22. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

29.08.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Zu einem festlichen Essen eingeladen zu werden, ist wohl für jeden von uns ein Grund zur Freude.
Im heutigen Evangelium wird erzählt, wie Jesus bei einem vornehmen Pharisäer zu Gast ist.
Mahl ist ein Zeichen menschlicher Zuwendung und Liebe; Zugleich sind wir beim Mahl beschenkt mit den Schöpfungsgaben Gottes. Wenn wir heute, wie an jedem Sonntag, das Abendmahl des Herrn feiern dürfen, weilt er unter uns.
Zusammen mit ihm stehen wir als Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern vor Gottes Angesicht. Verweilen wir eine Zeit in diesem Bewusstsein. Wir halten eine Zeit der Einkehr und Besinnung.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 14,1.7-14 )

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau.
Als er bemerkte, wie sich die Gäste die Ehrenplätze aussuchten, nahm er das zum Anlass, ihnen eine Lehre zu erteilen. Er sagte zu ihnen:
Wenn du zu einer Hochzeit eingeladen bist, such dir nicht den Ehrenplatz aus. Denn es könnte ein anderer eingeladen sein, der vornehmer ist als du, und dann würde der Gastgeber, der dich und ihn eingeladen hat, kommen und zu dir sagen: Mach diesem hier Platz! Du aber wärst beschämt und müsstest den untersten Platz einnehmen.
Wenn du also eingeladen bist, setz dich lieber, wenn du hinkommst, auf den untersten Platz; dann wird der Gastgeber zu dir kommen und sagen: Mein Freund, rück weiter hinauf! Das wird für dich eine Ehre sein vor allen anderen Gästen.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.
Dann sagte er zu dem Gastgeber: Wenn du mittags oder abends ein Essen gibst, so lade nicht deine Freunde oder deine Brüder, deine Verwandten oder reiche Nachbarn ein; sonst laden auch sie dich ein, und damit ist dir wieder alles vergolten.
Nein, wenn du ein Essen gibst, dann lade Arme, Krüppel, Lahme und Blinde ein.
Du wirst selig sein, denn sie können es dir nicht vergelten; es wird dir vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Predigt/Ansprache

Beim ersten Lesen und Hören dieses Evangeliums mag man sich fragen: Was soll dieser Anstandsunterricht, den Jesus für einige Wichtigmacher erteilt, uns sagen können?
Bei anderen Menschen eingeladen zu sein und mit ihnen Mahl zu halten, das war für Jesus ein ganz wesentlicher Bestandteil seines Lebens. Gern griff er dabei aktuelle Anlässe auf, um den Anwesenden klar zu machen, was er unter „Reich Gottes" verstand, was es für ihn hieß, aus dem Glauben an Gott heraus zu leben und welche Konsequenzen dies für das zwischenmenschliche Verhalten haben sollte.
Was damals war, geschieht jetzt zeichenhaft:
Jesus hält mit uns Mahl und lehrt uns Gottes Wege. Er spricht zu uns von Gottes Reich.
Das Gleichnis richtet sich zunächst an jene, die ähnlich den Schriftgelehrten und Pharisäern die Ehrenplätze für sich in Anspruch nehmen; dann aber auch an jene, die nicht einmal zum Gastmahl geladen sind, die draußen vor der Türe stehen.
Die Erzählung ist eine Warnung an alle, die sich im Kampf um die ersten Plätze exponieren.
Wer um Ehrenplätze kämpft kann nicht nur Unrecht tun, weil er andere rücksichtslos zurückdrängt. Er kann sich auch fürchterlich blamieren, weil er vom Gastgeber von seinem Platz verwiesen wird und ihm andere vorgezogen werden. Es ist in Ordnung, dass wir nach unserem Platz im Leben suchen. Aber bei dieser Suche dürfen wir uns nicht selbst überschätzen und brutal durchsetzen, sondern sollen bescheiden sein und darauf achten, welchen Platz uns Gott zugedacht hat. Mit einem befreienden Wort greift Jesus ein:
Sorge doch nicht für dich! Überlass das dem Gastgeber. Wenn er dich auf den letzten Platz will, so hat er auch dann für dich gesorgt. Gott sorgt für dich, was machst du dir eigentlich selber Sorgen? Überlass dich ihm. Das befreit dich von allen menschlichen Verkrampfungen.
Entscheidend ist nicht, welchen Platz ich haben möchte. Entscheidend ist der Platz, den Gott mir zuweist. Das soll auf der Suche nach dem richtigen Ort im Leben meine erste Frage sein.
Bei dieser Suche soll ich die Selbstüberschätzung meiden. Die Bescheidenheit kann hier eine große Hilfe sein. „Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht."
In die gleiche Richtung weisen auch die Worte der Lesung aus dem Buch Jesus Sirach:
„Mein Sohn, bei all deinem Tun bleibe bescheiden, und du wirst mehr geliebt werden, als einer der Gaben verteilt. Je größer du bist, um so mehr bescheide dich, dann wirst du Gnade finden bei Gott." "Die Ströme Gottes fließen nicht auf die Berge des Stolzes, sondern nur in die Täler der Demut", sagt Heiligen Augustinus.
Das Gleichnis vom Gastmahl betrifft auch jene, die nicht geladen sind und draußen stehen.
Wir haben nicht nur die Aufgabe, selbst im Leben den richtigen Ort zu finden, sondern sollen auch Mitmenschen, die am Rande stehen, bei der Suche nach dem richtigen Platz behilflich sein. In diesem Sinn kann der zweite Teil des Gleichnisses verstanden werden.
Ich bin nicht nur Gast. Ich kann auch zum Gastgeber werden. Als Gastgeber soll ich nicht nur die Freunde, die Brüder, die Verwandten und die reichen Nachbarn einladen, sondern auch die Armen, die Krüppel, die Lahmen und die Blinden. Ich soll Sorge tragen, dass Arme, Krüppel, Lahme und Blinde einen würdigen Ort im Leben finden. "Arme, Krüppel, Lahme und Blinde" sind die Gäste bei jenem Mahl, welches ein Bild ist für das Reich Gottes, für jene neue, heile gesunde Welt, wo Rangunterschiede aufgehoben sind, wo es kein zwei Klassen von unten und von oben mehr gibt, wo es weder Titel macht, noch der Gehalt, und wo alle Menschen Brüder und Schwestern sind. Wer auf diese Weise handelt, so heißt es, dem „wird vergolten werden, bei der Auferstehung der Gerechten". Gottes eigene, selbstlose schenkende Liebe soll im Verhalten des "Gerechten", des Jüngers sichtbar werden.

Pater Jose Nandhikkara CMI, z. Zt. Ferienvertretung in St. Michael

Fürbitten

Wir haben Jesu Wort vernommen und bekannt, dass wir seiner Botschaft glauben.
Voll Vertrauen bringen wir nun die Bitten unserer Zeit vor ihn.


In dieser Feier bist du unser Gastgeber, aber auch du selber bist gerne Gast bei uns. Lass unsere Familien, Gemeinden und Gemeinschaften sensibel sein für das hohe Gut der Gastfreundschaft.

Du selbst bist in dieser Welt den Weg der Selbsterniedrigung und der Demut gegangen. Bewahre uns vor Egoismus und Selbstsucht.

Du hast uns in der Eucharistie das Mahl der Einheit und der Liebe hinterlassen. Erneuere in uns die Gesinnung der gegenseitigen Rücksichtnahme und des Miteinander-Teilens.

Du hast die Armen, Behinderten und Hilfsbedürftigen vom Rand in die Mitte geholt. Verhindere, dass wir dein Beispiel je vergessen, und mahne uns, es dir gleich zu tun.

Du hast vom Lohn gesprochen, der uns verheißen ist bei der Auferstehung der Gerechten. Lass uns dieser Verheißung würdig werden und schenke unseren Verstorbenen das ewige Leben.

Denn Du, Jesus Christus, bist der Herr des Himmlischen Gastmahls, zu dem du uns lädst, wenn wir scheiden von dieser Welt.
Dir wollen wir jetzt bringen, was wir sind und haben, damit unser ganzes Leben dir gehört -- jetzt und in Ewigkeit. Amen.