Sonntag nach Pfingsten / Dreifaltigkeit, Lesejahr C

06.06.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Gott, der unsichtbare Vater, dessen Liebe zu uns Menschen sich Jesus gezeigt hat und der im Heiligen Geist der Welt nahe ist, sei mit euch!
Am Ende der großen Feiern, die mit Weihnachten beginnen und über Ostern bis Pfingsten reichen, steht seit dem Mittelalter unübersehbar - und gleichsam als Schlusspunkt oder Ausrufezeichen - der Dreifaltigkeitssonntag.
Mit diesem Festtag will die Kirche unterstreichen, dass der Grund all unseres Feiern Gott selbst ist, der sich nicht vor den Menschen verschließt, In Jesus nimmt diese heilvolle Nähe Gottes zu uns konkrete Form an.
Im Ostergeschehen erfahren wir, dass Gott gerade im Leiden und Sterben nahe bleibt; seine Liebe und Treue sind stärker als der Tod. Pfingsten gipfelt in der Erfahrung, dass die Beziehung zu Gott Menschen verändern, mobilisieren, begeistern kann.
Im Namen dieses dreifaltigen Gottes beginnen wir unsere gemeinsame Feier.
Ihn rufen wir um Erbarmen an: Herr, Jesus Christus, du menschgewordene Liebe des Vaters, Du Sohn Gottes, empfangen vom Heiligen Geist, Du bist uns nahe durch das Band der Liebe.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 16,12-15 )

Das ist mein Gebot: Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Vielmehr habe ich euch Freunde genannt; denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu bestimmt, dass ihr euch aufmacht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt. Dann wird euch der Vater alles geben, um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!

Predigt/Ansprache

Es gibt Worte, Wahrheiten und Themen, die sind und bleiben nachdenkenswert. Es lohnt sich bei ihnen, forschend in die Tiefe vorzudringen. Gleichzeitig drängen viele Worte und Wahrheiten danach, Leben zu werden, sonst verfehlen sie ihren Sinn.
Alle tief greifenden Worte können zum hohlen Geschwätz werden, wenn sie keinen Sitz im Leben haben, wenn sie dort nicht verwurzelt sind.
Arm sind wir, wenn wir die Liebe forschend durchdringen, aber nicht von ihr durchdrungen sind. Arm sind wir, wenn wir das Wesen Gottes durchdringen wollen, aber von ihm nicht durchdrungen sind.
Gott ist die Liebe, sagt an vielen Stellen der Verfasser der Johannes-Briefe. Gott ist gnädig, barmherzig, langmütig, reich an Huld und Treue. Diese Liebe drängt ihn, nicht bei sich selbst zu bleiben, sondern Beziehung aufzunehmen.
Das tat Gott in der Schöpfung. ER rief alles ins Sein, was da ist. Gott nahm Beziehung auf in der Heilsgeschichte. Mit dem Volk Israel schloss er einen Bund und bliebt treu auch dort, wo die Menschen sich störrisch gebärdeten oder ihn sogar verstießen.
Gott blieb in Beziehung zur Welt in der Menschwerdung seines Sohnes, wo er deutlich macht, wie sehr er liebt: die Heil-losen, die Sünder, die Menschen mit einer Sehnsucht nach Glück.
Und er blieb in Verbindung zu den Menschen, als er der jungen Kirche den Heiligen Geist sandte, den Geist, in dem er seitdem die Kirche begleitet, den Geist, der in den Herzen der Gläubigen das Feuer der Liebe entzündet.
All diese Bewegungen Gottes haben nicht das Ziel, uns Menschen anzuregen, über die Liebe und über Gott zu philosophieren, und Manuskripte darüber zu erstellen, sondern ebenfalls eine Bewegung der Liebe zu entfalten - in uns.
Die Theologie des Mittelalters hat gefragt, warum Gott die Menschen erschaffen habe.
Don Scotus hat die Antwort gegeben: Deus vult condiligentes se. Gott hat die Menschen erschaffen, weil er Sehnsucht hatte nach Wesen, die mit IHM lieben.
Wenn der dreifaltige und zugleich dreieine Gott Liebe ist, und in Liebe auf uns zugeht,
dann ist die Kernfrage des heutigen Festes nicht, was können wir über Gott und sein Wesen aussagen, sondern: wie können wir einschwingen in seine Bewegung? In seine Bewegung der Liebe?
Dann ist die Kernfrage nicht: Wie richtig ist unser Wissen über diesen Gott? sondern:
Wie richtig ist unser Tun aus der Beziehung zu diesem liebenden Gott?
Wie recht hat doch der Apostel Paulus, wenn er im Hohen Lied der Liebe an die Korinther schreibt: Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, wäre ich scheppernden Blech und lärmende Trommel. Wenn ich die Liebe nicht hätte, wäre ich nichts.
Das wird der Gradmesser sein, ob wir etwas verstanden haben von Gott und seinem Wesen.
Der Schlüssel zum Herzen der Menschen, wird nie unsere Klugheit, sondern immer unsere Liebe sein. Das wäre die angemessene Predigt über Gott, die Predigt, die alle verstehen würden, die nach Gott suchen.
Wenn wir solche Predigt schuldig bleiben, dann verkünden wir den nicht, auf den wir uns berufen. Dann sind wir nur lärmende Trommel und schepperndes Blech, dann sind wir - nichts.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Aus Sorge für alles, was der dreifaltige Gott ins Dasein gerufen und befreit hat, beten wir um seinen immerwährenden Schutz:


für Gottes gute Gabe, für seine Schöpfung, die heute von vielen Seiten her bedroht ist,
für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

für Gottes Ebenbild, für die Menschen, die auf vielfältige Weise ihrer Würde beraubt
werden, für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

für Gottes Heilszeichen in der Welt, für sein Volk des Alten und des Neuen Bundes, welche die Hoffnung auf Gott hin lebendig halten sollen, für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

für Menschen in großer Not, für solche die von Naturkatastrophen heimgesucht werden, für solche, die keinen Ausweg finden aus Hass und Krieg, für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

für alle, die nichts wissen und nichts wissen wollen von Halt und Glück, die das Vertrauen an Gott schenken, für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

für unsere Toten, um die Erfüllung von Gottes Verheißung in der Auferstehung aller, für sie beten wir:
Herr, erhöre unser Gebet und lass unser Rufen zu dir kommen...

Gott, unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir.
Dich den dreifaltigen Gott preisen wir jetzt und in der Ewigkeit. Amen