2. Fastensonntag, Lesejahr C

07.03.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir sprechen gelegentlich von einer Sternstunde. Wir meinen damit einen Augenblick, in dem uns etwas aufblitzt, aufstrahlt, in dem wir ganz erfüllt werden von einem Licht, das sonst so weit entfernt ist wie die Sterne am Himmel.
Sternstunden sind Augenblicke des Glücks, in denen wir etwas erahnen von dem, was unser Herr Jesus Christus gemeint hat, wenn er vom Reich Gottes, von der Herrschaft Gottes gesprochen hat.
Wir wollen wir uns nun im Gottesdienst dem Herrn öffnen, der in unserer Mitte gegenwärtig wird im Wort und unter den Gestalten von Brot und Wein.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,28b-36 )

Etwa acht Tage nach diesen Reden nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.
Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija;
sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wußte aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst.
Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.

Predigt/Ansprache

Vertraut und fremd kommt mir das gerade gehörte Evangelium vor.
Die Szene ist so anschaulich erzählt, so dass ich mir alles leicht vorstellen kann: der Berg, auf den Jesus mit den drei Jüngern steigt, die plötzliche Veränderung seines Aussehens, Mose und Elija, die mit ihm reden und wieder verschwinden und schließlich die geheimnisvolle Stimme aus der Wolke.
Das klingt rätselhaft, aber ein Bild entsteht doch in meinem Kopf. So anschaulich es sein mag, es ist schwer zu verstehen.
Der Evangelist Lukas wollte Einmaliges überliefern und Bedeutendes. Doch was können wir damit anfangen? Keine Angst, wenn wir das alles nicht verstehen. Wir sind in bester Gesellschaft: mit Petrus etwa und seinem Vorschlag, Hütten zu bauen, oder mit allen drei Jüngern, die in eine Art betretenes Schweigen fallen, weil sie keine Worte finden für das, was sie erlebt haben.
Vielleicht hilft uns das merkwürdige Wort Verklärung weiter. Es ist schon ein Bild, ein Versuch der Beschreibung, der über den alltäglichen Sprachgebrauch hinausgeht.
Wir sagen zum Beispiel die Vergangenheit verklärt sich in der Erinnerung. Wir meinen damit, dass im Rückblick alles in einem rosigen Licht erscheint. Bilder aus der Vergangenheit haben oft einen beseligten, glücklichen Ausdruck. Was einmal harte Wirklichkeit war, wird in eine Art unwirkliche, überreale Welt gehoben und erscheint dadurch versöhnlicher.
Wir sagen, jemand hat ein verklärtes Gesicht, wenn er aus der umgebenden Wirklichkeit abgehoben, leicht abwesend, in einer anderen Welt schweben scheint.
Soll dieses Verständnis gemeint sein? Entwirft Lukas ein Bild, das von den Romantikern des 19. Jahrhunderts nicht weltfremder hätte gezeichnet werden können?
Die Wortwurzel von Verklärung kann ein tieferes Verständnis geben. Klären steckt dahinter.
Wenn wir eine Sache oder eine Frage klären wollen, dann geht es darum, etwas das vorher in der Luft lag, richtig zu stellen, deutlich zu machen, wie es sich wirklich verhält. Eine solche Situation kann oft wie ein klärendes Gewitter wirken, in dem Spannungen sich entladen.
Manchmal bedarf es eines klärenden Gesprächs, in dem wir uns selbst klar werden, was zu tun ist, und wir mit uns ins Reine kommen.
Wenn wir genau auf den Text des Evangeliums schauen, dann merken wir doch, dass Lukas die Überlieferung von der Verklärung Jesu zu einer Klärung umgestaltet hat.
Drei Hinweise sollen das verdeutlichen.
Jesus geht mit den Jüngern auf den Berg um zu beten. Und während er betet, veränderte sich sein Gesicht und seine Gestalt. Die Beschreibung erinnert an die Szene im Garten Gethsemani.
Hier wir dort sucht Jesus im intimen Gespräch mit Gott Klarheit über seinen Weg, der ihn ans Kreuz führt. Hier wie dort schlafen die Jünger.
Ein zweiter Hinweis: Lukas berichtet, worüber sich Jesus mit Mose und Elija unterhält.
Sie sprechen über sein Ende in Jerusalem. Die Richtung wird deutlich: es wird zu einer Hinrichtung kommen. Und der dritte Hinweis: Dass dieser Weg Gottes Wille ist, klärt sich durch die Stimme aus der Wolke. Jesus ist der von Gott ausgewählte Mensch, der Gottesknecht, der seinem Volk neues Leben bringen wird.
Kurzum: in der Verklärung klärt sich für Jesus, welchen Weg Gott für ihn bestimmt hat
und er nimmt diesen Weg bewußt an. Mit Jesus klärt sich für uns Zuschauer oder Zuhörer, dass er der Messias ist, das heißt: wie ER lebt und handelt, in der Praxis der Gottes- und der Nächstenliebe, so ist Gott.
Heute sind wir zu einer Klärung eingeladen. Woran mache ich mein Leben fest? Woran halte ich mich? Wonach richte ich mein Leben aus? Auf welche Stimmen höre ich? Welchen Weg will ich gehen? Diese Geschichte von der Verklärung Jesu erinnert uns daran, dass es Zeit ist, diese Fragen zu klären, für uns und unseren weiteren Weg...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Christus hat uns gezeigt, zu welcher Herrlichkeit wir berufen sind.
Ihn bitten wir voll Vertrauen:


• für alle, die Verantwortung tragen, dass die frohe Botschaft in unserer Zeit verkündet und bezeugt wird....

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

• für die Völker, denen das Christentum fremd ist, und für die Angehörigen anderer Religionen in unserem Land, dass alle einander achten und zur Tiefe ihres Glaubens finden...

• für die jungen Menschen in unserer Gesellschaft, denen niemand von Gott erzählt
und die niemand beten lehrt, dass sie Wege finden, nach dir zu fragen und auf ihrer Suche dir zu begegnen...

• für alle, die wir getauft worden sind und immer wieder hinter dem Beispiel unseres Bruders Jesus zurückbleiben, dass wir nach aller Schuld und allem Irrweg einen Neuanfang wagen

• für das Ehepaar, das heute seine diamantene Hochzeit feiern und für alle Ehepaare, die gemeinsam alt werden durften, dass in der gegenseitigen Liebe du selber aufleuchtest als das Glück und als der Segen für alle...

Vater im Himmel, wir danken dir für deinen Sohn.
Wir preisen dich durch ihn, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen