Fest des Hl. Martin / Dioezesanpatron, Lesejahr C

11.11.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir feiern heute das Fest des heiligen Martin, der Patron unserer Diözese ist.
Heilige sind wie Glasfenster einer Kirche, die das Licht der Sonne zum Leuchten bringt.
Nur wenn die Sonne durch das Fenster scheint, kommt es zum strahlen, wird das Dargestellte erkannt.
Durch das Tun des Taufbewerbers Martin scheint Gott selbst auf in den Eigenschaften des Helfers in der Not, des Beistands der Armen und ihr Anwalt.
Am Anfang dieses Gottesdienstes müssen wir uns fragen, was aufscheint und zum Leuchten kommt durch unser Tun und Lassen.
Wird Gott dadurch erkannt als Anwalt der Armen als Helfer in der Not?
Weil wir das Licht des Guten oft genug eher verdunkeln, brauchen wir das Erbarmen Gottes und die gegenseitige Verzeihung.
So bitten wir um sein Erbarmen und öffnen uns für die Verzeihung, wenn wir aneinander schuldig geworden sind.

 

Predigt/Ansprache

Die Stelle des Evangeliums wurde nicht zufällig ausgewählt.
Schon in der mittelalterlichen Leseordnung war sie und andere Stellen, an denen Jesus vom Licht spricht, für den Martinstag vorgesehen.
Damit sollte gesagt sein: der heilige Martin war für die Welt wie ein Licht.
Sein Leben und sein Tun sind beispielhaft für jeden Christen und weisen hin auf einen Vater im Himmel, der gütig ist und voll Erbarmen, zum Helfen bereit.
Martin ist sicherlich einer der populärsten Heiligen.
Weil er als 18jähriger seinen Soldatenmantel mit einem Bettler geteilt hat und sich erfolglos in einem Gänsestall versteckte, weil er keine kirchlichen Würden wollte, ist er in die Geschichte eingegangen, die oft genug eine schöne Geschichte für Kinder geblieben ist:
nachgespielt, in Kinderliedern nachgesungen und mit Laternenumzügen gefeiert.
Aber dort am Stadttor von Amiens ging es um mehr als die spontane Tat, bei der ein Mantel auseinander geschnitten wurde.
Es ging um eine spontane der Tat echter Nächstenliebe, nicht lang überlegt, sondern die Lage des Armen wurde erkannt und es wurde umgehend geholfen.
Vom Bettler ist die Tat sicherlich bedankt worden, aber die Menschen um Martin haben sie nicht verstanden: lächerlich der Soldat, der nur noch mit der halben Uniform herumläuft; und die Leitung der Heeresabteilung wird sich aufgeregt haben: das Eigentum des Kaisern mutwillig zu zerschneiden; dafür steht Strafe an.
Und dann noch den Dienst quittieren, der so etwas wie eine Aufstiegsleiter war;
schon der Vater war beim Militär diese Leiter aufgestiegen vom einfachen Schuhputzerdienst bis zum Tribun. Und der Sohn hätte es weiterbringen sollen.
Kein Wunder, dass der Vater dem Sohn kein Gehör schenkt, als der nach der Taufe die Familie zum Christentum bekehren will, als er ihnen diesen Weg schmackhaft machen möchte.
Noch unverständlicher der Wunsch sich zu verbergen, als Gemeindevertreter von Tour an seine Klosterpforte pochten, die ihn als ihren erwählten Bischof abholen wollten.
Oder doch zu verstehen, weil er gegen den Widerstand der Amtskollegen ausgewählt worden war.
Was muss das für eine eindrucksvolle Persönlichkeit gewesen sein, die unermüdlich eintrat
für die Rechte der bäuerlichen Bevölkerung, die vom Vögten und Adeligen unterdrückt und ausgebeutet wurde; der sich um Kranke und Gefangene kümmerte, der den Reichen ins Gewissen redete und selbst vor dem Kaiser in Trier das Wort ergriff zugunsten der armen Menschen. Als er den bevorstehenden Tod spürte, legte er sein Bischofsgewand ab und zog seine Mönchskutte an, weil er als Armer und seinen Armen sterben wollte.
Das war alles im vierten Jahrhundert.
Aber es noch heute hoch aktuell.
Martin war wirklich wie ein Licht unter den Menschen.
Durch seine Lebensweise und seine Lebenshaltung zeigt er uns das Licht Jesu an und sagt:
ein solches Licht sollt auch ihr werden, und mit eurem Leben auf Jesus hinweisen.
Ein Slogan von heute lautet:
Tue Gutes und rede darüber.
Das heißt: mach es bekannt.
Das liegt uns nicht: Gutes tun und darüber reden.
Es kommt so leicht ins Eigenlob, das bekanntlich stinkt - so sind wir erzogen worden.
Aber die Welt darf es erfahren, wenn Gutes getan wird, wenn Hilfe geschieht zugunsten der Menschen, nicht damit wir Lob einheimsen können, sondern damit der gepriesen werden kann, auf den wir als Christen uns berufen.
Gutes tun ist nichts anderes als sein Licht zum Leuchten bringen.
Es ist besser, ein kleinen Licht anzuzünden, als über die Dunkelheit zu jammern, lautet ein kleiner Sinnspruch.
Alles was wir an Gutem tun, ist das Entzünden eines Lichtes, das hell macht und wärmt.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir beten zu Gott,
der uns geschaffen und zum Leben in der Nachfolge Jesu gerufen hat:


+ wir bitten um ein Herz,
das die Not der anderen Menschen wahrnimmt...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich ...

+ wir bitten um ein Herz, das den Notschrei der Armen nicht überhört ...

+ wir bitten um ein Herz,das auch die liebt, die von anderen ausgeschlossen werden ...

+ wir bitten um ein Herz, damit mit allen mitfühlen kann in der Freude und in der Trauer ...

+ wir bitten um ein Herz, das da ist, wenn wir gebraucht werden ...

So bitten wir den Vater im Himmel durch seinen Sohn und mit dem Heiligen Geist, der alles vollenden wird jetzt und in der Ewigkeit. Amen