leben und nichts liegt ihm so am Herzen als dass wir den Durst nach Leben teilen.
Aber wer wüsste nicht, dass wir oft die Lust am Leben vergessen?
Wir verdrängen ja nicht nur mit Konsum unser eigenes Leben, sondern wir erleben auch, meistens bitter im Nachhinein, dass durch Neid, Eigensucht, durch Gewalt und Hass,
durch Feindschaft und auch nur durch Vorurteil gegen Menschen anderer Farbe und Sprache
viel von der Lebensqualität verloren geht.
Was macht Gott mit den Menschen, welche die wahre Lust am Leben verloren haben?
Wie geht Gott mit denen um, die auf Kosten anderer leben, weil sie die falsche Richtung eingeschlagen haben und damit bewirken, dass viele keine Freude mehr am Leben finden,
finden können?
Wie herum auch immer: die Botschaft des heutigen Tages bezeugt: Gott schlägt oder quält den Menschen nicht, er straft nicht und fügt keine Schmerzen zu, das machen wir Menschen selbst.
Gott will, dass der Mensch freiwillig trinkt aus den Quellen des Lebens; dass er trinkt aus der Gemeinschaft mit IHM und daraus Freude gewinnt für das Leben und am Leben.
Darum wird Gott einer von uns. Mit seinem eigenen Leben stellt er seinen unstillbaren Durst nach Leben unter Beweis.Mit Jesus stellt sich Gott in die Reihe der Menschen: still und fast unscheinbar zeigt dieser, welche Lust am Leben ihm zu eigen ist.
Niemand steht so zum Leben wie er. In seiner Nähe finden Menschen zum Leben: Blinde erhalten die Sicht, Taube hören wieder die zarten Saiten der Liebe, Gelähmte bewegen sich wieder, Aussätzige kommen wieder in die Gemeinschaft, Tote finden wieder zum Leben zurück.
Durch die Begegnung mit ihm wird das Leben beschenkt mit Vertrauen, Hoffnung und Liebe,
so dass sie durch IHN erfahren, wie sehr das Leben zum Guten wachsen kann.
Selbst seinen Tod stirbt er für das Leben der anderen. In den letzten Atemzügen schenkt er dem Verbrecher Verzeihung um seines Sterbens willen und gibt ihm die Verheißung, das neue Leben im Paradies mit ihm zu teilen.
Das alles hat der Verfasser des Kolosserbriefes im Kopf und ihm Herzen, wenn er schreibt:
Dankt dem Vater mit Freude! Durch ihn haben wir das neue Leben, die Vergebung der Sünde...
Denn Gott wollte mit der ganzen Fülle seines Lebens in ihm wohnen, um durch ihn alles zu versöhnen und ins Leben zurückzuführen.
Gott wollte mit der ganzen Fülle des Lebens in Jesus wohnen und dieser Jesus hat Gott uneingeschränkt in sich Wohnung nehmen lassen.
Darin gründet seine königliche Würde; und darin liegt auch unsere Würde, mit der wir alle zu Königen und Priestern werden vor Gott, wie es eine andere Bibelstelle einmal umschreibt.
Deshalb stellt sich der Herr neben uns, lehrt uns mit Worten und Taten, aus der wahren Quelle des Lebens zu trinken. Aus dieser Lebensquelle freiwillig den Durst zu stillen,
das ist königlich und hat königliche Konsequenzen.
Der Jude Martin Buber hat das mit einem Satz zum Ausdruck gebracht: Es gibt nur eine wirkliche Sünde: zu vergessen, dass jeder ein Königskind ist.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Dem gekreuzigten Herrn, der kommen wird, um seine Königsherrschaft zu vollenden, wenden wir uns voll Vertrauen zu:


+ wer kompromisslos die Botschaft Jesu verkündet, ist immer wieder Unverständnis, mitunter auch der Verfolgung ausgesetzt.
Lasst uns beten für alle, die für ihr Glaubenszeugnis leiden ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ Friede kommt nur zustande und bleibt nur erhalten, wenn Rücksicht genommen wird auf andere:
Lasst uns beten für jene, denen Unrecht geschieht, und auch für solche, die Unrecht tun ...

+ es gibt körperliches und seelisches Leid, das niemand dem anderen abnehmen kann:
lasst uns beten für jene unter uns, die Schmerzen haben und an Kummer leiden ...

+ es gibt das Böse in unserer Welt und die Sünde, es gibt Schuld, die man nicht mehr gut machen kann:
lasst uns beten für jene, die im Bösen gefangen sind und sich daraus nicht befreien können ...

+ täglich sterben Menschen: die einem in Frieden mit Gott, andere in Auflehnung gegen ihn oder in Verzweiflung:
lasst uns beten für alle, die in der nächsten Zeit vor den barmherzigen Gott hintreten müssen ...

Gott, du Vater unseres Herrn Jesus Christus, du hast uns deinen Sohn geschenkt,
damit dein Reich unter uns aufgerichtet werde.
Dir danken wir und dich ehren wir, jetzt und in der Ewigkeit. Amen

 

Segensgebet

Gott segne euch, damit ihr euch gelöst und glücklich fühlt;
Gott begleite euch, um euch Mut zu machen und mit euch auf ein gutes Ziel zuzugehen.
Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten, damit eure Lebensaufgaben euch herausfordern und euch bis an die Grenzen gehen lassen,
wo er selbst zu finden ist.
Der Herr sei euch gnädig, damit ihr immer wieder die Kraft zum Durchhalten spürt.
Der Herr wende euch sein Angesicht zu, damit die Freundschaft zu ihm wächst.
Gott schenke euch sein Heil: im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen