Fest der Heiligen Elisabeth von Thüringen, Lesejahr C

18.11.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Fest der Heiligen Elisabeth von Thüringen
Menschen mit Ausstrahlungskraft machen einfach Eindruck.
Wie gerne hätten wir alle davon eine große Portion - von der Ausstrahlungskraft, dass man uns glaubt, was wir predigen, das man uns abnimmt, was wir meinen, dass wir das tatsächlich auch sind, was wir vorgeben zu sein.
Elisabeth von Thüringen war eine solche Person mit einer enormen Ausstrahlungskraft.
In diesem Jahr wurde ihr Geburtstag vor 800 Jahren gefeiert; sogar Briefmarken wurden ihr zu Ehren herausgegeben.
Ihr Leben ist kurz gewesen, es dauerte nur 24 Jahre.
Hineingeboren in die ungarische Königsfamilie, stirbt sie verstoßen von der Familie ihres Mannes und ihrer Kinder beraubt.
Der Kaiser hatte um die Hand der jungen Witwe angehalten, aber sie hatte einen anderen Bräutigam: den armen Christus, der ihr in den Nöten der Menschen begegnete und ihre Liebe brauchte.
Die Minne, die man oft genug auf den Burgen besungen hatte, hatte für sie einen tieferen Sinn bekommen: die Hingabe an die Menschen, die sie brauchten.
Menschen, die mit Hingabe einer Sache nachgehen, strahlen aus.
Wie ist das bei uns?
Sind wir mit Nachdruck bei der Gestaltung unseres Alltags als Christen?
Wenn ja, dann müssen wir weiter daran arbeiten.
Wenn nein, dann brauchen wir Gottes Verzeihung.
Um Kraft und um Erbarmen rufen wir unseren Herrn an.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Math 25, 31-46)

Wenn der Menschensohn in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen.
Und alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet.
Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken.
Dann wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist.
Denn ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen;
ich war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.
Dann werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben?
Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben?
Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
Darauf wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.
Dann wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist!
Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben;
ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht.
Dann werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen und haben dir nicht geholfen?
Darauf wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan.
Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Predigt/Ansprache

In Zeiten von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen Nachbarvölkern wird von Reisen ins Heilige Land eher abgeraten.
Manches wurde und wird getan zwischen der arabischen Bevölkerung und den Israelis,
um für einen Frieden zu werben und ihn zu schaffen;und streckenweise sind einzelne Projekte auch gelungen, um die einen mit den anderen besser auskommen zu lassen.
Ins Heilige Land zu fahren oder dorthin fahren zu können, bestimmte manche Station der Geschichte unseres Landes und der Kirchengeschichte.
Da wurde es einmal gesehen als Aufgabe eines Christen und konnte so leicht umschlagen in Fanatismus; und ein andermal war es einfach „in" und kam der Abenteurerlust „etwas zu erleben" nach.
Das dreizehnte Jahrhundert, in dem die heilige Elisabeth lebte, war bestimmt vom Willen, die heiligen Stätten, an denen unser Herr gelebt hatte oder seine Jünger, zu schützen vor den Übergriffen des Islam.
In Scharen - so hatte man den Eindruck- rückten geübte Krieger und Nicht-Krieger aus, um mit heiligem Eifer dieser Aufgabe nachzukommen.
Der Ehemann der heiligen Elisabeth, der Landgraf Ludwig von Thüringen, schloss sich 1227 dem Kreuzzug Kaiser Friedrich II an; ein halbes Jahr später kam die Meldung über seinen Tod.
Aus der Zeit vor diesem Kreuzzug berichtet folgende Episode - ob historisch oder nicht, spielt keine Rolle.

Bei einem Festmahl für den päpstlichen Gesandten, der an Ludwig die Aufforderung gerichtet hatte, sich dem Kreuzzug anzuschließen, stand entgegen aller damaligen Sitte, nach der eine Frau an der Tafel in allem zu schweigen hatte, Elisabeth auf und wandte sich an den Prälaten aus Rom:
„Wir halten hier ein Festmahl und essen, was Gott den Menschen eben zur Nahrung schenkte.
Aber bloß wir essen, dieser oder jener im Saal mästet sich sogar, während draußen viele der Leute kaum je satt werden.„
Ich kann mir gut vorstellen, wie den Gästen auf der Burg der Mund offen stand über diese „Ungezogenheit" der Landgräfin; ich kann mir auch vorstellen, dass Ludwig sie am Ärmel ihres Kleides zupfte, um sie einzubremsen, denn ihr Temperament war bekannt.
Und ich kann mir denken, dass er sie bat, wieder Platz zu nehmen und keinen Wirbel zu veranstalten.
Aber sie dachte nicht daran, still zu bleiben, sondern sprach weiter, jetzt schon weniger gelassen, sondern erregter und lauter und nur noch an ihren Mann gewandt:
„Du willst ins Heilige Land, und es ist gut so.
Ich aber sage dir, dass du da keineswegs weit zu reisen hast, denn alles Land um unsere Burg ist Heiliges Land."
Der Prälat aus Rom wird die Nase gerümpft haben wegen dieser „Belehrung".
So konnte das doch nicht sein, wenn das Heilige Land auf der Landkarte dort lag, wo es zu liegen hat.
Aber unbeirrt wird Elisabeth weitergesprochen haben:
„Hier und rundum ist das Heilige Land.
Überall ist es, wo Arme leben und sich nach Hilfe und Trost sehnen.
In deinem Herzen ist Heiliges Land, wenn du es öffnest, und tust du so,
wird unser Herr darin Wohnung nehmen. Ohne weit zu reisen, kannst du dort kämpfen und siegen."
Und als Ludwig einwarf, er werde zuerst abreisen, um dort zu kämpfen und zu siegen,
entgegnete Elisabeth: dann werde sie eben seine Pflicht tun und jetzt schon damit beginnen,
sich um die Nöte des Landes ringsum die Burg zu kümmern.
Und ich kann es mir wiederum gut ausmalen, wie sie die Hühner, Schnepfen und Gänse,
die bei der Vorspeise übriggeblieben waren, vor aller Augen in ein Tischtuch gab und es wegbrachte zu den Armen ihres Landes.
„Du brauchst nicht weit zu reisen, rundum ist das Heilige Land".
Das gilt auch für uns und unsere Zeit.
Wir alle wissen, was damit gemeint ist: es gibt so viel Not um uns herum, wo wir helfen können und helfen müssen, wenn wir echte Christen sein wollen.
Not, wenn dem anderen der Magen knurrt, das erleben wir eigentlich hautnah nicht so sehr.
Doch Not, wenn der andere Sehnsucht hat nach einem Wort der Zuwendung, nach einem, der zuhört und der Zeit hat, nach einem Ratschlag, nach zupackender Hilfe - das erleben wir täglich in unserem Umkreis.
Wir müssen nur Ohren und Augen offenhalten und vor allem das Herz, dass da etwas ankommen kann.
„Du brauchst nicht weit zu reisen, in deinem Herzen ist das Heilige Land.
Wenn du es öffnest, wird unser Herr darin Wohnung nehmen.
Ohne weit zu reisen, kannst du dort kämpfen und siegen."
Wir müssen uns selbst besiegen, unseren kräftigen Egoismus, wir müssen uns selbst zurücknehmen zugunsten anderer, zugunsten derer, die irgendwie in Not sind.
Über solchem Verhalten steht die Zusage Jesu, dass man das Leben gewinnen wird: das Leben des Mitmenschen zum einen und zum anderen das eigene.
Wer liebt hat den Tod überwunden - so haben wir in der Lesung gehört.
Leben-bringer sollen wir sein - Sie und ich und jeder von denen, die zu uns zählen...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael