3. Fastensonntag, Lesejahr C

14.03.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wenn wir durch die 40 Tage der Busszeit gehen, dann geschieht dies in Gemeinschaft mit den Erfahrungen des alten und neuen Volkes Israel.
Unseren Weg mit Gott säumen Fragen und Ängste, Vertrauen und Versagen.
Wenn wir auf diesem Weg müde werden oder ratlos, lässt Gott dennoch nicht von uns ab.
Schließlich mündet unser Weg ein in den unseres Herrn Jesus Christus.
Durch ihn und mit ihm und in ihm gelingt unser Leben.
Zu ihm rufen wir um Erbarmen...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 13,1-9 )

Zu dieser Zeit kamen einige Leute zu Jesus und berichteten ihm von den Galiläern, die Pilatus beim Opfern umbringen ließ, sodass sich ihr Blut mit dem ihrer Opfertiere vermischte.
Da sagte er zu ihnen: Meint ihr, dass nur diese Galiläer Sünder waren, weil das mit ihnen geschehen ist, alle anderen Galiläer aber nicht?
Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
Oder jene achtzehn Menschen, die beim Einsturz des Turms von Schiloach erschlagen wurden - meint ihr, dass nur sie Schuld auf sich geladen hatten, alle anderen Einwohner von Jerusalem aber nicht?
Nein, im Gegenteil: Ihr alle werdet genauso umkommen, wenn ihr euch nicht bekehrt.
Und er erzählte ihnen dieses Gleichnis: Ein Mann hatte in seinem Weinberg einen Feigenbaum; und als er kam und nachsah, ob er Früchte trug, fand er keine.
Da sagte er zu seinem Weingärtner: Jetzt komme ich schon drei Jahre und sehe nach, ob dieser Feigenbaum Früchte trägt, und finde nichts. Hau ihn um! Was soll er weiter dem Boden seine Kraft nehmen?
Der Weingärtner erwiderte: Herr, lass ihn dieses Jahr noch stehen; ich will den Boden um ihn herum aufgraben und düngen.
Vielleicht trägt er doch noch Früchte; wenn nicht, dann lass ihn umhauen.

 

Predigt/Ansprache

Der Evangelist Lukas ist ein geschickter Redakteur. Er lässt Jesus nicht nur interessant reden, sondern er unterbricht gelegentlich dessen Lehrtätigtkeit, um neue Themen ins Gespräch zu bringen. Beim heutigen Abschnitt des Evangeliums ist das so der Fall.
Jesus ermahnte seine Zuhörer, auf die Zeichen der Zeit zu achten und zu fragen: Welches Zeichen gibt Gott mir in dieser Situation? Was will er mir durch diese Ereignisse mitteilen?
In diesem Moment kommen einige Unglücksboten angelaufen und berichten:
Pilatus hat soeben Pilger aus Galiläa umbringen lassen beim Opfern im Tempelvorhof, so dass ihr Blut sich mischte mit dem Blut der Opfertiere. Das geht unter die Haut.
Außerdem war vor einiger Zeit ein Turm in der Jerusalemer Stadtmauer eingestürzt und hatte 18 Menschen unter sich begraben. Wie spricht Gott durch solche aufrüttelnden Vorkommnisse? Welche Botschaft lässt er an die Menschen ergehen?
Die Hörer Jesu, soweit sie mit der jüdischen Theologie vertraut sind, sind um eine Antwort nicht verlegen: Die Verunglückten waren gewiss große Sünder, deren Schuld ein solches Ausmaß erreicht hatte, dass Gott zuschlug und sie aus dem Buch des Lebens tilgte.
Jesus weigert sich, dieses Denken mitzumachen. Wer sich so verhält - sagt er - schiebt das Problem nur von sich weg, das sich hinter solch tragischen Fällen verbirgt. Er beruhigt sich mit dem Gedanken: mir kann so etwas nicht passieren, denn ich lebe ja nach Gottes Geboten. Einen solchen Tod habe ich nicht zu befürchten.
Jesus möchte nicht, dass seine Freunde und Jünger sich in falsche Sicherheit wiegen.
Er meint und spricht es aus: Jeder von euch hat genügend Schuld auf sich geladen,
um dasselbe Schicksal zu verdienen wie die Unglücklichen, von denen wir hier und heute reden.
Wirkliche Rettung findet einer erst, wenn er in sich geht, sich besinnt, zu mir sich wendet, sich zu mir bekehrt. Anders ausgedrückt sagt Jesus: Laßt euch all die Katastrophen, die ihr täglich über eure Medien erfahrt, nachdrücklich zu Herzen gehen. Setzt euch bewusst an die Stelle derer, die durch irgendwelche unglücklichen Umstände plötzlich aus dem Leben gerissen werden.
Fragt euch: wie würde ich dastehen, wenn ich unvermutet, vor meinen Richter treten müsste?
Wie habe ich meine Lebenszeit genutzt und wie meine Möglichkeiten eingesetzt.
Habe ich meinen Glauben, meine Beziehung zu Gott, meine Zugehörigkeit zur Kirche ernst genommen? Habe ich mich im Lauf meines Lebens bekehrt weg von den vielen Oberflächlichkeiten, in die ich hinein verwoben bin, hin zu dem einen Notwendigen, das allein vor Gott zählt? War mein Dasein letztlich unfruchtbar? Oder hätte ich Früchte vorzuweisen, die es wert sind, in Gottes Scheunen eingebracht zu werden?
Vom Stichwort Früchte lässt sich der Redakteur Lukas anregen zu weiteren Überlegungen.
Er erfindet ein kleines Gleichnis, das von einem unfruchtbaren Baum handelt. Er kann sich dabei auf eine urtümliche Beziehung zwischen Baum und Mensch berufen.
In der modernen Tiefenpsychologie gab es lange einen beliebten Baum-Test, der davon ausging, dass ein Mensch, den man auffordert, einen Baum zu zeichnen, in der Regel in dem Baum sich selbst darstellt.
Der Baum, der in der Erde verwurzelt ist, und sich in die Welt hinein entfaltet, der Zeiten des Aufblühens und Absterbens kennt, der fruchtbar und unfruchtbar sein kann, der die vielen Schattierungen dazwischen aufweist.
Dieser Baum ist ein Abbild der menschlichen Existenz. Wer seine Gestalt darstellt, verrät immer auch etwas von seinen eigenen Problemen. Jesus weist auf einen total unfruchtbaren Baum hin. und er sagt: eigentlich hat ein solcher Baum keine Berechtigung, man sollte ihn umhauen.
Aber Leute wie ich wollen sich mit dieser Einsicht nicht abfinden. Sie hoffen wider alle Hoffnung. Sie sehen nicht nur, was ist, sondern noch mehr, was sein könnte.
Sie projizieren ihre Wünsche in den quasi toten Baum hinein und sie sind bereit, für seinen Aufbau zu arbeiten.
Anders gesagt: Wenn der Baum überhaupt noch zu retten ist, dann soll alles geschehen, was dazu notwendig ist. Der Baum soll wissen und spüren, dass es jetzt nur noch auf ihn ankommt, ob seine Existenz sinnvoll und anerkannt sein wird.
Interessanterweise schließt das Evangelium mit einem offenen Ende.
Die Geschichte wird nicht näher ausgelegt. Der Evangelist will vermutlich, dass wir in dem Baum uns selber sehen. Er will, dass wir uns durch unsere Lebensweise mühen, den Baum auszustatten mit frischen Blättern, mit Blüten und mit Früchten, mit Leben, das das Wort Leben verdient.
Die Fastenzeit soll zu einer Zeit werden, in der wir dem Leben uns zuwenden, es vertiefen und ausschöpfen, damit seine Fülle sich entfalten wird.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Vertrauensvoll rufen wir zu Gott, der von sich selbst gesagt hat: Ich bin da.

Zwischen Juden und Christen gibt es aufgrund der Geschichte Spannungen.


Wir beten um den Segen für allen Dialog der Versöhnung und jedes Bemühen um Verständigung zwischen dem alten und neuen Volk Gottes.

Du Gott mit uns, Herr, erbarme dich

» Persönliche Schuld erschwert vielen Menschen das Leben.
Wir empfehlen Gott alle, die den Weg der Versöhnung selbst nicht finden oder nicht die Kraft haben, ihn zu gehen

» Ungerechte Lebensbedingungen, Hass und Gewalt treiben viele Menschen in Bitterkeit und Verzweiflung.
Wir empfehlen Gott alle, die kein Leben in Würde und Sicherheit haben ...

» Naturkatastrophen, Krankheiten oder Unfälle verursachen schweres Leid.
Wir empfehlen Gott alle, die nicht wissen, wie ihr Leben weitergehen soll ...

» Trotz aller dunklen Seite des Lebens setzen sich Menschen füreinander ein und richten andere auf.
Wir empfehlen Gott alle, die sich der Not ihres Nächsten annehmen und menschliches Leben retten, schützen und ermöglichen ...

Gott, du bist für uns Menschen da.
Wir dürfen dich bezeugen als den, der uns aus Sünde und Tod errettet, damit wir das Leben haben. Darum preisen wir dich jetzt in der Zeit und einst in der Ewigkeit. Amen