17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

25.07.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Vor Gott stehen wir eigentlich immer mit leeren Händen.
Mancher möchte an Gott glauben und wird doch hin- und her gerissen von Zweifeln; mancher will mit diesem Gott sprechen und hört doch keine Antwort auf sein Reden.
Und auf der anderen Seite erzählt Jesus, dass Gott wie ein Freund ist, der mitten in der Nacht aufsteht, um für den anderen da zu sein. Ob wir uns schwer tun, Gottes Nähe zu spüren oder ob wir manches aus unserem Leben als Spur von ihm entdecken und werten: ER will uns nahe sein in der Gemeinschaft des Glaubens, im Wort der Heiligen Schrift, in Brot und Wein; ER will uns nahe sein als Bestärkung und Ermutigung. Zu ihm können wir kommen mit dem, was uns freut und auch mit dem, was uns belastet.
Wenn wir ihn um Erbarmen bitten, ehren wir ihn als unseren Herrn...

Erste Lesung (Gen 18,20-32 )

Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.
Ich will hinab gehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.
Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.
Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?
Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?
Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.
Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.
Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.
Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.
Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.
Nachdem der Herr das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg und Abraham kehrte heim.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 11,1-13 )

Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat.
Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, / dein Name werde geheiligt. / Dein Reich komme.
Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen.
Und erlass uns unsere Sünden; / denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. / Und führe uns nicht in Versuchung.
Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben?
Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht.
Darum sage ich euch: Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.
Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet.
Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet?
Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

 

Predigt/Ansprache

Sodom und Gomorra sind in unserem Sprachgebrauch zu einem Symbol geworden für sittlichen Verfall und für moralische Verderbtheit.
Da herrschen Zustände wie in Sodom und Gomorra - das meint: da geht es drunter und drüber, da gibt es unverantwortete Freizügigkeit, Bosheit und Ungerechtigkeit. Und zugleich wird mit einem solchen Urteil ausgedrückt: mit denen, darf man nichts zu tun haben.
Gegen Sodom und Gomorra werden Mauern aufgerichtet, innere und äußere. Diesseits der Mauern ist zwar nicht alles gut, aber noch lange nicht so schlimm, jenseits ist alles böse.
Vor diesem Hintergrund überrascht mich das Verhalten Abrahams.
Er durchbricht die starre Grenze von „hier gut" und „dort böse". Er ahnt, dass es auch jenseits des gängigen Vorurteils Gutes gibt und Richtiges, dass es auch dort Menschen gibt, die nicht ganz verderbt sind, die vielleicht sogar gerecht sind.
Abraham begibt sich auf die andere Seite der Grenze und setzt sich für die Gerechten dort ein.
Er macht sich stark gegen die Front des selbstverständlichen und bequemen Vorurteils.
Hätte es nicht nahe gelegen für ihn, den Frommen, Sodom und Gomorra einfach Sodom und Gomorra sein zu lassen? Sollen sie sich zugrunde gehen! Verdient hätten sie es ja!
Warum sich überhaupt einmischen? Als einzelnen kann man doch nichts ausrichten!
Es erstaunt mich, dass Abraham anders denkt und sich nicht distanziert. Er sieht genauer hin; er ist bereit, Gutes zu entdecken, wo andere nichts Gutes mehr sehen oder sehen wollen.
Er ist bereit, Schuld für vergebbar zu halten und einen anderen Weg zu eröffnen, wo scheinbar alle Auswege verbaut sind. Aber das ist nur die eine Seite von Abrahams Mut.
Indem er sich für das Leben der Gerechten einsetzt, muss er sich stark machen gegen Gott.
Er, der kleine Mensch, stellt sich gegen den großen Gott, gegen den Richter der ganzen Erde.
Er appelliert an dessen Ehrgefühl und Gerechtigkeitssinn: das kannst du doch nicht tun, die Gerechten umbringen zusammen mit den Ruchlosen; auch ein Richter muss sich an das Recht halten und darf einen Schuldlosen nicht bestrafen!
Gegen den berechtigten Zorn Gottes führt Abraham den Rettungswillen eben dieses Gottes an. Der Vater des Glaubens weiß um die gefährliche Seite Gottes und verleugnet sie nicht, aber er kennt auch die helfende Seite dieses Gottes und vertraut fest darauf.
Es überrascht mich, wie sich Abraham auflehnt gegen den Zorn Gottes; und es beeindruckt mich, wie er durch seine Zudringlichkeit bewirkt, dass Gott sich besinnt und um der wenigen Gerechten willen bereit wird, Sodom und Gomorra zu verschonen.
Dieser zweite Mut Abrahams ist bemerkenswert: er setzt alles auf die eine Karte: Gott ist gut!
Es ist ja die uralte Frage der Menschen, ob sie bei allen negativen Erfahrungen, bei allem Anwachsen des Bösen und bei allen Ungereimtheiten des eigenen Lebens und im Leben der Mitmenschen glauben dürfen, dass es einen Gott gibt, der wirklich gut ist.
An der Frage, ob es einen solchen Gott gibt, der gut ist und der es gut meint, sind Adam und Eva gescheitert, an ihr Kain gescheitert und jene, die den Turm von Babel erbauten.
Der Ursprung des Bösen ist jenes Ur-Misstrauen, das Gott für gefährlich hält; ist das Missverstehen Gottes, als wäre er oder als wäre seine Wege gegen uns gerichtet und gegen das Gute für uns.
Abraham hat sich durchgerungen zum treuen Vertrauen auf Gott. Er hält dieses Vertrauen auch durch in der Erprobung, als er seinen einzigen Sohn hergeben soll. Um das gleiche Vertrauen wirbt auch das Evangelium, das uns vor die Frage stellt: Glaubst du ganz tief, dass Gott gut ist? Dass er sich den Bitten nicht verschließt? Es fragt uns: Bist du bereit, aus solchem Vertrauen zu leben?
Wenn wir dazu bereit wären, dann könnten wir das Wort der heiligen Teresa von Avila nachvollziehen: Nichts beunruhige dich, nichts ängstige dich. Wer Gott hat, dem fehlt nichts, -solo dios basta - Gott allein genügt.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Bittet, dann wird euch gegeben werden! hat Jesus gesagt.
im Vertrauen auf sein Wort beten wir jetzt:


* für die Menschen, denen das tägliche Brot fehlt:
in den Hungergebieten dieser Erde, in den Slums der Großstädte Asiens und Südamerikas, in den Flüchtlingsgebieten des Sudan...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich.

* für die Männer und Frauen, die in einem kirchlichen Dienst Jesus nachfolgen und die um ihren Glauben und ihren Lebensstil ringen...

* für alle, die schuldig geworden sind und die sich nicht selbst vergeben können oder die von ihren Mitmenschen mit keiner Vergebung rechnen können...

* für die Menschen, deren Leid kein Ende nimmt, die nicht wissen, wie es für sie und ihre Angehörigen weiter gehen soll...

* für alle, die schwer und unheilbar erkrankt sind, und für jene, deren irdischer Weg in diesen Tage zu Ende geht...

Gott, du bist zu uns wie ein guter Vater und eine starke Mutter.
Bei dir finden wir Zuflucht in allen Nöten.
Dafür danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen