2. Fastensonntag, Lesejahr C

04.03.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Es ist gut, dass wir hier sind..
Hier begegnen wir unseren Mitchristen, hier begegnen wir Gott und seinem Sohn Jesus Christus. Wir bringen unser Leben mit. Da gibt es Höhepunkte und Lichtblicke, die uns aufleben lassen und neue Kraft schenken.
Es gibt aber auch Tiefpunkte, Schicksalsschläge und den eintönigen grauen Alltag, der oft wie ein dunkles Loch wirkt, das alles in sich hineinzieht.
Da hilft uns das gute Wort von Menschen, die uns neuen Mut zusprechen.
Da hilft uns vor allem das Wort Gottes, der treu ist und uns auf allen Wegstrecken begleitet.
Davon gibt uns Christus Zeugnis, der unser Bruder und Wegbegleiter geworden ist.
Ihn grüßen wir als den Herrn in unserer Mitte ...

 

Zweite Lesung ( Phil 3,17-4,1 oder Phil 3,20-4,)

Ahmt auch ihr mich nach, Brüder, und achtet auf jene, die nach dem Vorbild leben, das ihr an uns habt.
Denn viele - von denen ich oft zu euch gesprochen habe, doch jetzt unter Tränen spreche - leben als Feinde des Kreuzes Christi.
Ihr Ende ist das Verderben, ihr Gott der Bauch; ihr Ruhm besteht in ihrer Schande; Irdisches haben sie im Sinn.
Unsere Heimat aber ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann.
Darum, meine geliebten Brüder, nach denen ich mich sehne, meine Freude und mein Ehrenkranz, steht fest in der Gemeinschaft mit dem Herrn, liebe Brüder.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,28b-36 )

In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten.
Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß.
Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.
Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen.
Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte.
Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst.
Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.
Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.

 

Predigt/Ansprache

Schöner Wohnen! Besser aussehen! Glücklicher leben!
Eine sinnvolle Arbeit! Abwechslungsreiche Freizeit!
Verlässliche Freunde! Beliebt sein! Einfluss haben! Fit sein!
Unsere Wünsche haben viele Gesichter. Gut soll es uns gehen, uns und auch den Menschen, mit denen wir uns verbunden fühlen.
Die Erfüllung aller Wünsche - und wir hätten vielleicht paradiesische Zustände.
Aber es gibt Hindernisse auf dem Weg zum Paradies.Immer wieder stoßen wir an Grenzen.
Nur die Sehnsucht bleibt: nach dem Hellen, dem Guten, dem Schönen.
Diese Sehnsucht lässt uns träumen. Sie bringt uns in Bewegung, motiviert uns zu vielfältigen Anstrengungen.
Durch diese Sehnsucht wachsen wir über uns selbst hinaus.
Immer wieder halten wir Ausschau nach Erfüllung. Solche Sehnsucht ist eine Geschenk Gottes. Gott selber möchte sie in uns wach halten.
Solche Sehnsucht macht lebendig und kann uns öffnen für Gott.
Er möchte unsere Hoffnungen erfüllen, unseren Durst nach einem sinnvollen Leben.
Lässt man sich aber auf Gott ein, so fangen manche Schwierigkeiten erst an. Warum eigentlich?
Das, was im ersten Moment so schön aussah, bekommt Risse.
Der Glaube an Gott fordert auch heraus. Das Festhalten an den Geboten Gottes kann durchaus zu Konflikten führen.
Man braucht Rückgrat, um seinen Überzeugungen treu zu bleiben.
Manchem wird die Zusage der Nähe Gottes als nicht verlässlich erscheinen.
Schicksalsschläge können Menschen in ihrem Vertrauen so erschüttern, so dass neues Vertrauen kaum nachwachsen kann.
Was die Menschen in der Antike als besonders ärgerlich, ja als anstößig empfunden haben, war die Tatsache, dass Jesus wie ein Verbrecher hingerichtet worden war.
Gottes Sohn - gestorben am Kreuz!
Es brauchte Jahrhunderte, bis die Christen ersten Kreuzesdarstellungen in der Kunst abbildeten. Erst nach und nach wurde das Kreuz zum Erkennungszeichen der Christen.
Auch Paulus muss sich mit Menschen auseinandersetzen, die vom Kreuz Christi nichts wissen wollen.
In der Lesung an die Gemeinde von Philippi haben wir davon gehört.
Er beklagt, dass es viele gibt, die das Kreuz Christi ablehnen.
Sie meinen: das Dunkel, das Leid und der Tod, das alles dürfe nicht zu sehr in die Nähe Gottes kommen.
Der Apostel geht einen anderen Weg.
Für ihn gehören Tod und Auferstehung ganz enge zusammen.
Gerade weil die Auferstehung Christi für ihn zu einer ganz tiefen Erfahrung geworden ist,
kann er auch die Vorstellung ertragen, dass Jesus den Kreuzestod gestorben ist.
Gerade weil Gott seinen Sohn auferweckt hat, haben das Dunkle, das Leid und der Tod ihre Macht verloren.
Wie groß Gott ist, dass er nicht die Augen verschließt vor den Schattenseiten des Lebens.
In seinem Sohn hat er sich sogar in die Situation der Tränen und der Verzweiflung hineinbegeben. Er war sich dafür nicht zu schade.Das ist für mich eine der großen Stärken unseres Glaubens: Gott zeigt sich als ein Gott, der mit leidet, als ein Gott, der dem Leid nicht davon läuft, sondern die Not durchleidet und sie so überwindet.
Ob ich das für mich immer wieder so erfahren kann?
Es kann sein, dass mir der Glaube an Gott schwer wird, wenn ich tiefes Leid erfahre.
Wenn meine Gedanken in der Not verstellt sind, wenn mein Herz eng wird, dann mag es sein, dass ich Gott nicht mehr erkennen kann.
Aber Gott wird mich auch dann noch in seinem Blick haben.
Er wird auch dann noch da sein für mich, auch für mich da sein.
Damit es nicht zu schwer wird, hat er uns aufeinander verwiesen.
Wenn dem einen die Stimme ausgeht, kann ein anderer beten und Fürbitte halten.
So können wir uns gegenseitig stützen und stärken und die manchmal kleine Flamme des Glaubens brennen lassen.
Ein Gott, der sich den Belastungen des Lebens aussetzt, der Kranke besucht, der der Not mit ihren vielfältigen Gesichtern ins Auge geblickt hat, dieser Gott kann verstehen, wenn Menschen auch an ihm verzweifeln: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? ruft Jesus am Kreuz mit einem Vers aus dem 22. Psalm.
Über allem aber steht die Hoffnung, dass ganz am Ende unsere Augen geöffnet werden
und wir erkennen, dass Gott verlässlich ist und wir nicht vergeblich gehofft haben.
Dann werden wir sehen und vieles von dem verstehen, was wir heute nicht begreifen, noch nicht begreifen und was uns jetzt vielleicht an Gott und seine Treue zweifeln lässt.
Die Sehnsucht nach Gott, der dem Leben Sinn gibt, hält uns lebendig, treibt uns an.
Diese Sehnsucht wird tiefer, weil sie die Not kennt, die Krankheit, die Last des Alters.
Und diese Sehnsucht wird hoffnungsvoller, weil sie weiß, dass Gott der Not nicht ausgewichen ist, sondern sie bis zum bitteren Ende ausgehalten und so überwunden hat.
Gott hat sich an unsere Seite gestellt. Er ist die liebende Antwort auf unsere tiefste Sehnsucht.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gottes Licht durchleuchtet auch die dunkle Seite unseres Lebens und unserer Welt.
Vertrauensvoll bitten wir ihn:


+ für unsere Kirche, die im Zwiespalt steht zwischen göttlicher Berufung und menschlicher Schwäche:
um Gottes guten Geist ...

Gott, du unser Wegbegleiter ... Herr, erbarme dich ...

+ für alle, deren Leben gezeichnet ist von Gewalt, Vertreibung, Armut und Ungerechtigkeit:
um Hilfe und Trost ...

+ für die Menschen, die sich beruflich umorientieren müssen oder arbeitslos geworden sind:
um Kraft und Ausdauer ...

+ für die Einsamen, Alleingelassenen und Verzweifelten:
um Begegnungen mit anderen, die ihnen gut tun ...

+ für jene Menschen, deren Leben hier zu Ende geht:
um Gottvertrauen und um das ewige Leben ...

Ewiger Gott, du bist treu und das Licht in unserem Leben.
Dafür danken wir dir jetzt und in der Ewigkeit. Amen