Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, Lesejahr C

15.08.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel, oder wie wir rasch sagen der Himmelfahrt der Gottesmutter, das Fest mitten im Sommer, lädt uns ein, das Schöne zu betrachten und zu feiern als einen wesentlichen Bestandteil unseres Lebens und Glaubens.
Unser Leben mit seiner leiblichen Gestalt ist nicht nur vergänglich und verweslich; der Blick auf Maria sagt, dass Jesus, unser Herr, in der Auferstehung nicht nur für sich selbst ewiges Leben erworben hat. Ihm geht es um uns.
Wir sind berufen zu der Schönheit, zu der Maria schon gelangt ist.
Darum rühmen wir die Quelle dieses Schönen, unseren Herrn Jesus Christus in unserer Mitte.
Ihn ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen

Der vom Geist empfangen war,
den die Jungfrau uns gebar ... Christus, Herr, erbarme dich ...

Den sie zum Heil empfing,
der an dem Kreuze hing ... Christus, erbarme dich ...

Der sie in den Himmel hob,
der sie krönt mit hohem Lob ... Christus, Herr, erbarme dich ...

Predigt/Ansprache

Vor Jahren habe ich von einem alten Brauch in einer schweizer Gegend gehört, der bis heute lebendig sei, obwohl die Leute dort nicht viele Worte darüber verlieren.
Es heißt: im Keller eines Hauses stehe abseits ein Regal, darauf lägen eine paar große Käselaibe. Sie würden nicht angeschnitten, aber oft und oft gedreht und gebürstet, damit der Käse ja gut reife. Jahrzehnte lang würden sie aufgehoben, dazu auch ein Fässchen mit Wein, der dort gewachsen sei.
Wozu das?
Sie würden aufgehoben für die Gäste bei der eigenen Beerdigung, für den Leichenschmaus also.
Das kann einem fast unheimlich anmuten, solch ein geradezu sinnlicher Umgang mit dem eigenen Tod.
In Wirklichkeit ist es Ausdruck tiefer Menschlichkeit.
Da macht sich jemand nicht zuerst darum Sorge, dass er eines Tages nicht mehr sein wird,
sondern er trägt Sorge um die, die ihn vermissen werden und die von ihm Abschied nehmen müssen. Ihnen bereitet er ein kleines Fest, indem er für sie vorbereitet, was der karge Bergboden an Bestem reifen lässt.
Und man kann sich vorstellen, dass jemand, der das tut, sich auch den eigenen Leichenschmaus ausmalt: wie die Leute zuerst wortkarg beisammen sitzen, wie sie dann, wenn sie den Käse essen und vom Wein kosten, an den Verstorbenen denken, wie sie dabei lebhafter werden, wie sie sich Geschichten von ihm erzählen, von seinen Stärken und Macken.
Da und dort wird ein leises Lachen aufklingen und irgendwie ein Hauch des Versöhntseins mit dem Sterben sich ausbreiten.
Freilich: so denken und so ohne Kummer auf das eigene Begräbnis vorausschauen, das kann nur jemand, für den das Sterben nicht etwas Entsetzliches ist, nicht Absturz, nicht Vernichtet-Werden, sondern Hinübergang und Heimkehren.
Gerade zu solchem Gedanken will die Botschaft von Ostern einladen.
Jesus hatte gepredigt und bezeugt: Gott liebt dich. er gibt dich nicht auf, auch wenn du dich schuldig gemacht hast. Im Gegenteil: dann liebt er dich erst recht, um dich so wieder für sich zu gewinnen.
Darum kann der Mensch mit seiner Vergänglichkeit einverstanden sein.
Denn Gott liebt dich heißt so viel wie: Er will, dass du bist. Und er will es unbedingt.
Wo immer ein Mensch an diesem Gottvertrauen festhält, wird dem Tod der Stachel gezogen.
Da hat er nicht mehr die Macht, das Leben davor zu vergiften.
Wie Jesus selbst war, was er gesagt und getan hat, war im Grunde eine einzige Provokation gegen den Tod, gegen das Nicht-sein. das Gegenteil also dessen, was Gott will.
Provokation heißt wörtlich übersetzt: Herausgerufen werden, herausgerufen werden aus der Angst. Und glauben wiederum ist nichts anderes als diesen Ruf hören und ihm folgen.
Wer glaubt, lebt also aus dem Gedanken, dass Gott mich will, auch nach meinem irdischen Ende. Das Sterben setzt nicht außer Kraft, was Gottes Liebe will: dass es mich gibt.
In der Auferstehung Jesu ist das sichtbar geworden. Er ist der Erste der Entschlafenen, er ist aber nicht der einzige, der in dieses unvergängliche Leben bei Gott heimgekehrt ist.
Wenn es einen Menschen gäbe, von dem man ohne Einschränkung sagen könnte, er habe geglaubt, dann wäre auch dieser Mensch schon ganz bei Gott wie Christus selbst.
Einen Menschen gibt es, von dem die Kirche dies ohne Wenn und Aber glaubt: Maria.
Am 1. November 1950 hat die Kirche diese uralte Überzeugung der Christen zum festen Bestandteil des Glaubens der ganzen Kirche erklärt.
Wenige Jahre zuvor war der zweite Weltkrieg zu Ende gegangen.
Man hatte sich vorher nicht vorstellen können, dass Menschen in der Lage sein würden, ihresgleichen das anzutun, was an den Fronten und in den Konzentrationslagern
geschehen ist.
Und kaum war das vorbei, begann das große Verschweigen, befeuert nicht zuletzt vom Elan des materiellen Wiederaufbaus und seiner Verheißungen.
Gegen all das rief die Kirche im Sinnbild der in den Himmel aufgenommenen Frau Maria
in Erinnerung, dass der Mensch eine Würde besitzt, die mehr ist als das, was man der Herkunft, der Leistung oder der gesellschaftlichen Rolle verdankt und was nicht einmal
von der Gewalt außer Kraft gesetzt werden kann.
Der Mensch ist vom Wesen her bei Gott daheim.
Vor Gott bleibt er, auch wenn sein irdischen Leben ausgelöscht wird.
Man muss nicht schwarz malen, um zu verstehen, dass es solchen Eingedenkens heute nicht weniger bedarf als vor gut einem halben Jahrhundert.
Die Bedrohungen des Humanum, dessen was Mensch-Sein ausmacht, haben nicht abgenommen, sie haben eher zugenommen, sind subtiler geworden.
Wenn wir das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel feiern, dann feiern wir, wie nahe Gott uns bei sich haben will, wie wir als vergängliche Wesen ganz unverlierbar ins eine Hand geschrieben sind. Indem wir die Vollendung Mariens feiern, bezeugen wir eine Hoffnung, auf die hin zu leben das endliche Dasein gelassener und getrösteter macht.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

 Mit Vertrauen auf die Fürsprache der Gottesmutter Maria rufen wir zu Gott,der auch uns in unserer Leiblichkeit ewiges Leben schenken will:


+ inmitten sommerlicher Fülle empfehlen wir Gott seine Schöpfung, die uns anvertraute Erde,
die in ihrer Schönheit und die in ihrem Reichtum vielfach bedroht ist ...

Gott, du Fülle des Lebens ... Herr, erbarme dich ...


+ in dieser Zeit von Urlaub und Ferien empfehlen wir Gott alle Reisenden und Erholung Suchenden, dass sie Stärkung finden im Miteinander und Füreinander und Freude und Kraft für ihren Alltag ...


+ am heutigen Tag, an dem wir in Maria das große Zeichen Gottes am Himmel erblicken,
empfehlen wir Gott die Menschen in den Kriegs- und Notgebieten unserer Welt ...


+ am heutigen, an dem wir in der Aufnahme Mariens unsere eigene Zukunft erkennen,
empfehlen wir Gott alle Brüder und Schwestern um den Mut zum Zeugnis des Glaubens ...


+ am heutigen Tag, an dem wir die Vollendung des Lebens der Gottesmutter begehen, beten wir für unsere Verstorbenen um die Teilnahme an der himmlischen Gemeinschaft ...


Gott, du hast deinen Himmel geöffnet, damit alles, was du geschaffen hast, zur Gemeinschaft mit dir findet. So preisen wir dich als deine Kirche jetzt in der Zeit und einmal in der Ewigkeit.
Amen