Fronleichnam, Lesejahr C

10.06.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Gemeinsame Eucharistiefeier der Gemeinden St. Michael, Sillenbuch und St. Thomas Morus, Heumaden im Eichenhain


Der große Theologe Karl Rahner hat gesagt: es geziemt sich, dass wir wenigstens einmal im Jahr ein Fest desjenigen Festes feiern, das wir jeden Tag in der heiligen Messe begehen.
Ein Fest darüber, dass das Gewöhnliche das Ungewöhnlichste, das Täglich Begangene der Inhalt der Ewigkeit, das kleine Brot der Erde Gottes Ankunft bei uns ist und der Beginn der Verklärung aller irdischen Wirklichkeit.
Jeden Tag rüstet uns Gott ein Fest. Am Fronleichnamstag aber sollten wir Gott ein Fest bereiten zum Dank dafür, dass er jeden Tag uns sein Mahl gewährt, aus dem wir Kraft und Freude empfangen, um auf den Wegen dieser Zeit heim zugelangen zum Gastmahl ewigen Lebens.
Den, der zum Mahl uns alle einlädt, den, der sich uns darreicht im Brot, rufen wir um Erbarmen an...

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,11b-17 )

Die Apostel kamen zurück und erzählten Jesus alles, was sie getan hatten. Dann nahm er sie beiseite und zog sich in die Nähe der Stadt Betsaida zurück, um mit ihnen allein zu sein.
Aber die Leute erfuhren davon und folgten ihm. Er empfing sie freundlich, redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.
Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.
Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen.
Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.
Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.
Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.
Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

Predigt/Ansprache

Fronleichnam bedeutet Leib des Herrn. Wir denken dabei an Christi Leib im Geheimnis der Eucharistie. Wir denken an dem Leib, von dem es heißt: Dies Brot ist mein Leib für das Leben der Welt.
Auf dem Höhepunkt jeder Messe hören wir: Nehmt und esst! Das ist mein Leib. Nehmt und trinkt! Das ist mein Blut. Nach dem Gebrauch der Muttersprache Jesu bedeutet mein Leib - mein Blut: das bin ich selbst, hingegeben für euch! In diesem Wort ist wie in einem Brennpunkt zusammengefasst, was Jesus war und was er sein wollte: ganz da für die anderen, ganz offen für Gott und die Menschen, voller Hingabe an alle, die etwas brauchen.
Die Feier der Gottesdienste ist Erinnerung an damals, aber nicht nur Erinnerung, sondern auch Wirklichkeit für jetzt. Eucharistie ist Angebot und Aufforderung an uns, dass wir uns anstecken lassen von dieser Liebe, dass wir uns hineinziehen lassen in die Hingabe unseres Herrn.
Und das ist ein wirklich anspruchsvolles Geschehen. Nicht von den äußeren Bedingungen her.
Da genügen ein Tisch, eine Stück Brot und etwas Wein, eine gläubige Versammlung und ihr Vorsteher. Alles andere muss nicht sein.
Anspruchsvoll ist die Eucharistie in dem, was sie von uns erwartet: dass wir nicht um uns selber kreisen, sondern dass wir uns öffnen, dass wir uns nicht selbst in die Mitte stellen, sondern die Augen aufmachen für die am Rande, die uns brauchen, die uns so dringende brauchen wie das tägliche Brot.
In der Mahlfeier wird uns das gewandelte Brot auf die Hand gelegt.
Wir hören das Wort Der Leib Christi! und antworten Amen darauf. Das ist nicht nur Bestätigung des Glaubens, dass Christus in diesem Brot gegenwärtig ist. Dieses Amen ist vielmehr.
In der Predigt 272 sagt der heilige Augustinus: Was ist da seht ist Brot und ein Kelch;
das sagen euch schlicht eure Augen. Was der Glaube lernen muss, ist dieses: Das Brot ist der Leib Christi und der Kelch enthält das Blut Christi. Das ist kurz und bündig gesagt und vielleicht begnügt sich der Glaube damit. Augustinus hat recht, unser Glaube begnügt sich damit, bleibt dabei stehe und fragt nicht weiter. Denn dass etwas für uns geschieht,
dass lassen wir uns gern gefallen. Wir brauchen dann nichts weiter zu tun, als die Hände zu öffnen.
Augustinus fährt in seiner Predigt fort, indem er alles vertieft und auf den Punkt bringt: Wenn du aber verstehen willst, was der Leib Christi ist, dann höre auf den Apostel; der sagt den Gläubigen: Ihr aber seid Christi Leib und seine Glieder. Wenn ihr selbst also der Leib Christi seid und seine Glieder, dann liegt euer eigenes Geheimnis auf dem Altar.
Ihr empfangt also euer eigenes Geheimnis, Auf das, was ihr seid, antwortet ihr: Amen.
Und durch diese Antwort leistet ihr gleichsam eine Unterschrift. Du hörst nämlich Der Leib Christi und du antwortest Amen. Sei darum ein Glied des Leibes Christi, damit dein Amen wahr ist. Seid, was ihr seht! Und empfangt, was ihr seid! Nämlich der Leib Christi.
Das Sakrament des Altares verliert jeden Wert, wenn es nicht empfangen wird in der Überzeugung, dass ich mich hineinnehmen lassen muss in die Liebeshaltung Jesu,
dass ist selbst zu einer Opfer-Gabe werden muss für meine Mitmenschen heute. Gebt ihr ihnen zu essen, lautet der Auftrag Jesu an die Jünger.
Wir haben doch nichts, nur fünf Brote und zwei Fische. Wir haben doch nichts; nur schrumpfende Kirchensteuern, zurückgehende Kirchenbesucherzahlen, nur Überalterung, nur einige Ehrenamtliche, die sich ausgelaugt fühlen. Wir haben doch nichts, nur... nur?
Wir haben also doch etwas. Mag es noch sowenig sein, so klein scheinen, es taugt zur Verwandlung und damit zum Wunder der Vermehrung. Es muss nur eingesetzt werden, damit er zum Zug kommt.
Wer das Sakrament der Liebe empfängt und nicht bereit wird, die Liebe weiterzutragen,
der isst nicht zu seinem Nutzen, sondern zum Zeugnis gegen sich selbst.
Der Leib Christi. Amen!
Vergessen wir so oft die Antwort Amen, weil uns womöglich die Bereitschaft fehlt, die Liebe zu tun mit Wort und Hand?

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Jesus selbst ist das Brot, das uns Hoffnung gibt. Ihn, der uns nicht allein lässt, wollen wir bitten:


* für unsere Kirche und für alle Christen:
dass sie Jesus treu verbunden bleiben und in ihm immer mehr zur Einheit aller zusammen finden ...
Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

* für die Völker der Erde und für jene, die sie regieren:
dass sie nicht Krieg und Hass das Wort reden, sondern sich einsetzen für Versöhnung und Frieden, für Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung ...

* für die Kranken, die Notleidenden, und für jene, die ohne Arbeit sind:
dass sie sich nicht wertlos und verlassen fühlen, sondern Menschen finden, die ihnen durch ihre Nähe Zuversicht und Mut schenken ...

* für die Bewohner unserer Stadt und unserer Bezirke:
dass nicht Isolation den Alltag prägen, sondern ein gutes und partnerschaftliches Miteinander ...

* für unsere Gemeinden und unsere Seelsorgeeinheit:
dass wir uns nicht voneinander abkapseln, sondern zu einer echten Gemeinschaft werden, in der jeder für den anderen da ist ...

* für die Kinder und Heranwachsenden:
dass sie die Freude an Jesus und an seiner Liebe erfahren und sie es lernen, diese weiterzugeben an ihre Welt ...

* für uns alle, die wir hier sind:
dass wir Tag für Tag die Kraft haben, Hoffnung zu leben und Hoffnung zu geben ...

* für unsere Toten:
dass sie in Gott das Ziel ihres Lebens gefunden haben und in ihm leben ...

Du Herr, bist allen nahe, die auf dich vertrauen. Darum danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen

Segensgebet

Du Brot für uns, Du Speise
Dein Tod am Kreuz ist zugegen in einem Mahl von Brot und Wein.
Du gibst dich hin, Du nimmst uns mit auf Deinem Weg zum Vater.

Du Brot für uns Du Speise
die Hingabe Deines Lebens in den Tod ist zugegen in einem Mahl von Brot und Wein
Du schenkst Dich uns du reißt uns mit auf Deinem Weg der Versöhnungen

Du Brot für uns Du Speise
Du Gott und Mensch bist zugegen in einem Mahl von Brot und Wein.
Du teilst dich aus du ziehst uns mit auf Deinem Weg zum Himmel

Du Brot für uns, Du Speise
Dein Heiliger Geist ist zugegen in einem Mahl von Brot und Wein.
Du gießt dich aus Du führst uns mit auf deinem Weg der Wahrheit

Du Brot für uns; Du Speise
Dein Sieg der Auferstehung ist zugegen in einem Mahl von Brot und Wein
Du siegst mit uns Du lädst uns ein auf deinem Weg in die Zukunft.