13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

27.06.2004



Erste Lesung (1 Kön 19,16b.19-21 )

Als Elija von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn.
Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elija antwortete: Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe.
Elischa ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,51-62 )

Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.
Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

Predigt/Ansprache

stellen Sie sich einmal vor, irgendjemand käme urplötzlich, vielleicht mitten in einer wichtigen Arbeit, auf Sie zu und würde Sie ultimativ auffordern, mit ihm zu gehen.
Wahrscheinlich würden Sie schroff reagieren und fragen: Wer sind Sie denn überhaupt - was nehmen Sie sich mir gegenüber heraus?
So ähnlich muss es Elischa, einem begüterten Landwirt, ergangen sein. Er war gerade dabei, mit seinen Dienern und 12 Ochsengespannen einen Acker zu pflügen.
Plötzlich wirft ihm einer im Vorbeigehen ein Tuch über den Kopf.
Er erschrickt, muss sich erst Orientieren, was eigentlich los ist:
Dieses Tuch ist ja ein Prophetenmantel! Und dieser unverschämte Angreifer, das ist ja Elija, der auf der Fahndungsliste der Königin Isebel steht, weil er den Götzenkult bekämpft, dem sie anhängt.
Da ist ihm auch klar, was das bedeuten soll: Der Prophet will ihn im Auftrag Gottes in Beschlag nehmen.
Elischa soll alles stehen und liegen lassen und dem Propheten nachfolgen.
Wenn wir so etwas hören, dann sträubt sich einiges in uns.
Wir sind ja bereit, Gott als Herrn anzuerkennen; aber mit dieser Methode, uns einfach in Beschlag zu nehmen, sind wir meist doch nicht einverstanden.
Ich könnte mir denken, dass auf unsere Bedenken Elischa vielleicht so antworten würde: Natürlich bin ich zunächst auch erschrocken; aber Elija hat mir klargemacht, dass ich Gott doch keine Vorschriften machen könne, wen und wie er beruft.
Eindringlich wies er mich darauf hin, es mir gut zu überlegen, ob ich diese Berufung ablehnen dürfe. - Die Möglichkeit dazu hätte ich ja gehabt. Aber als ich den Prophetenmantel in der Hand hatte, da spürte ich, dass ich darauf vertrauen darf, dass Gott mit mir ist, selbst wenn ich Gefahr laufe, wie Elija verfolgt zu werden.
So war es dann später auch; denn Gott hat mich genauso begleitet, wie er mit Elija war und mit jedem ist, den er ruft. Noch eindringlicher sind die Berufungsgeschichten, die uns über Jesus erzählt werden, so auch im heutigen Evangelium. Eigentlich ist diese Steigerung der Dringlichkeit einsichtig; denn Jesus handelte ja nicht in irgendeinem Auftrag, sondern er berief aus eigener Vollmacht. Ob er sich zuvor die Leute genau daraufhin angeschaut hat, ob sie geeignet sind, weiß ich nicht. Jedenfalls hat er keine Unklarheiten über die Risiken aufkommen lassen, die mit der Nachfolge verbunden sein können. Wenn er jemanden rief, dann machte er deutlich: Überleg es dir gut, ob du mir folgen willst, doch überleg es dir nicht zu lange.
Und wenn du nachfolgst, dann muss diese Entscheidung ohne Wenn und Aber sein.
Nur so ein bisschen nachfolgen, gewissermaßen probeweise, das geht nicht.
Dann lass lieber die Finger davon. Wenn Sie das so hören, was geht da in Ihnen vor?
Einerseits imponiert dieser entschiedene Ruf doch, oder? Andererseits ängstigt er aber auch - denke ich. Warum sollte man nicht zuerst probieren dürfen, ob einem die Nachfolge zusagt?
Aber eigentlich hat Jesus recht: Wer sich zuerst Sicherheit verschaffen will, der zeigt damit, dass es ihm noch gewaltig an Vertrauen zu Jesus fehlt. Für wen Jesus wirklich der Weg und die Wahrheit ist, für den ist die unbedingte Nachfolge die logische Konsequenz. Dass es auf dem Weg immer och genug Krisen geben kann, wissen wir aus Erfahrung; doch wer sich dann an sein vertrauensvolles Ja-Wort am Beginn erinnert, der wird auch weitergehen können.
Es kann sein, dass diese Gedanken manchem unwirklich erscheinen, dass er sogar denkt: Gut, dass ich nicht in die Nachfolge berufen bin. - Aber stimmt das ?
Der Mantel des Propheten, der Elischa übergestülpt wurde, erinnert mich an das Taufkleid. Als es uns im frühesten Kindesalter angelegt wurde, da hat keiner danach verlangt.
Ja, Gott hat uns einfach durch unsere Eltern und die Kirche in Beschlag genommen.
Aber er hat uns auch versprochen, mit uns durchs leben zu gehen, gerade wenn es schwierig wird. Wir wurden bei unserer Taufe - wie einst Elischa - gesalbt. Dies ist ein Zeichen dafür, dass "wir für immer Christus angehören, der gesalbt ist zum Priester, König und Propheten in Ewigkeit" - so steht es in der Taufliturgie.
Aber obwohl Gott damals seine Hand auf uns gelegt hat, stehen wir als Erwachsene dennoch vor der freien Entscheidung, ob wir dazu auch ja sagen. Diese Entscheidung kann uns niemand abnehmen. Nicht wenige behaupten zu Recht, sie seien eigentlich gedankenlos und ohne eigenes Zutun ins Christentum gewissermaßen hineingeschlittert. Dann wird es aber höchste Zeit, sich zu prüfen: Will ich Christ sein - Oder will ich es nicht? Doch auch wenn dieses eigene freie Ja vielleicht schon längst nachgeliefert worden ist, werden wir dennoch zugeben müssen, dass wir schon oft in bestimmten Situationen, vielleicht sogar in längeren Lebensphasen, von dieser Entscheidung abgewichen sind. Gott jedoch hat sich niemals von uns zurückgezogen. Deshalb ist es gut und heilsam, wenn wir uns immer wieder unsere Grundentscheidung ins Bewusstsein rufen und erneuern. Ja, ich stehe zu den Zusagen meines Lebens, ob religiös, in der Ehe, im Versprechen Kinder großzuziehen und im Versprechen meinen Nächsten zu lieben wie mich selbst!
So tun wir es auch jetzt wieder, wenn wir stehend, d.h. "als gestandene" Frauen und Männer, unmissverständlich bekennen: "Ich glaube an Gott !"

Peter Völkel, Diakon in St. Michael