Sonntag nach Pfingsten / Dreifaltigkeit, Lesejahr C

03.06.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir beginnen jeden Gottesdienst im Namen des dreifaltigen Gottes.
Gott zeigt sich in der Person des Vaters, er ist der Schöpfer und der Grund unseres Lebens.
Er zeigt sich in der Person des Sohnes.
In ihm ist er unser Bruder geworden und hat sich mit uns Menschen auf eine Stufe gestellt,
damit wir seine Liebe hautnah spüren und erfahren.
Und Gott zeigt in der Person des Heiligen Geistes, um uns in die Wahrheit einzuführen
und ihn zu erkennen.
Er schenkt uns Kraft und Mut für unser Leben, er führt uns zu Gebet und Dank, damit wir dem dreieinen Gott Lob und Ehre erweisen können.
So segnen wir uns ganz bewusst zu Beginn dieses Gottesdienstes:
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 16,12-15 )

Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen.
Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird.
Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden.
Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden.

Predigt/Ansprache

Eines der grundlegenden Spannungsfelder menschlichen Lebens betrifft das Verhältnis von Einzelperson und Gemeinschaft.
Auf der einen Seite möchte jeder er selbst sein, sein Ich entfalten und seinen ganz persönlichen Weg finden.
Ich bin ich - das sagen zu können, gibt uns das Gefühl, unverwechselbarer Eigenart und Würde.
Aber niemand vermag ganz allein zu leben. Einsamkeit kann schrecklich sein.
Was dem Leben Sinn gibt, sind vor allem die tieferen zwischenmenschlichen Beziehungen.
Andere Menschen können uns helfen, dass wir uns besser entfalten, sie können aber auch im Weg stehen. Dann werden Beziehungen zur Belastung, und das ist die andere Seite.
Gemeinschaften können einen Einzelnen geradezu auffressen, ihn total vereinnahmen und ihm so die Freiheit nehmen.
Dieses Spannungsfeld ist schwierig auszugleichen. Dennoch gilt: in einer guten Gemeinschaft findet der Einzelne seine besondere Art von Erfüllung. Ein Mensch allein - das ist nichts;
mehrere in einer guten Verbindung - das ist alles.
Zuweilen erleben Menschen in einer Gemeinschaft eine besonders tiefe Verbundenheit, als wären sie nicht mehr isolierte Wesen, sondern ein neues Ganzes. Liebende erfahren das.
Einen Geist in zwei Namen, nenn ich weder zwei noch eins - dichtete Shakespeare.
Oder im Bericht über einen Musikabend mit einem Trio, bei dem die Künstler vollendet harmonisch zusammenspielten, hieß es: Drei mal eins gleich eins!
Drei mal eins gleich eins! - das erinnert sofort an das christliche Bild vom dreifaltigen Gott.
Als eine Art theologische Rechenaufgabe wäre es natürlich Unsinn.
Aber wenn schon Menschen vollkommen eins werden können, dann kann man sich das auch bei Gott vorstellen.
Das Höchste, das wir über ihn sagen können, ist nicht, dass er ein Einziger ist, sondern dass er Liebe ist.
Selbstverständlich gibt es nur einen Gott, denn der Urgrund aller Wirklichkeit kann eben nur ein einziger sein.
Doch lebt Gott nicht in ewiger Einsamkeit, sondern als die einige Gemeinschaft.
Liebe kreist in ihm. Gott ist die Liebe - heißt es in der Bibel. (1 Joh 4, 8.16)
Gott hat nicht nur Liebe zur Verfügung für Welt und Mensch, sondern in seinem innersten Wesen ist er Liebe.
Liebe aber bedeutet immer Gemeinschaft. Das ist mehr und etwas Größeres, Vollkommeneres
als einfach der eine und einzige Gott zu sein.
Darin liegt etwas Personales: Gott ist ein Du, er ist jemand, nicht etwas, ein Urgrund, eine Ur-Energie bloß, wie das Göttliche oft in der Esoterik gesehen wird.
Gott ist Beziehung, ist ein Miteinander von Personen.
In Gottes innerstem Leben gibt es keine Spannung zwischen Einzelperson und Gemeinschaft.
Die Einheit ist vollkommen - drei sind einer.
Wie das zusammengeht, sprengt unsere Vorstellungskraft und wird wohl ein unauflösbares Geheimnis bleiben. Gott ist größer als menschlicher Verstand ihn fassen kann.
Wir ahnen es nur, dass es eine Gemeinschaft wechselseitiger Hingabe ist.
Jede der drei göttlichen Personen lebt, in dem sie sich ständig verschenkt und zugleich empfängt. Sie existieren nicht aus sich selbst, sondern ganz aus der Beziehung zueinander.
An Jesus kann ich das ablesen.
Er lebte aus dem Willen des Vaters und aus der Verbundenheit mit ihm.
Er wollte nichts für sich selbst. Am Kreuz gab er sich schließlich restlos weg in den Tod.
In der Auferstehung wurde er sich wieder geschenkt.
Er konnte sich ganz im Dienst für die Menschen verzehren, weil er sich ständig von Gott her empfing. In diesem Hingeben und Empfangen erwies er sich als Sohn Gottes.
Auch wenn wir zu einer solch vollendeten Hingabe nicht fähig sind, setzt Gottes inneres Leben doch Maßstäbe für unser Gemeinschaftsleben.
Gott ermöglicht zwischen uns die Einheit durch seinen Geist, also durch seine Gegenwart und sein Wirken in uns. Es ist wesentlicher Bestandteil des Christseins: Gemeinschaft aufzubauen - nach dem Modell der Dreifaltigkeit.
Überall wo Christen Gemeinschaft leben, lebt Gott in ihnen.
Wo Christen sich hingeben und verschenken und sich von anderen beschenken lassen, ohne irgendwelche Ansprüche zu stellen, da lebt Gott in ihnen.
Da wird etwas spürbar von diesem Gott drei mal eins gleich eins.
Wenn eine solche Weise des Lebens in Einheit gelingt, erfüllt sich die Ursehnsucht jedes Menschen, mit anderen eins zu werden und zugleich ganz selbst zu sein.
Wenn sie leben vom Schenken und Beschenktwerden, leben sie in völliger Offenheit füreinander.
Die Spannung zwischen Individuum und Gemeinschaft wird überwunden.
Der eine wird zum Geschenk für den anderen.
Dieses Wunder kann nur einer bewirken: der dreifaltige Gott, dieser eine Gott in drei Personen.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir wenden uns voll Vertrauen an Gott, den Vaters, und tragen ihm durch seinen Sohn im Heiligen Geist unsere Anliegen vor:


+ wir beten für Papst Benedikt,
für unseren Bischof Gebhard, für die Priester und Diakone,
und für alle Frauen und Männer, die in der Seelsorge tätig sind:
um die Fähigkeit, ihren Dienst an den Menschen in rechter Weise erfüllen zu können ...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich ...

+ wir beten für alle Eltern:
um die Fähigkeit, ihren Kindern Geborgenheit und Liebe zu schenken und ihnen als Start für ein eigenständiges Leben eine gute Ausbildung zu ermöglichen ...

+ wir beten für alle, die an theologischen Fakultäten lehren:
um die Fähigkeit, immer tiefer das Geheimnis Gottes zu erkennen und seine Größe mit Herz und Verstand zu vermitteln ...

+ wir beten für die in Politik und Gesellschaft Verantwortlichen:
um die Fähigkeit, gerechte Entscheidungen zu treffen, die dem Frieden und dem Wohl der Menschen und Völker dienen ...

+ wir beten für die Menschen, die uns vertraut sind:
um die Fähigkeit, ihnen beistehen zu können, wo immer sie unsere Hilfe brauchen, und um die Gabe, sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen, wo sie es für nötig halten ...

+ wir beten für uns selbst:
um die Fähigkeit, anzunehmen, was wir nicht ändern können,
und um die Fähigkeit zu ändern, was wir ändern müssen, um unseren Alltag meistern zu können ...

Den dreifaltigen Gott preisen wir:
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen