Fronleichnam, Lesejahr C

07.06.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Ein christlicher Dichter unserer Tage hat geschrieben: Gott - das ist ein Tätigkeitswort.
Er formuliert damit den Gedanken, dass Gott uns nicht einfach statisch gegenübersteht
und gleichsam ein kalter Glaubensgegenstand ist, sondern dass ER und der Glaube an IHN
etwas zutiefst Lebendiges und Bewegendes ist.
Dies wird am heutigen Fest Fronleichnam deutlich, wenn auch wir tätig werden: das Sakrament der Eucharistie essen, wenn wir es dann durch den Eichenhain tragen und durch einige Strassen unseres Wohnortes stellvertretend für alle Strassen, die wir passieren oder an denen wir zuhause sind in unseren Wohnbezirken Sillenbuch, Heumaden, Ruit und Kemnat.
Was das ganze Jahr über für die Gottesdienste gilt, das begehen wir heute wörtlich und festlich: die Nähe Gottes in seinem Sohn bringt uns in Bewegung und verbindet Glauben und Leben und verbindet uns untereinander.
IHN, der immer zuerst an uns tätig wird, begrüßen wir in unserer Mitte mit dem Ruf um Erbarmen ...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,11b-17 )

Jesus redete zu ihnen vom Reich Gottes und heilte alle, die seine Hilfe brauchten.
Als der Tag zur Neige ging, kamen die Zwölf zu ihm und sagten: Schick die Menschen weg, damit sie in die umliegenden Dörfer und Gehöfte gehen, dort Unterkunft finden und etwas zu essen bekommen; denn wir sind hier an einem abgelegenen Ort.
Er antwortete: Gebt ihr ihnen zu essen! Sie sagten: Wir haben nicht mehr als fünf Brote und zwei Fische; wir müssten erst weggehen und für all diese Leute Essen kaufen.
Es waren etwa fünftausend Männer. Er erwiderte seinen Jüngern: Sagt ihnen, sie sollen sich in Gruppen zu ungefähr fünfzig zusammensetzen.
Die Jünger taten, was er ihnen sagte, und veranlassten, dass sich alle setzten.
Jesus aber nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, segnete sie und brach sie; dann gab er sie den Jüngern, damit sie diese an die Leute austeilten.
Und alle aßen und wurden satt. Als man die übrig gebliebenen Brotstücke einsammelte, waren es zwölf Körbe voll.

 

Predigt/Ansprache

Ich habe lange überlegt, wer heute die Predigt halten soll? Schließlich blieb es dabei: nicht ich predige, sondern Sie selbst halten die Predigt durch ihre Teilnahme hier und an der Prozession: das ist die Verkündigung.
Was wir hier in aller Öffentlichkeit tun, das ist die Predigt am diesem Tag. Unser Tun und unsere Form, sind beredte Symbole, die manches auch ohne Worte aussagen.
In einer Zeit, in der immer mehr Menschen Zuschauer werden: Zuschauer vor dem Fernseher, Zuschauern in der Politik, Zuschauer im Sport, da werden Sie zu Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Sie alle nehmen Teil an dieser Demonstration, bei der wir die angestammten und vertrauten vier Wände zurückgelassen haben. um hier Gottesdienst zu feiern.
Für den Glauben gehen Sie auf die Strasse.
Für Christus setzen Sie sich in Bewegung, weil - so vermute ich - sie innerlich bewegt sind
von diesem Christus und der Gemeinschaft mit ihm und um ihn.
Sonst wären Sie jetzt nicht hier, sondern würden noch im Bett liegen oder gemütlich frühstücken.
Das ist Verkündigung am heutigen Tag: weil Sie bewegt sind, darum hab en Sie sich auf den Weg gemacht und gehen Sie auf den Weg, gehen Sie für den Glauben auf die Strasse.
In unserer Mitte wird die Monstranz getragen.
Und in diesem mehr oder weniger kostbaren Zeigegerät das Brot aus der Feier der Eucharistie. Gott ist gegenwärtig in unserer Welt. Wir sind keine gottverlassene Welt.
Die Monstranz mit dem Brot wird hochgehalten, weil wir Christus hochhalten in unserem Leben und in unseren vier Gemeinden.
In der Gestalt des Brotes ist er in geheimnisvoller Weise unter uns gegenwärtig.
Gott konnte nur im Brot zu uns kommen, weil die Menschen so hungrig sind ...
hat der Nichtchrist Mahatma Gandhi gesagt.
Wir halten Christus hoch an diesem Feiertag und wir halten Christus hoch in unserem Alltag,
weil er den Hunger unserer Seele stillen kann und stillen soll.
In allem, was wir haben, ist etwas zu wenig. Gott allein erst genügt.
Das wollen wir sagen mit unserem Tun in der Öffentlichkeit.
Weiter ist es eine alte Tradition, dass bei der Fronleichnamsprozession ein Baldachin getragen wird, ein sogenannter Himmel.
Praktisch veranlagte Menschen werden denken, ein guter Schutz für den Priester, wenn es regnet oder ein guter Schutz, wenn die Sonnenstrahlen zu heiß werden.
Das vielleicht auch.
Aber vielleicht wird der Himmel über der Monstranz getragen, um deutlich zu machen:
Christus ist nicht nur im Himmel zu finden, er ist auch unter dem Himmel, hier auf unserer Erde, hier wo wir leben, auf den Wegen unseres Alltags, in den Mühen unseres Lebens.
Das ist Verkündigung am heutigen Fronleichnamstag. Wir vertrauen darauf, dass Christus hier auf unserer Erde zu finden ist, dass er sich hier um uns sorgt. Er ist ein naher Gott,
dessen Wirken wir oft erst im Rückblick entdecken können.
Hier geht es also um Gott, dem wir die Ehre geben, der uns auf dem Wegen unseres Alltags begleitet.
Sein Wohn- und Lebensraum lässt sich nicht beschränken auf Kirchenmauern. Sein Zeichen ist die Liebe.
In der Kirche werden singen: Tantum ergo sacramentum ... Sakrament der Liebe Gottes,
Leib des Herrn sei hoch verehrt, Mahl, das uns mit Gott vereinigt, Brot, das unsre Seele nährt,
Blut, in dem uns Gott besiegelt seinen Bund, der ewig währt.
Dieses Sakrament macht uns zum Brot für alle, die hungern: nach Wahrgenommenwerden, nach Anerkennung, nach Sinn und Gemeinschaft, nach Glück und Frieden, nach Leben ...
Wo wir nicht zum Brot werden, da versagt unser Christsein. Unser Gehen macht deutlich:
wir gehen mit dem Herrn im Brot, weil wir uns anstecken lassen von seiner Liebe.
Gott kann auch heute nur im Brot zur Welt kommen, weil die Menschen so hungrig sind ...
Diese Verpflichtung legt uns der Tag heute auf. Diese unsere Predigt ist unser Versprechen,
dass wir Brot werden wollen für das Leben
(Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael)

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus begleitet uns auf den Wegen unseres Lebens.
Ihn bitten wir:

+ für unsere Kirche und für alle Christen,
die das Wort der frohen Botschaft weitertragen sollen
durch die Zeiten und die Gegenden, in denen sie leben:
dass das Wort des Herrn und sein Lebensbeispiel
ihnen immer wieder neue Impulse gibt für die Ausgestaltung des Glaubens

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Unser Herr Jesus Christus begleitet uns auf den Wegen unseres Lebens.
Ihn bitten wir:


+ für unsere Kirche und für alle Christen, die das Wort der frohen Botschaft weitertragen sollen
durch die Zeiten und die Gegenden, in denen sie leben:
dass das Wort des Herrn und sein Lebensbeispiel ihnen immer wieder neue Impulse gibt für die Ausgestaltung des Glaubens

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ für die Regierenden in unserem Land, in Europa und auf der ganzen Welt, denen die Sorge um Frieden und Gerechtigkeit und um das tägliche Brot für alle anvertraut ist:
dass sie unermüdlich ihre Kräfte einsetzen für die Lösung der vielfältigen Probleme und des ihnen gelingt, das Miteinander aller gut zu gestalten ...

+ für die Menschen, die in Not sind,
sei es hier in unserer Umgebung oder in der weiten Welt, für die Opfer von Katastrophen und Kriegen, für die aus ihrer Heimat vertriebenen,
für alle, denen Gewalt angetan wurde:
dass sie die notwendige Hilfe finden, die ihre Not endet und sie in Würde leben lässt ...

+ für die Kranken, die herausgerissen sind aus ihrem alltäglichen Leben,
für alle, die mit einer Behinderung leben müssen:
dass ihnen Menschen begegnen, die sich ihrer annehmen in Zuwendung und Geduld und sie sich geborgen wissen in der Beziehung zueinander ...

+ für unsere Gemeinde in der Seelsorgeeinheit
von Kemnat und Ruit, von Heumaden und Sillenbuch:
für die jungen Menschen mit ihren Plänen und Hoffnungen, und für die Älteren, die immer mehr von Liebgewordenen Abschied nehmen müssen:
dass wir alle zu einer tragfähigen Gemeinschaft zusammenwachsen und ein Zeichen für die Anwesenheit Gottes in unserer Lebenswelt
darstellen können ...

Lebendiger Gott, im Brot des Lebens gibst du uns die Speise, die wir brauchen.
Dir danken wir und preisen dich alle Tage und in der Ewigkeit. Amen