13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

01.07.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Als Christen sind wir immer ein Stück weit hin- und hergerissen: einerseits leben wir unseren Alltag mit seinen kleinen und manchmal auch größeren Sorgen um das Essen und um die Kleidung, um das Haus und um die Kinder, um die Arbeit und um die Freizeit.
Und andererseits begegnen wir immer wieder dem mahnenden Wort Jesu: all diese Dinge seien nicht wichtig, gefordert sei eine radikale Nachfolge, bei der man bereit sein müsse, alles hinter sich zu lassen, gerade was einem lieb und teuer ist.
Wir können diese Spannung nicht lösen, wir können nur in ihr leben.
Damit dies gelingt, damit wir uns also nicht in die Zwänge und an die Oberflächlichkeiten des Alltags verlieren, kommen wir hier zusammen.
Hier hören wir Gottes Wort, das uns heilsam unruhig macht, hier werden wir gestärkt, um im Alltag bestehen zu können.
Den, der uns ruft und stärkt, ehren wir mit der Bitte um Erbarmen ...

 

Erste Lesung (1 Kön 19,16b.19-21 )

Salbe Elischa, den Sohn Schafats aus Abel-Mehola, zum Propheten an deiner Stelle.
Als Elija von dort weggegangen war, traf er Elischa, den Sohn Schafats. Er war gerade mit zwölf Gespannen am Pflügen, und er selbst pflügte mit dem zwölften. Im Vorbeigehen warf Elija seinen Mantel über ihn.
Sogleich verließ Elischa die Rinder, eilte Elija nach und bat ihn: Lass mich noch meinem Vater und meiner Mutter den Abschiedskuss geben; dann werde ich dir folgen. Elija antwortete: Geh, aber komm dann zurück! Bedenke, was ich an dir getan habe.
Elischa ging von ihm weg, nahm seine zwei Rinder und schlachtete sie. Mit dem Joch der Rinder kochte er das Fleisch und setzte es den Leuten zum Essen vor. Dann stand er auf, folgte Elija und trat in seinen Dienst.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 9,51-62 )

Als die Zeit herankam, in der er (in den Himmel) aufgenommen werden sollte, entschloss sich Jesus, nach Jerusalem zu gehen.
Und er schickte Boten vor sich her. Diese kamen in ein samaritisches Dorf und wollten eine Unterkunft für ihn besorgen.
Aber man nahm ihn nicht auf, weil er auf dem Weg nach Jerusalem war.
Als die Jünger Jakobus und Johannes das sahen, sagten sie: Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?
Da wandte er sich um und wies sie zurecht.
Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf.
Als sie auf ihrem Weg weiterzogen, redete ein Mann Jesus an und sagte: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.
Jesus antwortete ihm: Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester; der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.
Zu einem anderen sagte er: Folge mir nach! Der erwiderte: Lass mich zuerst heimgehen und meinen Vater begraben.
Jesus sagte zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh und verkünde das Reich Gottes!
Wieder ein anderer sagte: Ich will dir nachfolgen, Herr. Zuvor aber lass mich von meiner Familie Abschied nehmen.
Jesus erwiderte ihm: Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und nochmals zurückblickt, taugt für das Reich Gottes.

 

Predigt/Ansprache

Der Großbauer Elischa läuft mitten aus der Frühjahrsbestellung seiner Felder davon, nimmt kurz Abschied von seinen Eltern, lässt sie und Haus und Hof einfach zurück und geht mit einem stadtbekannten Weltverbesserer.
Das hat sicherlich ein Gerede gegeben: das ist nicht normal, das ist verrückt.
Kaum einer der Mitbürger wird Verständnis gezeigt haben oder gar von einem göttlichen Ruf gesprochen haben.
Die Bibel tut es. Sie erzählt die Geschichte von Elischa, dem Großbauern Gotthelf, der den sicheren Stand des freien Landbesitzers aufgibt, um in den Bund des Vagabunden Elija zu treten.
Sicher: dieser Unbekannte ist ein Prophet, staunenswerte Dinge hat Elija getan, selbst der König, dem er den Kopf gewaschen hat, zollt ihm Respekt und hat ihn nicht umbringen lassen, obwohl die Frau an seiner Seite das verlangt hat.
Aber: als Mann Gottes kennen wir ihn aus weitem Abstand und mit sozusagen kanonischem Etikett. Für die Zeitgenossen war Elija ein Spinner, eine Ruhestörer und alternativer Typ, einer, der sich mit der Obrigkeit anlegte und mit den Ordnungshütern, ein Extremist, der behauptete, im Auftrag Gottes zu handeln - aber wer sollte garantieren, dass da Gott wirklich im Spiel mit dabei war?
Die Geschichte lässt die Frage aufkommen, was denn einen Menschen bewegen kann, mitten aus dem vollen Leben davon zu laufen, die Geborgenheit der Familie aufzugeben und dafür die Unbehaustheit und Unsicherheit eines Wanderlebens einzutauschen.
Die Erzählung deutet drei Gründe an, denen ein wenig nachzudenken lohnt.
Da ist einmal die Gewohnheit und die Gewöhnlichkeit und fast schon die Fadheit des bisherigen Lebens. Es mag sein, dass einer buchstäblich alles hat und doch zunehmend den Eindruck gewinnt, dass ihm Entscheidendes fehlt. Dauernd hat er das Gefühl, sich selbst zu verzehren in Dauerstress und in Vergeblichkeit, ohne wirklich glücklich machenden Gewinn.
Er fühlt sich leer und er sucht, ohne tatsächlich weiterzukommen.
Dann begegnet ihm ein Mensch, der so lebt wie er es sich immer erträumt hat, der sich frei bewegt ohne Rückversicherung des Wohlwollens der anderen, der vor keinem Mächtigen buckelt, einer, der sagt und tut, was er für richtig hält und der mit seiner Lebensweise eine Atmosphäre der besonderen Art um sich verbreitet.
Wir alle kennen Menschen mit solcher Strahlkraft.
Ich erinnere mich an den Gandhifilm, ich denke an Mutter Theresa oder an Schwester Emanuelle von Kairo oder den Arbeiterpriester Abbe Pierre.
Die Bibel schildert Elija als eine solche Gestalt. Die Begegnung mit ihm hat dem Landbesitzer Elischa blitzhaft enthüllt, worauf es in seinem Leben ankommt; darum eilt er ihm nach.
Doch mit der blitzhaften Erleuchtung ist es nicht getan.
Die Erkenntnis ist in die Tat umzusetzen. Elischa geht ohne viel zurückzublicken.
Vater uns Mutter sind Symbole für die alte Welt, der Elischa den Rücken kehren will;
Symbol für einen ganzen Komplex von Bindungen und Autoritäten, die das Eigene und Eigentümliche eines Lebensauftrages verdunklen, verhindern oder zumindest behindern können.
Wenn einer der einmal erkannten Wahrheit folgen will, muss er sich frei machen von Meinungen und Wertungen der alten Welt, darf nicht liebäugeln mit Kompromissen.
Er muss hinter sich die Ochsen schlachten und das Zuggeschirr verbrennen, die Brücken hinter sich also abbrechen.
Es genügt nun nicht, an der Unausgefülltheit seines Lebens zu leiden und es reicht nicht aus,
in einem anderen Menschen der Hoffnungsgestalt zu begegnen, denn Faszination kann kurzlebig sein, wenn sie nicht begleitet wird von der Erfahrung neuer Geborgenheit.
Denn niemand kann auf Dauer entwurzelt unterwegs sein.
Das Fremde und das absolut Neue stürzt auch in Unsicherheit und Angst.
Solche Angst kann nur in positiver Weise aktiv werden, wenn sie durch Vertrauen aufgewogen wird. Zwischen Elija und seinem Diener Elischa ist eine tragfähige Beziehung gewachsen, eine Liebe, die stark war wie der Tod.
Eine verklärte Geschichte ist das, ganz gewiß. Aber sie hält Antworten bereit für uns, die wir uns gelegentlich nach Unbedingtheit sehnen und nach dem Mut zu einem Lebensmuster. Die Geschichte deutet die Richtung dorthin an.
Trifft sie uns? Trifft sie auf uns zu - die Geschichte?
Wir sind oft in festen Gleisen eingezwängt, können oft nicht heraus aus diesen Bahnen
und wollen doch auch dem Herrn nachfolgen.
Diese radikalen Nachfolge-Geschichten sind uns wie ein Stachel, den wir spüren.
Uns gelingt nicht so Nachfolge wie einem Franz von Assisi, der sich auf dem Marktplatz seiner Heimat splitternackt auszog und die Kleider vor seinen Vater hinwarf mit der Bemerkung: er habe von nun an nur noch den Vater im Himmel.
Früher, zur Beginn meiner Ausbildung, hatte ich gemeint, Nachfolge sein nur auf diese radikale Weise möglich. Heute bin ich nicht mehr dieser Meinung.
Das Nachgehen dem Herrn kann auf so viele Nuancen geschehen und darunter ist auch meine und Ihre. Radikal heißt „von der Wurzel" her; ganz tief in mir drinnen da muss ich etwas ändern, dass ich IHM nachgehe.
Uns alle hat Christus gerufen. ER hat uns seinen Mantel übergeworfen. Bei der Taufe wurde das früher deutlich gemacht durch das Taufkleid, das über dem Täufling gebreitet wurde.
Es wird deutlich, wenn in den Familien solche Kleider in Ehren gehalten und von Kind zu Kind oder von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wir freilich sind immer noch dabei, Abschied zu nehmen von der alten Welt, wir schauen noch immer mehr zurück statt vorwärts, oft genug auch traurig, weil wir Liebgewohntes aufgeben müssten.
Immer noch ist zu schwach unser Vertrauen in DEN, DER ruft: folge mir nach.
Täglich haben wir neu die Chance, mit der Nachfolge des Herrn ernst zu machen.
Im Psalm 94 heißt es:
Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören.
Verhärtet nicht euer Herz!
Hören und folgen kann man nur, wenn das Herz noch weich ist und damit formbar nach SEINEM Bild, nach SEINEM Beispiel, nach SEINER Liebe.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir haben den Ruf zur Nachfolge gehört und uns für Jesus Christus entschieden.
Ihn bitten wir:

+ für alle Getauften:
um Mut, Vertrauen und Treue auf dem Weg der Nachfolge ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ für jene,
die im Laufe des Lebens Christus aus dem Auge verloren haben:
um neue Erkenntnis, wer dem Leben wirklich Sinn und Richtung gibt ...


+ für alle, die Macht und Einfluss haben über Krieg und Frieden, über Freiheit und Gerechtigkeit:
um die Entschiedenheit und um die Kraft, dem Guten zum Sieg zu verhelfen ...

+ für jene, die einen kirchlichen Beruf ergreifen wollen:
um den Mut zu dieser Entscheidung und um Treue ...

+ für alle, die unter Glaubenszweifeln leiden und innerlich zerrissen sind:
um die Gnade, neue Gewissheit zu erfahren ...

Ewiger Gott, du unsere Hoffnung und unser Ziel.
Wir folgen deinem Sohn Jesus Christus.
Durch ihn danken wir dir im Heiligen Geist, wir loben und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit.