19. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

08.08.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Was unterscheidet einen Christen von einem Menschen ohne Glauben?
Unter vielen möglichen Antworten kann man vielleicht sagen; ein Christ ist ein Mensch, der wartet; ein Mensch, dessen Hoffnungen sich nicht erschöpfen in dem, was die Welt zu bieten hat, sondern der letztlich auf den Herrn wartet; auf den Herrn, mit dessen endgültigem Kommen Trauer und Leid ein Ende haben werden, Missverständnisse und Streit,
Ungerechtigkeit und Gewalt.
Damit es uns leichter fällt, die Hoffnung auf den Herrn zu bewahren und unter uns und in uns lebendig zu halten, hat er selbst uns diese Feier gegeben, in der wir Mut und Kraft schöpfen können. Hier stärkt er uns durch sein Wort und durch die heilige Speise, die er selber ist.
Ihn dürfen wir in unserer Mitte wissen. Ihn rufen wir um Vergebung unserer Sünden und um Erbarmen an.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 12,32-48 oder Lk 12,35-40 )

Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn euer Vater hat beschlossen, euch das Reich zu geben.
Verkauft eure Habe und gebt den Erlös den Armen! Macht euch Geldbeutel, die nicht zerreißen. Verschafft euch einen Schatz, der nicht abnimmt, droben im Himmel, wo kein Dieb ihn findet und keine Motte ihn frisst.
Denn wo euer Schatz ist, da ist auch euer Herz.
Legt euren Gürtel nicht ab und lasst eure Lampen brennen!
Seid wie Menschen, die auf die Rückkehr ihres Herrn warten, der auf einer Hochzeit ist, und die ihm öffnen, sobald er kommt und anklopft.
Selig die Knechte, die der Herr wach findet, wenn er kommt! Amen, ich sage euch: Er wird sich gürten, sie am Tisch Platz nehmen lassen und sie der Reihe nach bedienen.
Und kommt er erst in der zweiten oder dritten Nachtwache und findet sie wach - selig sind sie.
Bedenkt: Wenn der Herr des Hauses wüsste, in welcher Stunde der Dieb kommt, so würde er verhindern, dass man in sein Haus einbricht.
Haltet auch ihr euch bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, in der ihr es nicht erwartet.
Da sagte Petrus: Herr, meinst du mit diesem Gleichnis nur uns oder auch all die anderen?
Der Herr antwortete: Wer ist denn der treue und kluge Verwalter, den der Herr einsetzen wird, damit er seinem Gesinde zur rechten Zeit die Nahrung zuteilt?
Selig der Knecht, den der Herr damit beschäftigt findet, wenn er kommt!
Wahrhaftig, das sage ich euch: Er wird ihn zum Verwalter seines ganzen Vermögens machen.
Wenn aber der Knecht denkt: Mein Herr kommt noch lange nicht zurück!, und anfängt, die Knechte und Mägde zu schlagen; wenn er isst und trinkt und sich berauscht,
dann wird der Herr an einem Tag kommen, an dem der Knecht es nicht erwartet, und zu einer Stunde, die er nicht kennt; und der Herr wird ihn in Stücke hauen und ihm seinen Platz unter den Ungläubigen zuweisen.
Der Knecht, der den Willen seines Herrn kennt, sich aber nicht darum kümmert und nicht danach handelt, der wird viele Schläge bekommen.
Wer aber, ohne den Willen des Herrn zu kennen, etwas tut, was Schläge verdient, der wird wenig Schläge bekommen. Wem viel gegeben wurde, von dem wird viel zurückgefordert werden, und wem man viel anvertraut hat, von dem wird man um so mehr verlangen

 

Predigt/Ansprache

Kaum einer von uns kann den täglichen Leistungsdruck durchhalten, kann den täglichen Konkurrenzdruck aushalten, wenn er sich nicht hellwach auf dem Laufenden hält, wenn er nicht wachsam die Zeichen der Zeit verfolgt.
Die überwache Hektik, der Zwang zum Augen auf! hinterlässt seine Spuren. Aus reiner Selbsterhaltung sehnen wir uns danach, aus- und abzuschalten; wir brauchen Pausen der Ruhe.
Ich bin jedenfalls heilfroh, wenn mir sogar im Rahmen und im Raum der Kirche
zugesagt wird: du darfst dich hier fühlen wie ein Fisch im Wasser, wie ein Vogel im Nest.
Gott selbst gibt die Zusicherung: du stehst unter meinem Schutz und Schirm, unter meiner Huld und Wacht. Ich, dein Gott, bin so behutsam und wachsam über dir, dass du nicht einmal mit deinem Fuß an einen Stein stoßen musst.Und ich verlasse mich auf diese göttliche Zusage.
Das heutige Evangelium freilich verunsichert uns in dieser Zuversicht. Dringend werden wir ermahnt: seid wachsam, passt auf, seid auf der Hut. Schließlich kann euer Gott euch zur unmöglichsten Zeit ins Haus fallen; bei der unpassenden Gelegenheit kann er euch überfallen
wie ein Dieb in der Nacht.
Also doch ein Gott, der aus ohnehin beängstigender Ferne uns plötzlich sehr nahe rückt,
uns sehr beängstigend auf die Pelle rückt? Also doch ein Gott, der wie ein unangemeldeter Kontrolleur uns auf die Finger schaut? Also doch ein Gott, der wie ein Revisor plötzlich auftaucht und auf Trapp bringt, auf Vordermann und je nach dem Kontrollergebnis an die Luft setzt? Warum nimmt er uns nicht an der Hand? Warum lädt er uns nicht ein in sein Haus ohne Anstrengung und Anpassung? Antwort auf diese Fragen erhalte ich nur dort, wo Gott bereits Fuß gefasst hat, wo er bereits angekommen ist in dieser Welt. Der Herr lässt keinen Zweifel daran, dass er sich seine Freunde wünscht als aufgeweckte und hellwache Menschen.
Die Begegnung mit Jesus hat damals die Jünger aufgeweckt; sie sind vom Schlaf ufgestanden,
wie der Apostel Paulus formuliert hat; ihnen ist ein Licht aufgegangen. Vorbei ist die Zeit der ahnungslosen Pharisäer; sie hatten die Ankunft Gottes verschlafen. Vorbei ist die Zeit der tauben Schriftgelehrten; sie hatten das Pochen Gottes an ihre Welt überhört. Vorbei ist die Zeit der blinden Verwandtschaft, die Gott in ihrer Welt nicht entdecken konnte.
Die Hirten in der Nacht von Bethlehem waren hellwach und hellhörig; sie entdeckten das neue Licht in ihrem Alltag. Die Fischer in der Nacht auf dem See Genezareth waren hellwach und hellhörig, sie vernahmen den neuen Ton, der aufgeklungen ist: Gott ist da um der Menschen willen und um des Heiles willen.
Offenkundig ist bei uns das Wort Wachsamkeit stark besetzt mit Gefühlen der Angst und der Vorsicht: aufpassen, damit nichts passiert, was nicht mehr zu reparieren ist. Sicher gehört solche Wachsamkeit auch zu unserem Leben: nicht blind in ein Missgeschick hineinlaufen
ist ein Zeichen von Klugheit.
Jesus meint - so denke ich - mehr den Ruf zur Entschlossenheit. Er warnt davor, die Stunde zu verschlafen, die Chance nicht zu nutzen, die Gott anbietet. Die Wachsamkeit, die uns gleichsam Beine macht, hat freilich auch ihre Schattenseiten: sie kann uns lähmen vor Angst.
Das Müssen wird ha häufig zum Feind des Könnens, das gilt für das Leben wie für den Glauben.
Eine Sensibilität ist gefragt, so wie man in einer Menschenmenge das liebe Gesicht entdeckt,
mit dem man sich verabredet hat. Eine Sensibilität ist gefragt, die trotz der Ermüdung beim Wachen, dem Herrn, der weggewesen war, freudig die Tür aufmacht, sozusagen in voller Montur mit dem Licht in der Hand.
Da sprengt die Geschichte den Rahmen eines üblichen Dienstleistungsverhältnisses, denn der Herr wird einladen, Platz zu nehmen und der Herr wird die Diener bedienen, die auf ihn gewartet haben. Der Rahmen unserer menschlichen Erwartungen wird da gesprengt, um einen kleinen Spalt zu öffnen für eine andere Wirklichkeit. Solche Wachsamkeit ist nicht von Angst geprägt, sondern von Ehrfurcht und Zuneigung und von Hoffnung.
Dass Jesus zu dieser Einladung steht, hat er bewiesen, indem er selbst zum Hausvater geworden ist, der sich gürtete, seinen Jüngern die Füße wusch, sie am Tisch Platz nehmen ließ
und sich selbst schenkte in Wein und Brot. Daran dürfen wir uns feiern erinnern und dadurch sollen wir uns neu bewegen lassen, wach zu bleiben, um dem Herrn begegnen zu können
hier und jetzt unter Zeichen und einst dort in der Fülle.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott erweist sich als der Rettende.
Immer wieder hat er so in der Geschichte Israels gehandelt und immer wieder handelt er so an uns. So bitten wir:


* Tag für Tag hören wir die Nachrichten von Gewalt, Hass und Tod.
wir tragen die Tränen der Opfer vor Gott und die Sehnsucht nach Versöhnung und nach einem Leben im Frieden...

Gott, du Retter und Erlöser ... Herr, erbarme dich ...

* Tag für Tag zerbrechen Menschen an Krankheit und Leid.
Wir tragen ihre Angst vor Gott und die Sorgen ihrer Angehörigen ...

* Tag für Tag bemühen sich Menschen um andere.
Wir tragen ihr Mühen, Bangen und Hoffen vor Gott, aber auch ihre aufgebrauchten Kräfte und ihren Überdruss ...

* Tag für Tag feiert die Kirche das Geheimnis der Erlösung.
Wir tragen das Vertrauen und das Zweifeln vor Gott...

* Tag für Tag sterben Menschen.
Wir tragen die Trauer vor Gott und bitten um seine Barmherzigkeit für alle ...

Treuer Gott, du schenkst uns die Hoffnung, dass du deine Verheißungen erfüllen wirst.
Darum preisen wir dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen

Segensgebet

Gott, der Lebendige, der Ursprung und Vollender allen Lebens, segne euch,
Er gebe euch Gedeihen und Wachstum, Gelingen eurer Hoffnungen und Frucht eurer Mühe.
Er behüte euch vor allem Argen, er sei euch Schutz in Gefahr und Zuflucht in Angst.
Gott lasse sein Angesicht über euch leuchten, wie die Sonne über der Erde das Erstarrte erwärmt und löst und das Lebendige weckt in allen Dingen.
Er sei euch gnädig, wenn ihr schuldig geworden seid.
Er löse euch von allem Bösen und mache euch frei.
Gott erhebe sein Angesicht auf euch,
Er schaue euch freundlich an.
Er sehe eurer Leid und höre eure Stimme,
Er heile und tröste euch und gebe euch Frieden, das Wohl des Leibes und das Wohl der Seele, Er schenke euch Liebe und Glück und er führe euch an euer Ziel.
So segne euch Gott der Allmächtige, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.