Pfingstsonntag, Lesejahr C

30.05.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Mit kraftvollen Ausdrücken wird der fünfzigste - pfingstliche - Tag geschildert, an dem Gottes Geist kommt.
Gewaltig und unbändig ... von Sturm und Feuersgluten, die Wasser fluten und Feueratem brennt, wo er auftritt..
Das ist aber nur die eine Seite dieses Geistes, der Gottes Reich lebendig werden lässt.
Zwischen Hauch und Sturm, zwischen Taube und Feuer bewegen sich die Bilder, mit denen die Heilige Schrift das Wirken des Gottesgeistes beschreibt.
Die Bandbreite der vergleichenden Bilder macht deutlich, wie vielfältig er ist und wie verschieden er wirkt.
Das macht die Begegnung mit ihm so schwer, aber auch so interessant, auch oder gerade weil sie nicht eindeutig zu greifen ist.
Den Herrn, der ihn verheißen hat, ehren wir, wenn wir um sein Kommen und um seine Gaben bitten...

 

Erste Lesung (Apg 2, 1-11 )

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort. Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder. Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab. In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden. Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden? Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören: Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten, Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden. Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?

 

Predigt/Ansprache

An Weihnachten ist Ihr Mitbringsel bei einem Besuch Springerle aus Ihren alten Backformen
und nach dem bewährten Familienrezept, Gutzle in den Formen von Halbmonden und Sternen, von Tannenbäumen und Glocken und das Ganze auch aus Schokolade und Marzipan.
An Ostern sind's die Eier, echte oder aus Nugat, oder Ausstecherle in Lämmchenform.
Was aber bringen Sie zu Pfingsten mit? Schokoladen-Tauben oder Krokantzungen?
Die Süßwarenindustrie stellt keine Hilfe dar beim Verstehen des Festes heute und unsere Kochbücher kennen kein traditionelles Festessen zu den Pfingsttagen.
Heiliger Geist und Feuerzungen - nach dem Bericht der Apostelgeschichte - die Pfingstzeichen, sind keine Motive, die sich niederschlagen in unseren Festbräuchen.
Und das ist gut so! Gottes Geist ist etwas, das den Rahmen sprengt, das die Mauern überwindet, hinter denen sich die Jünger aus Angst verschanzt hatten.
Gottes Geist geht weit über das hinaus, was wir uns ausdenken können.
Deswegen müssen wir weit über das hinausgehen, was wir gewöhnlich mit Pfingsten verbinden. Lassen wir die Dynamik der Feuerzungen zurück und gehen wir einen anderen Weg, der uns vielleicht auf neue Weise Pfingsten näher bringt und auch erlebbar werden lässt.
Der erste Schritt auf diesem Weg heißt Leere, zunächst Leere.
Wenn ich den Heiligen Geist empfangen will, wenn ich von ihm erfüllt werden möchte,
muss ich ihm Platz einräumen, muss ich leer sein.
Martin Luther hat es so ausgedrückt: Gottes Natur ist, dass er aus nichts etwas macht.
Wenn wir etwas sind, dann sind wir schon belegt und nicht mehr frei.
Wer nicht festgelegt ist auf bestimmte Vorstellungen, wie der Heilige Geist wirken soll,
wie ich im begegnen kann, der ist leer und damit ein nichts, aus dem Gott etwa schaffen kann
Ansonsten ist die Gefahr groß, dass ich ihn übersehe, weil ich -um im Bild zu sprechen-
Sturmesbrausen und Feuerzungen erwarte, wo Gottes Geist doch ganz anders wirkt.
Und noch etwas meint das Leer-Sein: Der Heilige Geist ist ein Geist der Gemeinschaft, der Gemeinschaft mit Gott und untereinander.
Das erste, das Jesus den Jüngern wünscht, als er in ihre Mitte tritt, ist der Friede.
Damit Gemeinschaft entstehen kann, muss ich leer werden von mir und meinen Erwartungen für mich, um frei zu werden für andere und für Gott.
Der zweite Schritt auf dem Weg zu Pfingsten ist vielleicht die Stille.
Wir müssen leise werden, denn Gottes Geist ist leise.
Er will mich nicht überreden oder gar überwältigen.
Die Apostelgeschichte führt ein Brausen an, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt.
Ganz anders der Text im Johannesevangelium: Jesus haucht die Jünger an und sprach: empfangt den Heiligen Geist. Nur ein Hauch also!
Wie schnell kann ich den überhören. Ein Hauch nur, aber etwas ganz persönliches,
mir zugehaucht.
Der dritte Schritt auf dem Weg zu Pfingsten scheint mir genauso wichtig: es ist die Zeit.
Zeit um leer zu werden, Zeit um still zu werden, Zeit um zu hören und zu empfangen.
Die Jünger warten nach der Himmelfahrt Christi 10 Tage in Jerusalem.
Auch wir können den Geist Gottes nicht gleich jetzt und hier und heute erwarten
und uns dann anderen Dingen zuwenden, wenn es nicht so läuft wie wir es uns wünschen.
Wir müssen uns Zeit nehmen, um dem Heiligen Geist Zeit zu lassen.
Denn er weht, wann er will und nicht nur, wo er will.
Leere, Stille, Zeit - und dann?
Wie kann er dann mich und mein Leben verwandeln?
Denn er will ja nicht nur ein Geist der Gebete und des Gottesdienstes sein.
Der Herr hat ihn verheißen als Beistand und Begleiter, der mit uns geht auf den Wegen unseres Lebens. Experimentell kann man sicherlich nicht nachweisen, dass Gottes Geist einen erfüllt, aber an manchen Stellen wird man seine Kraft entdecken.
Wenn ich zum Beispiel in Trauer und Abschied den Mut finde, neue Wege zu gehen;
wenn zum Beispiel Freude und Dankbarkeit sich in mir breit machen,
obwohl die äußere Situation gar nicht danach ist; wenn ich doch noch gute Seiten in einem Mitmenschen entdecke, den ich abgeschrieben habe, der mir nicht liegt, den ich unsympathisch finde; wenn ich mich wieder engagiere, auch wenn die Anerkennung dafür ausbleibt und die anderen mir immer wieder sagen, ich ließe mich ausnützen; wenn ich in allem dunklen Loch und in den Sackgassen die Hoffnung nicht aufgebe.
Dietrich Bonhoeffer hat aus der Nazi-Haft geschrieben:
Ich glaube, dass Gott aus allem,
auch aus dem Bösesten,
Gutes entstehen lassen kann und will...
Ihn solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube,
dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.
Leere, Stille, Zeit - für eine Therapie sind das Grund-Wörter, weil sie den Grund legen für ein Heilwerden.
Leere, Stille, Zeit - das sind Schritte auf Pfingsten zu. So einfach ist es, dieses Fest, und so schwer.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott schenkt seinen Heiligen Geist.
Im Vertrauen auf dieses Geschenk bitten wir:


* für die Kirche, die dazu gesandt ist, den Menschen aller Sprachen Gottes Heil zu verkünden...

Sende aus deinen Geist...
und das Antlitz der Erde wird neu...

* für die Regierenden, deren Aufgabe es ist, für Frieden und Gerechtigkeit in ihrem Land und zwischen den Völkern zu sorgen...

* für die Getauften und Gefirmten,die sich ihrer Sendung als Christen bewusst werden sollen
und die sich ihrer Verantwortung in Kirche und Welt stellen müssen...

* für alle, die sich schwer tun mit dem Glauben an Gott, die ehrlich nach einer Antwort auf ihre Fragen suchen, und die bereit sind, sich selbst in Frage zu stellen, um den Sinn für ihr Leben zu entdecken...

* für alle, in deren Leben etwas Wichtiges zerbrochen ist, die sich nach Einheit sehnen und nach Geborgenheit, und die auf Heilung warten...

* für unsere Gemeinde hier am Ort, für unsere Partnergemeinden in Leipzig und in Kolumbien,
und für die christlichen Gemeinden in der Ökumene die ausgesandt sind, den Mitmenschen so zu begegnen, dass sie einen Ort zum Leben und zum Glauben finden können...

Gott, du erfüllst die Erde mit den Gaben deines Heiles.
Dafür danken wir dir jetzt und in der Ewigkeit. Amen