4. Fastensonntag, Lesejahr C

21.03.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Der gute Vater und seine beiden verlorenen Söhne - das ist keine „es war einmal Geschichte".
Die grenzenlose Liebe des Vaters wird immer wieder Menschen erzählt, die immer wieder so handeln wie einer der beiden Söhne: entweder bricht jemand aus der guten Ordnung aus oder er hält sich etwas darauf zu gute, dass er in den Bahnen der Ordnung bleibt.
Mit dem Gleichnis vom barmherzigen Vater wird uns ein Spiegel vorgehalten, damit wir unser Leben überdenken und umdenken.
Den, auf dessen Liebe wir vertrauen können, rufen wir um Erbarmen an...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 15,1-3.11-32 )

Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht.
Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner.
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an.
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

 

Predigt/Ansprache

Wie oft und wie vielfach laufen wir davon: vor der Verantwortung, vor unliebsamen Menschen, vor einem Auftrag oder einer Aufgabe, vor dem Alleinsein, vor der Langeweile, vor dem Unausgefülltsein des bisherigen Lebens. Dem verlorenen Sohn ging es ähnlich.
Das Größere an der Geschichte, aber war nicht das Davonlaufen - das kann man leicht erklären und dafür auch Verständnis aufbringen. Das Größere war, dass er wieder zurückkam, und: dass der Vater ihn freudig aufnahm: Dass du nur wieder da bist!
Wunderschön wie Jesus dieses Gleichnis zeichnet.
Charles Peguy schrieb über diesen Text:
Das Gleichnis vom verlorenen Sohn hatte unwahrscheinliches Glück: es wurde auch bei den Gottlosen berühmt, es kam an. Es bleibt - als einziges vielleicht - wie ein zarter Dorn im Herzen des Sünders. Wer es zum hundertsten Mal hört, dem ist es, als höre er es zum erstenmal: Ein Mann hatte zwei Söhne.
Ja es ist schön, dieses Gleichnis. Es hat ein tiefes und starkes Echo geweckt, in der Welt und im Menschen, im treuen Herzen und im treulosen Herzen.
Es ist ein Gleichnis der Hoffnung. Dass du nur wieder da bist! Gott wendet sich dem Sünder zu, er wendet sich mir zu. Er nimmt mich an ohne Vorwürfe und ohne bohrende Frage, die mich bloßstellen. Gott kennt uns Menschen mit unseren Möglichkeiten schuldig zu werden und mit unserer Sehnsucht, von der Schuld wieder loszukommen.
Gott sucht dich, bis der dich gefunden hat. Denn er will nicht, dass du untergehst, sondern er will, dass du lebst und dein Leben gelingt.
Es ist nicht so, dass Gott sozusagen ein Auge zudrückt: Nicht so schlimm! Schwamm drüber!, wie wir sagen. Er nimmt unser Versagen ernst, so ernst, dass er sich aufmacht, mir entgegen zu gehen. Da geschieht wirklich ein Neuanfang.
Manchem Zuhörer freilich ist diese Geschichte auch ärgerlich. Sie fühlen sich auf der Seite des älteren Sohnes, der anständig geblieben ist, der sich nichts gegönnt hat, der immer wieder nach dem Willen des Vaters gelebt hat. Für ihn gab es diesen Aufwand eines Festes noch nie, meint er. Fühlen wir uns da nicht angesprochen? Wo bleibt unsere Anerkennung, wenn wir Gebote halten oder versuchen, unser Leben christlich zu gestalten.
Dieses Gleichnis und der ganze Umgang Jesu mit Huren, mit Zöllner, mit Sündern ist eine Anfrage an die christliche Gemeinde und an jeden von uns, ob wir selber bereit sind, die gleiche Barmherzigkeit den Mitmenschen zu schenken, wie wir sie von Gott erwarten und erfahren.
Kann sich ein verlorener Sohn, eine verlorene Tochter, an uns, an der Gemeinde wieder aufrichten? Welche Chancen geben wir denn den an den Rand Gedrängten (auch wenn sie sich selbst dahingestellt haben wie der verlorene Sohn).
Dem älteren Sohn fällt es schwer zu akzeptieren, wie der Vater mit seinem Bruder umgeht.
Diesen Vorhaltungen gegenüber hat der Vater eine Antwort, die für mich bedeutungsschwer ist: Mein Kind, du bist immer bei mir. Alles was mein ist, ist auch dein.
Der ältere Sohn hat das Glück, bei Vater sein zu dürfen, genauso wenig erkannt wie der jüngere vor seinem Davonlaufen.
Er hat geschuftet und sich abgerackert. Ja, aber ist er glücklich? Hat er die Nähe des Vaters als beglückend erfahren? Der Jüngere erfährt wenigsten jetzt, was Glück ist: umfangen zu sein von liebevollen Armen, an das Herz gedrückt werden, wieder angenommen zu werden, daheim sein zu dürfen. Jetzt müssen wir uns doch freuen. Denn er war wie tot, lebt jetzt aber wieder.
Auch uns ist dieses Geschenk bereitet, ob wir uns in der Rolle des anständigen Sohnes oder in der des davongelaufenen Sohnes wiedersehen. Wir dürfen die Liebe des Vaters in Anspruch nehmen. Auch deshalb hat dieser vierte Fastensonntag zurecht seinen Namen Laetare, freue dich! Er schenkt Freude und inneren Frieden.
Lassen Sie mich schließen mit einem Gebet von Theo Schmidkonz:
„Unendlich guter Gott, das Gleichnis vom verlorenen Sohn ist das schönste Bild von dir, unserem barmherzigen Vater.
Du liebst alle Menschen. Du liebst jeden unendlich, ganz.
Keinen von uns gibst du auf. Jedem von uns gehst du nach. Und wenn wir umkehren zu dir, ist deine Freude ohne Maß.
Du behandelst uns wie Freunde. Du schenkst uns dein Vertrauen. Gott, bewahre uns diesen Glauben an dich, den barmherzigen Vater. Und lass uns auch barmherzig sein.
Denn bei dir zählt nur die Liebe".

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott hält Ausschau nach dem Menschen und kommt dem, der umkehrt, mit seinem Erbarmen entgegen. Dadurch ermutigt rufen wir zu ihm:


 für alle, die sich in einer ausweglosen Situation befinden..

Allerbarmender Gott ... Herr, erbarme dich ...

 für Menschen, die auf der Flucht sind, für jene, denen Terror oder Armut ihr Zuhause
geraubt haben ...

 für alle Frauen und Männer, die sich um Versöhnung zwischen verfeindeten Menschen
oder Gruppen mühen ...

 für jene, die in der Seelsorge oder in Beratungsstellen Hilfe anbieten, besonders für jene, die zerrütteten Familien zur Seite stehen ...

 für unsere verstorbenen Angehörigen, Freunde und Gemeindemitglieder, die gestorben sind in der Hoffnung auf das ewige Zuhause bei dir ...

Gott, du rufst uns Menschen in deine Nähe, damit wir in dir die Fülle des Lebens finden.
Dir sei Lob und Ehre jetzt und in der Ewigkeit. Amen