10. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

10.06.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Unter all den Problemen, denen wir gegenüberstehen, gibt es eines, das in seiner Bedeutung über alle andere hinausreicht: den Tod.
Und von all den Dingen, um die es in unserem Glauben geht, ist keines so wichtig wie die Frage, was nach dem Tod ist.
Ich glaube an die Auferstehung der Toten und an das ewige Leben -
wenn wir hier zu den Gottesdiensten zusammenkommen, so vergewissern wir uns jedes mal dieser Wahrheit: dass Gott ein Gott der Lebenden ist, dass er seinen Sohn nicht im Tod gelassen, sondern auferweckt hat, und dass wir in Gemeinschaft mit diesem Sohn auch für uns die Auferstehung erhoffen und erwarten dürfen.
Dem auferstandenen Herrn wenden wir uns voll Vertrauen zu nd bitten ihn um Vergebung und Erbarmen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 7,11-17 )

In jener Zeit ging Jesus in eine Stadt namens Nain; seine Jünger und eine große Menschenmenge folgten ihm.
Als er in die Nähe des Stadttors kam, trug man gerade einen Toten heraus. Es war der einzige Sohn seiner Mutter, einer Witwe. Und viele Leute aus der Stadt begleiteten sie.
Als der Herr die Frau sah, hatte er Mitleid mit ihr und sagte zu ihr: Weine nicht!
Dann ging er zu der Bahre und fasste sie an. Die Träger blieben stehen, und er sagte: Ich befehle dir, junger Mann: Steh auf!
Da richtete sich der Tote auf und begann zu sprechen, und Jesus gab ihn seiner Mutter zurück.
Alle wurden von Furcht ergriffen; sie priesen Gott und sagten: Ein großer Prophet ist unter uns aufgetreten: Gott hat sich seines Volkes angenommen.
Und die Kunde davon verbreitete sich überall in Judäa und im ganzen Gebiet ringsum.

 

Predigt/Ansprache

In einer Erzählung von Graham Greene wird ein Mann zu einem Freund gerufen, der im Sterben liegt. Der Kranke berichtet, man habe ihn vor langen Jahren einmal für tot gehalten und erst auf dem Weg zum Friedhof sei der Leichenzug von einem fremden Arzt aufgehalten worden.
Nachdem er aus todesähnlichem Schlaf erwacht sei, habe er noch eine Ansammlung von Menschen davon gehen sehen, an der Spitze des Zuges jener, der seine Beerdigung verhindert habe.
Unter dem Eindruck des neugeschenkten Lebens, das er wie eine unverhoffte Gelegenheit empfunden habe, sei es ihm ein paar Jahre geglückt, anständig zu leben.
Doch dann sei alles wieder in den alten Gang gekommen: Lügen im Alltag, Streit mit der Mutter, Geschichten mit Frauen und so weiter ...
Die Angst, seine Chance verspielt zu haben, quält ihn jetzt und er möchte von seinem Freund hören: das Erlebnis mit dem fremden Arzt sei nur eine Altweibergeschichte gewesen, die unmöglich in der Wirklichkeit passiert sein könnte.
Der Freund tat ihm diesen Gefallen, wobei ihm in Erinnerung kommt, dass er selber früher blind gewesen ist und von einem fremden Mann geheilt worden war, der seine Augenlider mit Speichel bestrichen habe.

Was Graham Greene hier schildert, ist die Geschichte zweier Männer, die Jesus begegnet sind
und die Wende ihres Lebens verspielt haben.
Es ist eine erschreckende Geschichte.
Der junge Mann von Nain und der Blinde von Betsaida sind die alten geblieben.
Die äußere Heilung und die Erweckung hat keine Folgen gebracht für die innere Einstellung und Haltung.
Die Erzählung hilft, nicht bei der Totenerweckung stehen zu bleiben, sondern die Konsequenzen zu bedenken.
Was hätte der junge Mann, als er Jesus davongehen sah, für sein zweites Leben lernen können, um weniger verängstigt und mit mehr Vertrauen in den zweiten Tod zu gehen?
Wie geht es weiter, wenn die Lüge des Todes und des Lebens sich begegnet sind und Jesus als Urheber des Lebens dem Tod Einhalt geboten hat? (Apg 3, 15)
Und wo kommen wir in dieser Geschichte vor, die wir uns im Credo zur Auferstehung von den Toten bekennen? Das Ende des Evangelium zeigt die Antwort: alle hätten Gott gepriesen, de auf so eindrucksvolle Weise sich seines Volkes angenommen habe.
Dass Gott dem Tod Einhalt gebietet, kann weder nüchtern angenommen oder als unmöglich zurückgewiesen noch allem mit Staunen bewundert werden.
Wir sollen betroffen reagieren, denn - ob wir unseren eigenen Tod ins Aug fassen oder die endlosen Leichenzüge dieser Welt - Mitbetroffene sind wir alle Mal.
Wenn wir aber in Jesus den Urheber des Lebens sehen, wird unsere Betroffenheit nicht enden
in abgrundtiefer Verzweiflung, sondern bei allem Schmerz, bei aller Trauer und Ohnmacht
werden wir der Macht Gottes mehr zutrauen als den dunklen Mächten des Todes.
Aus solchem Vertrauen entsteht das Lob Gottes, weil er sich gerade im Augenblick größter Bedrohung, das der Räuber Tod scheinbar alles wegnimmt, sich unser annimmt.
Lobpreis Gottes - das könnte bedeuten: dem Sterben nicht Verlegenheit begegnen oder es gar verdrängen, weil es das Leben verdunkelt.
Wer tatsächlich Gottes Überlegenheit über den Tod glaubt, wird die inneren Kräfte finden,
also Wegbegleiter mitzugehen und auszuhalten und so Trost zu spenden.
Das Übermaß an Leid und Tod in unserer Welt führt nur dann nicht zu lähmender Resignation
oder zu zynischer Gleichgültigkeit, wenn wir Gott zum Bundesgenossen haben, der den Zug des Lebens anführt.
Lobpreis Gottes - das könnte bedeuten: die vielen Erfahrungen, die uns an die Todverfallenheit erinnern, richtig zu verstehen als Einübung in unseren zweites Sterben.
Unsere Sprache kennt oben und unten, stehen und liegen als Symbole für gelungenes oder missglücktes Leben.
Wenn sich Hoffnungen zerschlagen oder wenn wir in Entscheidungen versagt haben,
drücken uns Enttäuschung und Scham zu Boden; der Glaube an die Nähe Jesu nimmt solcher Situation den tödlichen Stachel und ermutigt uns wieder aufzustehen, und mit neuer Zuversicht, das Leben als lohnende Aufgabe anzugehen.
Es tut sicherlich weh, durch ein unbarmherziges Schicksal oder durch Bosheit anderer oder durch eigene Schuld wie tot ins Bodenlose zu fallen, aber wirklich gestorben sind wir erst,
wenn wir entmutigt liegen bleiben. Gott will uns aufrichten nicht am Tod vorbei, sondern durch das Sterben hindurch.
Glaube garantiert uns nicht den unbedrohten aufrechten Gang, sondern Glaube hilft uns, uns wieder zu erheben, auch wenn uns zum Sterben zu mute war.
Wenn wir Tag für Tag solches Glauben einüben und gerade in schwierigen Situationen solchen Glauben vertiefen, dann dürfen wir hoffen, beim zweiten und entgültigen Sterben am Ende des Lebens nicht zu scheitern. Gott wird uns geleiten und sich unser annehmen,
wie er es durch Jesus versprochen hat: Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Christus hat der Witwe von Nain den Sohn zurückgegeben.
Im Gedenken daran bitten wir:


+ für die Mütter in den Ländern des Krieges, die ihre Kinder als Opfer des Krieges beweinen müssen ...

Christus, du Herr des Lebens ... Herr, erbarme dich ...

+ für die Menschen, die um einen lieben Verstorbenen trauern und die nur schwer in den Lauf des Lebens zurückfinden ...

+ für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Hospizen, die Sterbenden und ihren Angehörigen beistehen ...

+ für die Verantwortlichen unserer Friedhöfe, die Sorge dafür tragen, dass Begräbnis und Grabstätten die Botschaft von der Auferstehung bezeugen ...

+ für die Verstorbenen unserer Gemeinde, mit denen wir in Christus verbunden sind
und für die wir die Auferstehung erbitten ...

Gott, der Glaube an dich ist keine Erfindung.
In deinem Sohn schenkst du uns Kraft und Hoffnung für unser Leben wie für unser Sterben.
Darum danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit.