Gruendonnerstag, Lesejahr C

08.04.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Liebe Schwestern und Brüder,
mit der eucharistischen Tischgemeinschaft im Abendmahlssaal hat Christus die Kirche ins Dasein gerufen.
Diese abendliche Eucharistiefeier soll daher in besonderer Weise getragen sein von der freudigen Dankbarkeit für das kirchenschöpferische Wirken des Herrn.
Sie sollte aber auch schmerzlich in Erinnerung bringen, dass die eine Tischgemeinschaft aller Christen nicht mehr, bzw. noch nicht wieder, gegeben ist.
An keinem Tag des ganzen Kirchenjahres ist daher die Bitte um die Einheit der Christen sinnvoller als heute.
Im Demutsdienst der Fußwaschung hat Jesus Christus ein Zeichen gesetzt, das weit mehr ist als Nächstenliebe und Humanität Was Jesus getan hat, war deshalb so unerhört, weil hier nicht ein Mensch seinen Mitmenschen einen Demutsdienst erwies, sondern weil ein politisches Zeichen, ein Zeichen der Neuordnung - der Neuorientierung - zur Nachahmung empfohlen, gesetzt wurde.
Der Sohn des allmächtigen Gottes kniet vor sündigen Menschen nieder und vergibt im Symbol der Fußwaschung Sünde und Schuld.
Auch für uns wollen wir den Herrn um sein Erbarmen anrufen...

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 13, 1-15 )

Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Predigt/Ansprache

Menschliche Begegnungen haben verschiedene Tiefen. Manche sind recht oberflächlich - sie erschöpfen sich im augenblicklichen Geschehen:
Ein flüchtiger Gruß im Vorübergehen, ein amtliches Gespräch.
Es kann aber auch sein, dass Begegnungen tiefer gehen, einen mehr ansprechen oder sogar herausfordern: wie z.B. der Austausch über ein gemeinsames Erlebnis, ein persönliches Gespräch, oder gar ein Konflikt.
Schließlich gibt es auch Geschehnisse im Leben, die eine bleibende Tiefe haben:
Begegnungen, die für den weiteren Lebensweg entscheidend wurden; - denken
Sie beispielsweise an ihren Lebenspartner; da sind Begegnungen, die einen Wohlwollen, Liebe, Angenommensein erfahren ließen; an die wir uns immer wieder erinnern, die wir aber auch für die Zukunft neu durchdenken sollten.
Solch ein Geschehen war auch die Feier des Abendmahles, bei dem Jesus mit seinen Jüngern zum letzten mal in seinem irdischen Leben zusammen war.
Der Rahmen dieses Zusammenseins war das Paschamahl, die Feier der Großtaten Gottes in der Vergangenheit.
Es wurde der Aufbruch des Gottesvolkes aus einem Leben in Unfreiheit in ein Leben der Freiheit gefeiert.
Auch in dieser Feier Jesu vollzog sich ein Abschied und ein neuer Aufbruch.
In Augenblicken des Abschieds wird nicht viel geredet, nur das Wichtigste, nur das, was den anderen als Letztes ans Herz gelegt werden soll.
So ist auch Jesu Tun zu verstehen. In Worten, vor allem aber in Zeichen, möchte er sein Leben zusammenfassen, möchte er nochmals seine Sendung verdeutlichen.
Seine große Leidenschaft war es, den Menschen nahe zu bringen: Gott liebt euch vorbehaltlos, er liebt euch grenzenlos.
Diese Zuwendung Gottes, wie sie in Jesu Leben Gestalt annahm, ist der Anbruch des Reiches Gottes.
All das Tun in der Stunde des Abschieds war darauf ausgerichtet, dies die Jünger nochmals erleben zu lassen.
Um das Tun Jesu so richtig verstehen zu können, müssen wir uns die Stunden, wo wir selbst von echter Liebe erfüllt und durchdrungen waren, vergegenwärtigen.
Mit welcher Liebe haben wir damals Geschenke ausgesucht?
Haben wir nicht alles Herzblut darein gegeben? Das Geschenk ist dann kein kalter Gegenstand mehr, sondern gefüllt mit Wohlwollen und echter Liebe.
Jedes Geschenk enthält den Wunsch, dass ein bisschen vom Schenkenden im Beschenkten lebt, dass es bewahrt bleibt als Zeichen der Zuneigung.
Was da geschenkt wird, ist im tiefsten immer der Schenkende selbst.
Ein Geschenk annehmen bedeutet zugleich, etwas von der Gegenwart des Schenkenden ins eigene Leben hineinzulassen. Der Wert eines Geschenkes hängt daher nicht vom materiellen Wert ab, sondern von der Tiefe der Hingabe - wieweit einer sich selbst in das Geschenk „hineinlegt".
Vielleicht helfen uns diese Gedanken über das Schenken, das Tun Christi im
Abendmahlssaal besser zu verstehen:
Er nimmt zum Abschied ein Stück Brot, einen Becher Wein, etwas, das normalerweise allen zur Verfügung steht, und macht dies seinen Jüngern zum
Geschenk; er erfüllt Brot und Wein mit seiner Liebe, mit seiner Gegenwart. Brot und Wein werden Verkörperung seines Wesens, seines Lebens, das Hingabe und Liebe ist. Er konnte sagen: „Wenn ihr mein Fleisch nicht isst und mein Blut nicht trinkt, wenn ihr also nicht aus mir lebt, dann werdet ihr das Leben der Hingabe nicht in euch haben."
Aus ihm kann sich also auch unsere Liebe nähren, wenn wir sein Geschenk annehmen - in seinem Geist.
Er konnte und kann Gabe der Liebe für jeden werden. Bei seinen Jüngern hat es zuerst „gezündet". Ihnen ist, wenn auch mit Verzögerung, aufgegangen, was er wollte: Durch dienende Liebe, durch Hingabe bis zum Letzten - die Welt erlösen, die Menschen erneuern.
Uns drängt sich nun die Überlegung auf: Wie oft müssen wir noch dieses Brot der Liebe und diesen Wein der Hingabe in uns aufnehmen, bis auch wir von dieser Liebe ganz erfüllt und durchdrungen sind?
Wann sind wir erneuert - wann beginnt ein neues Denken?
Wo Christus uns die Gemeinschaft mit sich gewährt, da begründet diese Gemeinschaft ein enges Zueinander zu allen Glaubenden und zu allen Menschen.
Bedenken wir, dass auch ein Andersgesinnter mit an der Tafel im Abendmahlssaal saß - - - und er war geduldet, sogar geliebt. Alle Anwesenden waren zum Liebesmahl geladen.
Papst Johannes Paul II. schreibt in „Über das Geheimnis und die Verehrung der heiligsten Eucharistie": „Die Eucharistie, in ihrem wahren Sinn verstanden, wird von selbst zur Schule tätiger Nächstenliebe . . .
Sie zeigt uns, welchen Wert jeder Mensch als unser Bruder und als unsere Schwester in den Augen Gottes hat, da Christus sich unter den Gestalten von Brot und Wein einem jeden in gleicher Weise schenkt..."
Diese Aussage, mit den vorherigen verbunden, sollte uns tatsächlich neu nachdenken lassen über den Umgang mit der Eucharistie. Denn das ist politisch - kirchenpolitisch.
Und Kirche, das sind wir ja alle. Amen.

Peter Völkel, Diakon in St. Michael

Fürbitten

Als Gemeinde St. Michael hier versammelt, wollen wir uns voll Zuversicht betend an Christus wenden, der uns das Geschenk der Eucharistie gemacht hat, um in einer Kirche auf ewig mit ihm verbunden zu sein:


Herr, versammle deine Kirche, die wir heute noch Kirchen nennen, um deinen Altar, damit sie für alle Suchenden und Verzweifelnden zu einer Heimat wird.

Herr, erbarme dich

Lass die Kinder den Glauben in ihrer Familie lebendig und überzeugend erfahren, damit sie gut hineinwachsen in die Gemeinschaft der Kirche. Herr, erbarme dich

Lass wieder mehr junge Menschen den Mut finden, ihr Leben im Vertrauen auf Gottes Ruf ganz und ungeteilt in den Dienst für andere zu stellen.

Herr, erbarme dich

Mehre in uns allen den Geist der Liebe, damit die Kraft des Helfens und der Zuwendung zu anderen in uns wachsen kann.

Herr, erbarme dich

Schenke den Kranken, den Schwachen und den Sterbenden, allen Alleingelassenen und Abgeschobenen, aus deinem Opfer Hoffnung und Mut, damit sie dir entgegengehen können.

Herr, erbarme dich

Herr, du schenkst uns in der Eucharistie immer wieder deine Gegenwart. Dafür danken wir dir heute und in alle Ewigkeit.
Amen.