3. Advent, Lesejahr C

14.12.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Ich begrüße Sie alle sehr herzlich zu diesem Gottesdienst am dritten Adventsonntag, der den Namen Gaudete trägt: Freut euch.
In Politik und Gesellschaft gibt es heute aber nicht nur heute viele Probleme: Gesundheitswesen, Renten, Steuern, Außenpolitik - überall prallen Meinungen aufeinander.
In solchen Zeiten wachsen Erwartungen an einzelne Personen, denen man zutraut, dass sie das Ganze überblicken und die richtigen Entscheidungen treffen.
Das kann gefährlich sein, wenn sich falsche Propheten Ansehen verschaffen.
Ähnlich ist es auf dem Gebiet von Religion und Weltanschauung. Auch da ist das Angebot riesig und die Unterscheidung schwierig.
Der Advent richtet unseren Blick dorthin, woher uns Gottes Heil entgegenkommt.
Öffnen wir Herz und Ohren für den, der uns die Rettung bringt.
Ihn ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen...

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 3,10 - 18)

Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

Predigt/Ansprache

Was sollen wir tun? - eine Frage, die damals wie heute Menschen bewegt.
Damals trieb sie Menschen um, trieb sie hinaus in eine Wüstengegend am Jordan, wo ein Prediger harte Dinge lehrt. Es sind keine angenehmen Antworten, die Johannes der Täufer den Suchenden gibt. Wer zwei Gewänder hat, gebe eines ab. Wer genug zu essen hat, gebe davon den Hungernden ab. Den Zöllner mahnt er, seine Macht nicht zum Betrug zu mißbrauchen; und die Soldaten ruft er zur Ordnung, ihre Kraft und Waffen nicht verbrecherisch zu gebrauchen.
Johannes der Täufer - das ist kein Lifestyle-Prediger mit sanften Wellness-Tipps, sondern ein einfacher Mann mit einem gesunden Empfinden für Gerechtigkeit. Einer, der das offene Wort nicht scheut. Wer hierher kommt, um sich taufen zu lassen, muß mit einer kalten Dusche rechnen. Nicht große Worte vom Leben in der kommenden Welt macht Johannes, sondern er stellt einfach Dinge richtig, die in unserer Welt falsch laufen.
Warum tritt er so eindringlich und drängend als Umkehrprediger auf?
Warum fordert er eine Wende im Leben und bietet für sie in der Taufe einen zeichenhaften Ausdruck?  Er fordert Kurskorrektur, weil jetzt die entscheidende Wende für Israel eintritt, ja bereits eingetreten ist.
Es kommt aber einer, der ist stärker als ich...Schon hält er die Schaufel in der Hand. Für IHN gilt es, bereit und mit aller Konsequenz offen zu sein Der verhießene Messias ist schon da, aber noch nicht hervorgetreten. Johannes weiß, das er am Vorabend großer Ereignisse steht, in denen die von Gott herbeigeführte Wende spürbar wird; und die Leute, die zu Johannes kommen, spüren, dass sie Zeitgenossen sind einer Veränderung, wie sie von den Propheten in vielfachen Bildern verkündet wurde.
Die Liturgie dieses Sonntags führt uns durch die Evangelien zu Johannes dem Täufer hinaus in die Wüste und an den Jordan. Nicht nur der historischen Erinnerung wegen und nicht nur, damit wir gleichsam als spätgeborene Zaungäste auf das damalige Geschehen blicken. Nein, wir stehen in der Schar der Hörer des Johannes und befinden uns in einer ähnlichen Situation wie die Menschen damals: schon ist Entscheidendes von Gott her geschehen und im Glauben an Kreuz und Auferstehung Jesu wissen wir mehr davon als der Täufer, aber wir erwarten noch darauf, dass alles einleuchtend wird und klar erkennbar, dass alles offenbar wird, was damals geschehen ist.
Die Antwort des Johannes ist gültig bis heute: Werdet durchlässig -kompatibel- für Gottes rettendes Handeln, seid dafür empfangsbereit, laßt euch davon bestimmen - so wie es in Jesus Christus als Weg und Ziel für alle Menschen offenbar geworden ist. Und prägt die Welt nach seinen Maßstäben.
Was sollen wir tun?, um für die Wiederkunft Jesu, um für den Umstand, dass Jesus als auferstandener Herr und als Ziel aller in Erscheinung treten kann; was sollen wir tun?, um für die Feier der Erinnerung an seine Geburt bereit zu sein?
Noch ist nicht alles heil in der Welt. Noch an vielen Stellen dieser Welt warten Menschen auf Besserung ihres Lebensumstände - die Aktion Adveniat macht uns darauf aufmerksam, dass es noch Aufgaben gibt für uns Christen, damit etwas spürbar und erfahrbar werden kann vom Heil und vom umfassenden Frieden, den Gottessohn den Menschen bringen wollte und wofür er letztlich sein Leben verschenkt hat.
Überall auf der Welt, nicht nur in Argentinien, dem die diesjährige Weihnachtsaktion gelten soll, warten Menschen auf das Heil, auf Besserung ihrer Lebensumstände, warten auf Weihnachen, jeden Tag. Weihnachten ist nicht erst, wenn die Kerzen am Tannenbaum brennen, Weihnachten ist dort, wo wir Gott eine Chance geben, in dieser Welt zu wirken in und an uns selber und durch uns, Tag für Tag und Jahr für Jahr.

Was sollen wir tun? Wagen wir es einfach, dem Rat des Johannes zu folgen: wer seiner Figur wegen fastet, soll an den denken und dem abgeben, der mit leeren Bauch fastet, weil er nichts auf dem Tisch hat. Wer Macht hat, der gebrauche sie mit Herz. Wer Gewalt ausüben muss, der achte auf das Wie. Lassen wir uns bestimmen von den Maßstäben Gottes. Maßstäbe Gottes - das sind große Worte; aber es gibt kleine Gesten, durch die sie Wirklichkeit werden.
In der Taufe haben wir alles es zugesagt bekommen, dass wir Zeichen des Heils sein können, Zeichen von Gottes Gegenwart in dieser Welt. Und wir dürfen sicher sein: wenn wir so offen und durchsichtig werden für Christus, dann wird für uns und andere spürbar, was Wiederkunft Christi bedeutet; dann wird die Vollendung des Reiches Gottes erahnbar. Dann kann trotz aller Rückschläge und Enttäuschungen und trotz aller Ablehnung und aller bleibenden Fragen Weihnachten für uns ein Fest der Freude werden, der Zuversicht - dort wo Gottes Geist uns und unser Handeln bestimmt.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Es kommt einer, der stärker ist als ich - das Wort Johannes des Täufers weist hin  auf unseren Herrn, auf den wir hoffen dürfen.
So beten wir:

für alle Frauen und Männer, die heute als Christen ihre Stimme erheben für Gerechtigkeit und für das Lebensrecht und die Würde eines jeden Menschen...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

für die Männer und Frauen, die Macht haben in Politik und Gesellschaft und die damit große Verantwortung tragen...

für die Menschen, die sich als machtlos und als abhängig erfahren;

für alle, die Gewalt und Unterdrückung ausgesetzt sind...

für alle in unserer Gemeinde, die seelischer oder finanzieller Not ausgesetzt sind und die mit Angst oder Lebensüberdruss dem Fest entgegensehen...

Guter Gott, wir warten auf das Erscheinen deines Sohnes.
Für ihn danken wir dir und preisen dich in dieser Zeit und in der Ewigkeit. Amen