21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

22.08.2004



Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 13,22-30 )

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte.
Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen:
Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen.
Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid.
Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt.
Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan!
Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid.
Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen.
Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten.

Predigt/Ansprache

Vielleicht hat uns das heutige Evangelium beim Hören etwas hart berührt.
Da ist von einer „engen Tür" die Rede und davon, dass es vielen nicht gelingen wird, durch diese enge Tür auch hineinzukommen.
Da wird des Weiteren unmissverständlich gesagt, dass die Tür verschlossen wird, das es also für die Nachkommenden ein folgenschweres „Zu spät" gibt. Solche Gedanken halten wir für unbarmherzig und hart. Tritt uns also im heutigen Evangelium doch wieder jener strenge Gott gegenüber, der mit einem gnadenlosen Gericht droht und die Menschen auf diese Weise in Schach hält?
Versuchen wir einen positiven Zugang zu der Bildrede von der engen Tür zu finden.
Zuerst müssten wir uns bewusst machen, dass Gott uns nicht zum Guten zwingen will.
Er nimmt uns ernst in unserer Freiheit. Er lässt uns frei entscheiden, ob wir auf dem Weg seiner Weisungen die Gemeinschaft mit ihm suchen oder nicht. Wenn wir dies nicht tun, dann, so meine ich, ist es nicht Gott, der die Tür zuschlägt. Wir selben versperren uns den Weg zu ihm, wenn wir nicht all das ablegen oder zurücklassen, was das Hindurchkommen durch die Tür verhindert. Wir können nicht durch die Tür hindurch kommen mit Egoismus und Selbstbefangenheit, mit Stolz und Überheblichkeit, mit Neid uns Habgier.
Für all das wäre die Tür zu eng.
Den dann draußen Stehenden sagt der Hausherr: „Ich kenne euch nicht." Natürlich kennt er sie. Kennen oder Erkennen bedeutet im biblischen Sprachgebrauch so viel wie Gemeinschaft mit einem haben. Gott sagt: Ich kann keine Gemeinschaft mit euch haben, weil ihr sie nicht gewollt habt. Diejenigen, vor denen die Tür verschlossen wurde, können diese Zurückweisung nicht verstehen. Sie sagen: „Wir haben vor deinen Augen gegessen und getrunken, und auf unseren Straßen hast du gelehrt."
Sie meinen, dies würde ausreichen, um mit Jesus Gemeinschaft zu haben.
In Israel gab es auch zurzeit Jesu die Meinung, dass alle Glieder des Volkes Israel am zukünftigen messianischen Reich teilhaben würden, und zwar ausnahmslos.
Israel schätzte sich ein als das auserwählte Volk. Wir Christen sollten uns jedoch nicht darüber erheben. Denn dieses Auserwählungsdenken gab es auch später in der Kirche.
Man meinte, mit der Zugehörigkeit zur Kirche hätte man sein Heil gesichert.
Nein, es reicht nicht, äußerlich dabei zu sein. Die Gemeinschaft mit Jesus in der Feier der Eucharistie hätte sich zu bewahrheiten im alltäglichen Leben - in Taten der Liebe.
Ein Wort des heiligen Augustinus: Es gibt solche, die dem Leibe nach, also rein äußerlich, der Kirche angehören, dem Herzen nach hingegen nicht. Und es gibt solche, die dem Leibe nach nicht zur Kirche gehören, keine Kirchenmitglieder sind, aber wohl dem Herzen, der Gesinnung nach. Dann heißt es, dass Menschen von Ost und West und von Nord und Süd kommen und im Reich Gottes zu Tische sitzen. Tun wir unser Bestes, um in das Reich Gottes zu gelangen! „Bemüht euch", sagt Jesus, „mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen."
In dem Satz liegt ein großes Vertrauen: Viele nicht - aber ihr. Einzige Bedingung: Sich bemühen. Das Reich Gottes wollen. Es nicht aus den Augen verlieren. Sich nicht beirren lassen - eben: sich bemühen. Erst bin ich über dieses Wort gestolpert. Schließlich wird nicht jedes Bemühen mit Erfolg gekrönt. Wir fürchten die Enttäuschung. Neben dem Lecken der Wunden drehen sich die Fragen im Kreis und werden immer schneller: War ich nicht gut genug? Waren andere wieder besser? Hätte ich es nicht lieber gleich lassen können?
Nicht einmal richtig einschätzen kann ich mich! Und Lukas wehrt vehement ab.
Nehmt das Wort, wie es ist: Bemühen heißt, sich verliebt zu haben. Nicht mehr anders können. Überwältigt sein. Gleichzeitig sich auch fallen lassen. Und vom Reich Gottes, da redet der Lukas nicht drum herum, kann ein Mensch nicht genug kriegen.
Das nimmt ihn ganz in seinen Bann. - Was ein Wort so anrichten kann. An vergebliche Liebesmüh dachte ich - als Verliebter komme ich aus dieser Geschichte heraus.
Dies geschieht schon jetzt, wenn wir uns bemühen, aus der Liebe heraus zu leben, die Gott uns ins Herz gesenkt hat (vgl. Röm 5:5).
Ich denke, dass ich das Bild von der engen Tür, die in das Reich Gottes führt, nicht verharmlost habe. Aber ich wollte auch nicht darüber schweigen, dass Gott alles tut, uns zu sich hin zu ziehen. Gott wirbt um uns. Gott will das Heil aller Menschen. Die Tür bleibt zwar eng; Doch jedem, der sich "mit allen Kräften" bemüht hineinzukommen, Wird Gott unter der Tür entgegenkommen und ihn an seinen Tisch geleiten.
Im Reich Gottes zu Tische sitzen zu dürfen wird uns letztlich geschenkt. Johannes vom Kreuz hat einmal gesagt: „Sucht der Mensch Gott, so sucht Gott den Menschen noch viel mehr.
Sehnt sich der Mensch nach Gott, zieht Gott ihn an." So werde ich zu Jesus sagen:
Herr, ich weis, die Tür ist eng, der Weg steil; Ich selber schaff es nicht. Aber du zeigst mir nicht nur das Ziel, du lässt mich nicht nur durch den Spalt blicken; Du bist es, der uns hier schon zusammenführt, hier schon in Gottes Frieden zusammen feiern lässt.
Dir vertrauen wir; du gehst uns den Weg voran, du reißt uns das Tor auf; du bist die Tür, durch wir zum Leben finden.

Pater Jose Nandhikkara CMI, z. Zt. Ferienvertretung in St. Michael

Fürbitten

Guter Gott, im Vertrauen auf deine Barmherzigkeit rufen wir dich an und bitten:


• Für alle Menschen, die sich in der Kirche für dein Reich einsetzen:
um Kraft und Phantasie für ihren Dienst am Evangelium.

• Für alle, die sich nach Glück und Lebensfreude sehnen:
um den Mut, auch in Enttäuschung und Leid nicht aufzugeben, nach dem Sinn des Lebens zu suchen.

• Für die Kinder und Jugendlichen in unserer Gemeinde:
um Menschen, die sie begleiten auf dem spannenden und spannungsreichen Weg des Glaubens.

• Für alle, die Krank sind, für alle jene, die heute nicht hier sein können, die für unser Gebet hoffen and unsere Liebe brauchen

• Für alle, die einen lieben Menschen verloren haben, die von großem Schmerz erfüllt und einsam geworden sind.

• Für alle, deren Leben zu Ende geht;
für alle, die in dieser Stunde im Sterben liegen:
um die Nähe lieber Menschen und um die Hoffnung auf die Fülle des Lebens bei dir.

• Für uns selbst und einander, dass wir im Sinne Jesus leben und in das Reich Gottes finden

Lebendiger Gott,
du hast uns in deinem Sohn die Tischgemeinschaft deines Reiches versprochen.
Dafür danken wir dir und dafür loben wir dich im Heiligen Geist durch Christus, unseren Herrn.