14. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

04.07.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Freizeit, Ferien, Urlaub - für viele stehen diese Worte für Freiheit, für intensives Leben.
Wir alle haben Sehnsucht nach Leben, nach Freiheit, die im Gegensatz steht zu vielen Zwängen, denen wir täglich ausgesetzt sind.
Ob jedoch das, was wir erleben, wirklich glückt, ob das Leben gelingt, entscheidet sich in unserem Herzen. Wer sein Glück sucht in je Neuem, in je neuen Superlativen, der wird ewig auf der Suche bleiben.
Wer aber in dem, was er erlebt, Spuren Gottes findet, der kann glücklich werden.
Als Menschen, die von Gottes Gegenwart in ihrem Leben überzeugt sind,
sind wir hier zusammengekommen.
Ihm gilt unser Dank und unsere Bitte...

 

Erste Lesung (Jes 66,10-14c )

Fremde bauen deine Mauern, / ihre Könige stehen in deinem Dienst. Denn in meinem Zorn habe ich dich geschlagen, / aber in meinem Wohlwollen zeige ich dir mein Erbarmen.
Deine Tore bleiben immer geöffnet, / sie werden bei Tag und bei Nacht nicht geschlossen, damit man den Reichtum der Völker zu dir hineintragen kann; / auch ihre Könige führt man herbei.
Denn jedes Volk und jedes Reich, / das dir nicht dient, geht zugrunde, / die Völker werden völlig vernichtet.
Die Pracht des Libanon kommt zu dir, / Zypressen, Platanen und Eschen zugleich, um meinen heiligen Ort zu schmücken; / dann ehre ich den Platz, wo meine Füße ruhen.
Gebückt kommen die Söhne deiner Unterdrücker zu dir, / alle, die dich verachtet haben, werfen sich dir zu Füßen. Man nennt dich «Die Stadt des Herrn» / und «Das Zion des Heiligen Israels».

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 10,1-12.17-20 oder Lk 10,1-9 )

Danach suchte der Herr zweiundsiebzig andere aus und sandte sie zu zweit voraus in alle Städte und Ortschaften, in die er selbst gehen wollte.
Er sagte zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden.
Geht! Ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe.
Nehmt keinen Geldbeutel mit, keine Vorratstasche und keine Schuhe! Grüßt niemand unterwegs!
Wenn ihr in ein Haus kommt, so sagt als erstes: Friede diesem Haus!
Und wenn dort ein Mann des Friedens wohnt, wird der Friede, den ihr ihm wünscht, auf ihm ruhen; andernfalls wird er zu euch zurückkehren.
Bleibt in diesem Haus, esst und trinkt, was man euch anbietet; denn wer arbeitet, hat ein Recht auf seinen Lohn. Zieht nicht von einem Haus in ein anderes!
Wenn ihr in eine Stadt kommt und man euch aufnimmt, so esst, was man euch vorsetzt.
Heilt die Kranken, die dort sind, und sagt den Leuten: Das Reich Gottes ist euch nahe.
Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, in der man euch nicht aufnimmt, dann stellt euch auf die Straße und ruft:
Selbst den Staub eurer Stadt, der an unseren Füßen klebt, lassen wir euch zurück; doch das sollt ihr wissen: Das Reich Gottes ist nahe.
Ich sage euch: Sodom wird es an jenem Tag nicht so schlimm ergehen wie dieser Stadt. ...
Die Zweiundsiebzig kehrten zurück und berichteten voll Freude: Herr, sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir deinen Namen aussprechen

Predigt/Ansprache

Von ihrem Wesen her ist die Kirche eine Gemeinschaft, die Gottes Heil nicht für sich selbst behalten darf; sie ist eine Gemeinschaft, die dieses Heil teilt und verkündet..
Sie muss es anderen bringen.
Da geht es nicht darum, sich an die nächste Straßenecke zu stellen und dort seinen Glauben lauthals oder schweigend zu verkünden vor einer mehr oder weniger interessierten Zuhörerschaft; und es geht auch nicht auf die Weise, dass man eine Zeitschrift mit der Aufschrift „Wahrheit" in der Hand hält und alles andere als falsch einstuft.
Werbung für die Kirche, Mission, beginnt mit einer Selbsterkenntnis: ich werden mir
ich werde mir selbst einmal bewusst, was mir mein Glaube bedeutet; welchen Halt, welche Kraft und welchen Trost ich darin finde wo ich es mit einem menschenfreundlichen Du
zu tun bekomme statt mit knechtenden anonymen Mächten.
Erst der kann für die Kirche eintreten, der weiß, was er an ihr gefunden hat; und der wird dann auch gar nicht anders können als selbst ein Missionar zu sein dort, wohin ihn seine Lebensaufgabe gestellt hat.
Damit taucht auch die Frage auf, wie eine sinnvolle Werbung für die Sache Jesu konkret aussehen könnte. Selten lassen sich dabei die Anweisungen des Evangeliums direkt in die Praxis umsetzen. Das ist auch nicht entscheidend.
Die Weisungen Jesu sind für mich zu verstehen als Ausdruck innerer Haltungen: der Einstellung nämlich, dass es nicht auf die Macht, auf die finanziellen oder politischen Möglichkeiten eines Menschen ankommt, sonder einzig allein auf seine Selbstlosigkeit
und auf sein Gottvertrauen.
Dass die Jünger Jesu von Gott her leben, das wird deutlich, wo ein Mensch zu hoffen wagt
jenseits aller zerbrochenen Hoffnungen; wo jemand liebt ohne an seinen eigenen Nutzen dabei zu denken; wo jemand sich auf Leid und Schmerz einlässt, obwohl anderen das unsinnig scheint; wo jemand sich nicht abfindet, weil man halt nichts machen kann,
sondern trotzdem auf Auswege sinnt und Initiativen entwickelt.
Das sind nur einige Beispiele dafür, was es in unserer Zeit bedeuten könnte, wie ein Schaf unter die Wölfe geschickt zu werden, und keinen Geldbeutel, keine Vorratstasche und keine Schuhe zu haben, sich dafür aber von Gott ergreifen zu lassen und seinen Heilswillen für die Welt zu bezeugen.
Entscheidend für unsere Werbung für die Kirche wird also sein, ob wir wie die übrigen nach den Gesetzen, Strukturen und Vernünftigkeiten dieser Welt agieren, oder ob wir versuchen, Menschen zu sein, die Gott in sich wirken zu lassen, weil sie all ihr Vertrauen auf ihn setzen.
Wir dürfen da nicht zuwarten, denn der Herr sagt: Geht! Und wir sind dabei nicht allein unterwegs: der Herr sendet keine Solisten aus, zu zweit sandte er sie aus - heißt es-
damit man aneinander Rückhalt hat.
Wir sind Gerufene von Christus und wir müssen noch zu Rufenden werden für seine Botschaft: das Reich Gottes ist nahe. Je mehr wir seine Nähe deutlich machen durch unser Leben, desto mehr treten wir ein für seine Sache. Die Sache Jesu braucht Begeisterte -heißt es in einem Lied. Sind wir solch Begeisterte, die andere dafür begeistern können?

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Herr Jesus Christus, in der Fülle der Zeit hat dich der Vater gesandt als den Heiland und Retter der Welt. Zu dir rufen wir:


* für alle, die auf deinen Namen getauft sind:
mache sie zu glaubwürdigen Zeugen deiner Botschaft, dass das Vertrauen in deinen Vater trägt und belebt

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns

* für die Völker und Nationen, die oft genug in Konkurrenz und Streit miteinander leben:
mache sie offen für die Botschaft von der Versöhnung und vom Frieden

* für alle, die aus ihrer Heimat vertrieben sind:
lass sie Wege finden zu einem menschenwürdigen Leben; und für alle, die auf ihrem Lebensweg gestrauchelt sind, ermutige sie zu einem Neuanfang

* für unsere Gemeinde:
öffne uns immer wieder, damit wir alle, gleichgültig woher sie kommen, aufnehmen und sie annehmen in unserer Gemeinschaft.

* für uns selbst:
um Überzeugungskraft und um den Mut, den Glauben an dich weiterzugeben an die kommende Generation

Gott, unser Vater, du bist das Ziel unseres Hoffens und Strebens.
Für deine Liebe zu uns Menschen sagen wir dir Dank jetzt und in alle Ewigkeit. Amen