11. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

11.06.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Niemand sagt gern: da habe ich Schuld auf mich geladen. Da habe ich etwas verbockt.
Aber sind deswegen Schuld und Sünde weniger wirklich?
Auch wenn das Thema Sünde und Schuld heute nahezu tabu ist, als Christen dürfen und müssen wir uns ihm stellen, gerade hier,
wo wir dem barmherzigen Herrn begegnen.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 7,36-8,3 oder Lk 7,36-50 )

In jener Zeit ging Jesus in das Haus eines Pharisäers, der ihn zum Essen eingeladen hatte, und legte sich zu Tisch. Als nun eine Sünderin, die in der Stadt lebte, erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers bei Tisch war, kam sie mit einem Alabastergefäß voll wohlriechendem Öl
und trat von hinten an ihn heran. Dabei weinte sie, und ihre Tränen fielen auf seine Füße. Sie trocknete seine Füße mit ihrem Haar, küsste sie und salbte sie mit dem Öl.
Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah, dachte er: Wenn er wirklich ein Prophet wäre, müsste er wissen, was das für eine Frau ist, von der er sich berühren lässt; er wüsste, dass sie eine Sünderin ist.
Da wandte sich Jesus an ihn und sagte: Simon, ich möchte dir etwas sagen. Er erwiderte: Sprich, Meister!
(Jesus sagte:) Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner; der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig, der andere fünfzig.
Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten, erließ er sie beiden. Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?
Simon antwortete: Ich nehme an, der, dem er mehr erlassen hat. Jesus sagte zu ihm: Du hast recht.
Dann wandte er sich der Frau zu und sagte zu Simon: Siehst du diese Frau? Als ich in dein Haus kam, hast du mir kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben; sie aber hat ihre Tränen über meinen Füßen vergossen und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.
Du hast mir (zur Begrüßung) keinen Kuss gegeben; sie aber hat mir, seit ich hier bin, unaufhörlich die Füße geküsst.
Du hast mir nicht das Haar mit Öl gesalbt; sie aber hat mir mit ihrem wohlriechenden Öl die Füße gesalbt.
Deshalb sage ich dir: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie (mir) so viel Liebe gezeigt hat. Wem aber nur wenig vergeben wird, der zeigt auch nur wenig Liebe.
Dann sagte er zu ihr: Deine Sünden sind dir vergeben.
Da dachten die anderen Gäste: Wer ist das, dass er sogar Sünden vergibt?
Er aber sagte zu der Frau: Dein Glaube hat dir geholfen. Geh in Frieden!
In der folgenden Zeit wanderte er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und verkündete das Evangelium vom Reich Gottes. Die Zwölf begleiteten ihn,
außerdem einige Frauen, die er von bösen Geistern und von Krankheiten geheilt hatte: Maria Magdalene, aus der sieben Dämonen ausgefahren waren,
Johanna, die Frau des Chuzas, eines Beamten des Herodes, Susanna und viele andere. Sie alle unterstützten Jesus und die Jünger mit dem, was sie besaßen.

 

Predigt/Ansprache

Die Szene war wirklich peinlich: in die festliche bessere Gesellschaft platzt eine Frau hinein,
von hinten tritt sie an Jesus heran, sie weint und ihre Tränen fallen auf seine Füße, dann löst sie noch ihr Haar und trocknet damit die Füße Jesu und salbt sie mit Parfüm.
Einfach geschmacklos, hysterisch dieses Frauenzimmer. Die Szene ist mit Spannung aufgeladen. Dass Hausherr und Gäste die Luft anhalten, kann ich mir gut vorstellen.
Das einzig richtige wäre, die Frau aus dem Saal zu werfen.
Wenn der Herr wüsste - dann müsste er sich distanzieren. Doch ER lässt sie gewähren. Simon denkt: wenn dieser Mann wirklich ein Prophet wäre, dann müsste ER wissen, was das für ein Weib ist, das IHN berührt, angewidert müsste er sich diese Szene verbieten. In die Gegenwart von Männern hereinplatzen, vor ihren Augen das Haar zu lösen - das kann doch nur eine vom Strich sein. Für Simon ist das der Beweis: Jesus ist nicht der Mann Gottes, für den er sich ausgibt. ER befindet sich in schlechter Gesellschaft und unternimmt nichts dagegen.
Der Herr freilich durchschaut beide: den Pharisäer mit seiner Selbstgerechtigkeit, mit seiner Überheblichkeit und mit seinem Stolz und seiner Verachtung der Sünderin gegenüber, er durchschaut den Pharisäer mit seinem Zweifel an der Sendung Jesu. Und ER durchschaut die Frau: mit ihrer Liebe, mit ihrem Wunsch, aus der Isolation herauszukommen. ER sieht die Not ihres Verachtet-seins und der Verfemung.
Zum Erstaunen der Gäste bringt Jesus das Gleichnis vom Bankier, der seinen Schuldnern die ganze Schuld erlässt. Wer von den beiden Schuldnern wird ihn mehr lieben?
Mit dieser Frage überführt ER den Pharisäer. Simon muss die logisch richtige Antwort geben: der, dem er mehr erlassen hat. Simon muss die Liebe der Sünderin anerkennen und er spricht damit das Urteil über sich selbst, der er nicht so geliebt hat
Das ist die Wurzel der Schuld: dass man sich für besser hält als die anderen: ich habe gute Werke vorzuweisen! Mir muss Gott nichts vergeben! Ich weiß nicht, was ich zu beichten hätte!
Wir werden so rasch zum Pharisäer, wenn wir uns mit anderen vergleichen: nein, so wie der bin ich nicht! Nein, an meinen Händen klebt kein Dreck! Nein, ich habe eine weiße Weste!
Wir werden im Vergleichen rasch stolz und überheblich und wir denken, wir könnten uns den Himmel selber verdienen. Ja, wenn wir versuchen, vor Gott unsere Schuld aufzurechnen: es war doch nicht so schlimm, jedem platzt einmal der Kragen, da werden wir wie ein Buchhalter, wie der Pharisäer Simon.
Ehrlich wir sind es immer wieder. Wir sind besser als dieser oder jener. Wir haben keine Vorstrafen und stehen nicht in der Kartei der Verkehrssünder, wir anständiger als die von der Prostitution Lebenden, besser als die ohne Gott, besser als die Sünder.
Genau das verurteilt Jesus, denn vor Gott sind wir alle arme Tröpfe, verschuldet vor ihm.
Der sterbende Martin Luther hat es treffend formuliert: Wir sind Bettler, das ist wahr!
Gott lässt sich nicht blenden von Namen und Titeln. Er sieht das Herz. Auch uns gilt diese frohe Botschaft: Wer liebt, dem wird vergeben; und wem vergeben wird, der kann auch lieben
aus ganzem Herzen und mit neuer Kraft.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Jesus, du hast den Pharisäer belehrt und ihm gezeigt, dass auch er dein vergebendes Erbarmen braucht.

+Wir bitten dich: bewahre die Männer und Frauen, die in der Kirche ein Amt innehaben, vor Selbstgefälligkeit und lass sie erfahren, wie sehr wir von deiner Liebe leben.

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns.

Jesus, du hast die Zeichen der Liebe und die Zuwendung der Frau angenommen.

+Wir bitten dich: Wecke unsere trägen Herzen immer wieder auf und mache uns aufmerksam, wenn andere uns brauchen oder sich an uns wenden wollen.

Jesus, du hast zu der Frau gesprochen: Dein Glaube hat dir geholfen.

+Wir bitten dich: Lass die Menschen, die dich suchen und ihr Leben neu ordnen wollen, die belebenden und heilenden Kräfte des Glaubens entdecken und aus ihnen im Alltag leben..

Jesus, du hast gesagt: Geh hin in Frieden.

+ Wir bitten dich: schenke uns, deiner Kirche und der ganzen Welt den Frieden und bleibe bei uns, wenn wir diesen Frieden in unserer zerstrittenen Welt bezeugen sollen.

Gott, himmlischer Vater, dein Sohn hat uns gezeigt, wie gut du bist.
Für ihn danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen