21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

25.08.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Werden wir einmal gerettet? Wer erhält Zugang in das Reich Gottes?
Bewegen uns diese Fragen oder ist es für uns selbstverständlich, dass wir dabei sind?
Unser Bestreben, die Zukunft zu planen und zu sichern, stößt in Glaubensdingen an Grenzen.
Glauben ist kein statisches Besitzen, sondern ständiges Bemühen um eine lebendige Beziehung zu Gott und zu den Menschen. Deshalb sind wir versammelt, um uns bestärken zu lassen.
Froh über seine Zusage, dass viele aus allen Himmelrichtungen in seinem Reich Gast sein werden, grüßen wir unseren Herrn und Erlöser in unserer Mitte.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 13,22-30 )

In jener Zeit zog Jesus auf seinem Weg nach Jerusalem von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken, und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle unrecht getan!
Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Predigt/Ansprache

Tür ist ein Symbolwort. Im heutigen Evangelium kommt es als Schlüsselwort vor.
Ein Mann stellt Jesus eine Frage, die zur damaligen Zeit für viele Fromme aktuell war:
wenn die Endzeit kommt, womit viele rechneten und wenn das Endgericht beginnt: werden dann viele oder nur wenige gerettet? Jesus geht auf diese populäre Frage nicht ein, aber er nimmt die Sorge ernst, die hinter ihr steht. Dass sich der Mensch Gedanken macht über den Wert seines Lebens und über das Urteil, das über ihn gefällt wird, das kann Jesus nur unterstützen. Strengt euch an! sagt er, wie Menschen, die sich auf ihrem Weg durch eine enge Tür hindurch drängen müssen und die wissen: wenn ich hier nicht durchkomme, dann bleibe ich ausgeschlossen vom ewigen Glück.
Dann assoziiert Jesus zum Symbolwort Tür eine Szene: die glücklich Geretteten bilden eine Festgesellschaft. Da erscheinen nun einige Nachzügler, die nach der Devise gelebt haben: Nichts im Leben ist so wichtig, dass man es nicht auf morgen verschieben könnte. Der liebe Gott hat alle Zeit der Welt und er kann noch etwas warten! Die verschlossene Tür irritiert sie zunächst noch nicht,
wir müssen uns nur bemerkbar machen, sagen sie, dann lässt man uns sicher hinein, wir sind ja keine Fremden! Der Hausherr führt nun mit den verspäteten Gästen ein Gespräch, aus dem hervorgeht, dass die Gäste, die draußen stehen, tatsächlich den Herrn kennen;
sie haben mit ihm in der gleichen Straße gewohnt, haben mit ihm gegessen und getrunken, mit ihm sich unterhalten. Sie betrachten sich als Freunde des Hauses und sind überzeugt, ein Anrecht darauf zu haben, hereingelassen zu werden. Für den Hausherrn freilich sind diese Leute keine wirklichen Bekannten: ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir! sagt er zu ihnen und lässt sie draußen stehen.
Diese Tatsache zwingt uns, neu zu überdenken, was es denn heißt: Jesus zu kennen und zu wissen, wer er ist. Offensichtlich rechnet Jesus jene Menschen, die ihn nur äußerlich wahrgenommen haben, etwa im Vollzug religiöse Riten, nicht zu seinen Bekannten.
Für ihn zählt nur eine Kenntnis, die sich im praktischen Verhalten zeigt, in einem Leben nach den Grundsätzen seiner Predigt.
Sehr scharf heißt es im 1. Johannesbrief: Wer sündigt, hat Gott nicht gesehen und nicht erkannt. (1. Joh 3, 6)
Unsere Bekanntheit mit Jesus muss uns verwandeln, muss uns zu Menschen machen,
die ihre geistige Trägheit überwinden und sich bewusst in den Dienst der Liebe stellen.
Dann wird Jesus sagen: Ja, ihr seid mit bekannt und verwandt. Im anderen Fall wird er uns als Fremde einstufen, die es nicht verdienen, an seinem Tisch zu sitzen.
So macht uns das heutige Evangelium auf eine Tatsache aufmerksam, die es immer wieder zu bedenken gilt: die Nähe zu Gott und zu Jesus, die uns Christen ähnlich wie damals den jüdischen Zeitgenossen quasi in die Wiege gelegt worden ist, erspart uns nicht die persönliche Auseinandersetzung mit den Forderungen des Glaubens.
Das echte Bekanntsein mit Jesus ist kein Erbstück, sondern Frucht einer lebenslangen Bemühung, einer täglich jeweils neuen Entscheidung.
Jesu frohe Botschaft lässt sich nicht verwässern oder verharmlosen zu einem Gemeinplatz:
Alles wird gut. Die Worte Jesu von der engen und verschlossenen Tür machen deutlich, dass wir als Christen
nicht von vorneherein auf der sicheren Seite stehen. Auch für uns gilt, das Leben nicht zu vertrödeln. Bemüht euch! Bemüht euch mit Kräften Nur wenn wir uns dessen bewusst sind und daraus die Konsequenzen ziehen, werden wir einmal nicht enttäuscht und betroffen draußen vor der Tür stehen, sondern dürfen die tröstliche Einladung hören: Tretet ein, nehmt Platz an meinem Tisch, ihr seid gesegnet, weil ihr lebt, was ihr glaubt und ihr so Glauben und Leben gefüllt habt.
Im Hochgebet beten wir: Sende deinen Geist auf die Gaben herab, heilige sie, damit sie zu Jesu Leib und Blut werden. Da geht es nicht darum, dass Brot und Wein gewandelt werden, sondern die Kirche als Ganze. Jeder Einzelne und die ganze Gemeinschaft wird von Gott gewandelt, und die Folge davon bedeutet: keiner ist mehr derselbe wie er gekommen ist; er ist verwandelt worden. Dieser Wandlung müssen wir uns bewusst werden, dass wir aus Bekannten des Herrn zu seinen Jüngern und Freunden werden müssen. Müht euch mit allen Kräften darum!

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott ruft Menschen aus allen Völkern und Sprachen in sein Reich des Friedens und der Liebe.
Vertrauensvoll wenden wir uns mit unseren Anliegen an ihn und bitten ihn:


 für alle Christen, die durch ihr Wort und durch ihr Leben die Frohe Botschaft weitergeben: um Glaubwürdigkeit und um Überzeugungskraft ...

Treuer Gott ... Herr, erbarme dich ...

 für die Menschen, die Gott nicht kennen oder nichts von ihm wissen wollen:um Offenheit für seine Wirklichkeit und um Berufung in das Volk Gottes ...

 für die Kranken und für diejenigen, die schwere Schicksalsschläge zu verkraften haben:
um innere Stärke und um Gnade, in allem doch noch die Liebe Gottes zu entdecken ...

 für uns selbst, für unsere Familien und unsere Gemeinde:
um Freude aus dem Glauben, um Kraft aus der Mitfeier der Gottesdienste
und um die Hoffnung, dass du uns alle an deinem Tisch versammeln wirst ...

Treuer Gott, du liebst uns Menschen und du willst, dass alle gerettet werden.
Wir preisen dich und danken wir durch deinen Sohn Jesus Christus, jetzt und in der Ewigkeit. Amen