17. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

29.07.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Unser Beten ist oft ein Bitten - für uns selbst und für andere: um Gesundheit, um Schutz vor Unheil, um Segen für ein Vorhaben ...
Wir müssen uns nicht schämen, dass wir so viel bitten mund betteln.
Denn wir dürfen bitten, weil Jesus es uns gelehrt hat.
Alles Bitten hat bei ihm auch etwas von Lobpreis an sich. Denn indem wir bitten, lassen wir Gott Gott sein; anerkennen wir, dass er größer ist als wir und dass er Macht hat über alles in der Welt.
Wenn wir bitten stehen wir vor ihm wie Kinder vor den Eltern stehen und zu diesen aufblicken: voll Hoffnung auf ihre Größe und Möglichkeit, alles gut werden zu lassen.
So stehen wir jetzt vor unserem Herrn und Gott mit unserem Ruf, der zugleich Bitte und Lobpreis ist.

 

Erste Lesung (Gen 18,20-32 )

Der Herr sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer.
Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.
Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu. Abraham aber stand noch immer vor dem Herrn.
Er trat näher und sagte: Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?
Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort?
Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?
Da sprach der Herr: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Abraham antwortete und sprach: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.
Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten? Nein, sagte er, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.
Er fuhr fort, zu ihm zu reden: Vielleicht finden sich dort nur vierzig. Da sprach er: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
Und weiter sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig. Er entgegnete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.
Darauf sagte er: Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig. Er antwortete: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.
Und nochmals sagte er: Mein Herr zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn. Und wiederum sprach er: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

Predigt/Ansprache

Gott und Abraham führen miteinander ein Gespräch.
Jahwe, der Abrahams Gast gewesen ist, befindet sich auf dem Weg in die Städte Sodom und Gomorra, deren Einwohner so böse und lasterhaft gewesen sind, dass das Klagegeschrei über ihre Sünden bis zum Himmel gedrungen ist.
Jahwe will nun, wie ein gewissenhafter Richter, das Vergehen der Angeklagten prüfen
und dann über die Sündenstädte eine gerechte Strafe verhängen.
Abraham scheint zu wissen, dass es mit der Moral der beiden Städte schlecht bestellt ist
und dass viele von ihnen eine Strafe verdient haben.
Aber viele sind nicht alle!
Gott ist gerecht. Wenn er über eine ganze Stadt ein Urteil fällt und Strafe verhängt, wonach bildet er sein Urteil?
Einfach nach der Ruchlosigkeit der meisten? Es können doch einige rechtschaffene Leute
unter den vielen Sündern wohnen. Zählt ihre Gerechtigkeit vor Gott nicht?
Kann Gott den Gerechten mit dem Ruchlosen wegraffen? Wird er nicht selber ungerecht, wenn er so handelt?
Abraham ist verwirrt.
Das vorliegende Problem bringt ihn in Glaubensnot.
Obwohl er weiß, dass er vor Gott keine Rechte hat, besitzt er doch genügend Gottvertrauen,
um auszusprechen, was ihn bewegt: Herr, wie kannst du der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen, ohne Unrecht zu tun?
Beurteiltst du eine Gruppe von Menschen nach der Sünde der vielen oder nach der Unschuld der Wenigen? Hat das geringe Gute, das wir dir anbieten können, genügend Wert, dass du um der Gerechtigkeit willen die Sünder begnadigst?
Besteht deine Gerechtigkeit vorwiegend im Strafen oder im Verschonen?
Ruhig gibt Gott dem aufgeregten Abraham Antwort und versichert: Ich habe nicht weniger Mitleid mit den Menschen als du.
Und dann lässt Gott zu, dass Abraham wie ein Kaufmann mit ihm handelt.
Und er geht willig auf alle Vorschläge Abrahams ein, die in das Versprechen münden:
Auch wenn sich nur zehn Gerechte in Sodom finden, soll die Stadt verschont werden.
Das Gespräch ist zu Ende, Abraham geht getrost nach Hause.
Jetzt fällt es ihm wieder leicht, an Gottes Gerechtigkeit zu glauben.
Denn er weiß: Es gibt keine kalte Gerechtigkeit, sondern eine, die mit der Liebe verschwistert ist. Gott will wirklich nicht den Tod der Sünder, sondern dass sie sich bekehren und leben.
Und wenn Sodom untergehen sollte, dann ist das nicht der Triumph göttlicher Rache,
sondern die Folge menschlicher Verstocktheit.
Sodom braucht für seine Rettung zehn Gerechte. Bekanntlich haben sich die nicht finden lassen. So wurde die sprichwörtliche Sündenstadt schließlich dem Untergang geweiht.
Die Vorstellung vom rettenden Gerechten ist eine Umschreibung der Rolle und der Aufgabe Jesus Christi.
Die Theologie hat den Sohn Gottes immer schon gesehen als Retter und Heiland, der seine Brüder und Schwester vor verdienter Strafe bewahrt.
Was Abraham erträumt hat, was den Menschen von Sodom und Gomorra versagt geblieben war: der rettende Gerechte, der mit seiner Güte und Liebe, mit seiner absoluten Gott-Ebenbildlichkeit alle Schuld und Unreinheit aufwiegt, dieser rettende Gerechte ist uns von Gott geschenkt worden.
Er lebt unter uns in seiner Kirche und er sorgt dafür, dass keiner, der an ihn glaubt, verzweifeln muss über seine Schuld, in die er sich verrannt hat.
In der Zeit nach Christus gibt es in jedem Land und in jeder Stadt den erforderten Gewährsmann, der für seine Mitmenschen einsteht und dafür sorgt, dass Gottes Racheengel vorübergeht. Seien wir dankbar für dieses Geschenk des Himmels!

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Als Glaubende lernen wir immer wieder von Jesus,
was beten heißt. Von ihm darin unterwiesen, wenden wir uns vertrauensvoll an seinen und an unseren Vater:


+ wir beten für die Kinder und Jugendlichen, die nach Gott fragen, die den Glauben an Jesus Christus kennen lernen wollen und die auf Hilfe und Ermutigung angewiesen sind ...

Gott, du Vater Jesu und unser Vater ... Herr, erbarme dich ...

+ für die kranken und alten Menschen, die eine Aufgabe darin sehen, die Anliegen vieler im Gebet vor Gott zu tragen ...

+ für die Touristen, die im Urlaub Kirchen und Klöster aufsuchen und dabei neu nach Glauben und Beten fragen ...

+ für alle Menschen in Not, die nicht wissen, an wen sie sich Hilfe suchend wenden sollen ...

+ für unsere Verstorbenen, mit denen wir im Gebet verbunden sind und für die wir die Gemeinschaft mit Gott erbitten ...

Gott, durch deinen Sohn Jesus Christus lässt du uns beten und hörst uns.
Dir vertrauen wir unser Leben und das Leben der Welt an, denn du bist gut.
Darum preisen wir dich jetzt in der Zeit und einst in der Ewigkeit. Amen