Gruendonnerstag, Lesejahr C

05.04.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Die heiligen vierzig Tage sind zu Ende und wir stehen am Beginn der Feier der Drei Österlichen Tage, vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung unseres Herrn.
Das letzte Mahl mit seinen Jüngern, sein Tod am Kreuz und seine Auferweckung durch Gott am dritten Tage - hier entfaltet sich eine unfassbare Wahrheit:
Gott liebt die Menschen; er liebt sie, auch wenn sie es nicht wissen oder nicht wissen wollen.
In dankbarer Erinnerung feiern wir diese Liebe Gottes zu uns Menschen: in seinem Sohn schenkt er sie uns und diese Liebe ermöglicht uns neues Leben.
Seine Liebe will uns verwandeln und Brüder und Schwestern Jesu, die sein Beispiel nachahmen.
So grüßen wir unseren Herrn Jesus Christus, den Retter der Welt, der sich hingegeben hat für alle, in unserer Mitte ...

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 13, 1-15 )

Es war vor dem Paschafest. Jesus wusste, dass seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung.
Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern.
Jesus, der wusste, dass ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte,
stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch.
Dann goss er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war.
Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen?
Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen.
Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.
Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt.
Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle.
Er wusste nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein.
Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe?
Ihr sagt zu mir Meister und Herr und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es.
Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.
Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

Predigt/Ansprache

Jedes Jahr, wenn die Karwoche zu ihrem Höhepunkt kommt und die Texte vom Letzten Abendmahl, von der Fußwaschung und der Lebenshingabe Jesu von seiner Gefangennahme, seiner Verurteilung und seinem Tod am Kreuz in den Liturgien vorgetragen werden, wird mein Herz zutiefst ergriffen und bewegt.
Jesu Leiden und Sterben geht zu Herzen. Wir erkennen wieder neu, was er für uns getan hat, welche Schmerzen er erduldet hat bis zu seiner Sterbensnot.
ER, der Meister und Herr seiner Jünger, ER, der Sohn Gottes und unser aller Bruder, ist bewusst und entschieden diesen bitteren Weg gegangen
bis zum Ende. Wirklich: Eine größere Liebe hat niemand, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde. Ihr seid meine Freunde.
Wir sind seine Freunde, wir glauben an ihn, wir setzen unsere Hoffnung auf ihn, er ist die Liebe und gibt unserer Liebe Kraft.
In der Symbolhandlung der Fußwaschung wird diese Hingabebereitschaft Jesu uns vor Augen gestellt.
Wir sollten innerlich daran teilnehmen und seine Liebe auch an uns geschehen lassen, damit wir Anteil erhalten an ihm.
Immer wieder musste es der Apostel Paulus erleben, wenn er vom Tod und der Auferstehung Jesu gepredigt hat:
Das Wort vom Kreuz ist denen, die nicht glauben, eine Torheit ... Christus, der Gekreuzigte, für Juden ein empörendes Ärgernis,
für Heiden eine Dummheit. (Kor 18.23)
Aber auch wir wehren in unserem Herzen immer wieder wie Petrus ab: Du, Herr, willst uns die Füße waschen?
Du willst dein Leben hingeben für mich und für uns?
Wie sollen wir das verstehen? Musstest du diesen Weg gehen? Kann denn Gott, dein und unser Vater, so grausam sein'?
Warum dieser Tod? - für das Heil der Welt?
Die Lebenshingabe Jesu zu unserer Erlösung und zum Heil der ganzen Welt, sie ist und bleibt ein Geheimnis des Glaubens,
das wir letztlich nicht verstehen können, das wir aber dankbar annehmen dürfen. Unsere Antwort darauf heißt:
Auch wir wollen bereit werden zur Fußwaschung, zum Dienst für andere und zum Dienst an ihnen.
Jeder von uns muss dazu seinen Platz finden und sich, vielleicht sogar das Leben, einsetzen für andere.
Wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben. Erst dann begreifen wir, was Jesus an uns getan hat.
Begreifen - das ist mehr, als mit dem Verstand erkennen und einsehen.
Das Begreifen, von dem das Johannes-Evangelium spricht, meint unsere Tiefenbeziehung zu Gott in Jesus Christus;
in einer ganz persönlichen Gemeinschaft; in einer wechselseitigen Bestimmung von Liebe und Gegenliebe.
So wie Gott die Liebe ist, so ist und so soll unsere Beziehung zu ihm ganz Liebe sein, die sich auswirkt in der Liebe zu den Menschen.
Unser aller Weg führt uns aus dem Abendmahlssaal wieder hinaus in den Alltag des Lebens, auch in das Dunkel der Nacht, auch der Angst und des Leidens.
Dort muss sich bewähren, was wir begriffen haben, was Jesus an uns getan hat: glaubend sollen wir lieben und liebend dürfen wir glauben.
Das ist sein Gebot.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Ewiger Gott, dein Sohn hat beim Letzten Abendmahl ein Zeichen seiner Liebe gegeben.
Seinem Beispiel folgend treten wir für unsere Brüder und Schwestern ein und beten:


+ für alle Mitglieder der verschiedenen christlichen Kirchen:
um die Überwindung der Spaltungen,
um die Einheit im Glauben und am Tisch Jesu Christi ...

Du Gott der Liebe ... Herr, erbarme dich ...

+ für alle Getauften:
um Kraft und Freude im Glauben und in der Liebe aus der Mitfeier der Drei Heiligen Tage ...

+ für jene, die unter Krankheit, Armut oder anderen Nöten leiden:
um die Bereitschaft ihrer Mitmenschen zu gegenseitigem Dienst und geschwisterlichem Teilen ...

+ für diejenigen, deren Engagement für andere missverstanden oder mit Argwohn betrachtet wird:
um immer neue Ermutigung für ihren Dienst, den sie leisten ...

+ für jene, die in den Krisen- und Kriegsgebieten unserer Erde leben:
um das Ende der Unruhen, um die Heilung der Wunden, die Menschen und Völker einander geschlagen haben ...

Heiliger Gott, dein Sohn Jesus Christus hat uns den Weg zum Leben erschlossen.
Wir danken dir für deine Liebe und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen