Aschermittwoch, Lesejahr B

05.03.2003



Einleitung in die Eucharistiefeier

Mitten in der Woche beginnen wir eine "neue Zeit": die Zeit der Vorbereitung auf das Osterfest."Mitten in der Woche" - es ist für uns Christen eigentlich etwas Alltägliches, wenn das Hören auf die Schrift, das Fasten und die Umkehr, die Hinwendung zu Gott und zu den Nächstenunser Leben im Alltag bestimmt.
Nicht im Außergewöhnlichen, sondern im Gewohnten liegt das Besondere, an das uns die sogenannten vierzig Tage erinnern wollen: dass der menschgewordene Gott unseren Tod stirbt, damit neues Leben wird. IHN, Christus, heißen wir unter uns willkommen...

Erste Lesung (Joel 2, 12-18)

So spricht der Herr: Kehrt um zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem Gott! Denn er ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Güte, und es reut ihn, dass er das Unheil verhängt hat. Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lässt Segen zurück, so dass ihr Speise- und Trankopfer darbringen könnt für den Herrn, euren Gott.
Auf dem Zion stoßt in das Horn, ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Säuglinge! Der Bräutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die Diener des Herrn sollen sprechen: Hab Mitleid, Herr, mit deinem Volk, und überlass dein Erbe nicht der Schande, damit die Völker nicht über uns spotten. Warum soll man bei den Völkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?
Da erwachte im Herrn die Leidenschaft für sein Land, und er hatte Erbarmen mit seinem Volk.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 6, 1-6.16-18)

Hütet euch, eure Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen; sonst habt ihr keinen Lohn von eurem Vater im Himmel zu erwarten.
Wenn du Almosen gibst, lass es also nicht vor dir herposaunen, wie es die Heuchler in den Synagogen und auf den Gassen tun, um von den Leuten gelobt zu werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Wenn du Almosen gibst, soll deine linke Hand nicht wissen, was deine rechte tut.
Dein Almosen soll verborgen bleiben und dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.


Du aber geh in deine Kammer, wenn du betest, und schließ die Tür zu; dann bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Dein Vater, der auch das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.
Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.

Predigt/Ansprache

Drei Dinge braucht der Mann: Feuer, Pfeife und eine bestimmte Tabakmarke. Offenkundig braucht´s nicht viel, um glücklich zu werden, um glücklich zu sein. Wer das Evangelium noch im Ohr hat, der bekommt drei andere Dinge empfohlen: Spenden, Beten und Fasten.

Die biblischen Texte bringen das auf einen Punkt: Umkehr ist angesagt! Spenden, Beten und Fasten - kurz Umkehr, weil wir Christen sind. Ärgerliche Begriffe, so gar nicht gemütlich, eben typisch Aschermittwoch, Fastenzeit pur.
Guter Gott, du nimmst und liebst uns Menschen so, wie wir sind, dieser Gedanke ist erfreulicher. Das tut eigentlich richtig gut! Doch der Satz: Guter Gott, du nimmst und liebst uns Menschen so, wie wir sind - geht ja weiter: aber du läßt uns nicht so, wie wir sind. Gott, ist Gott der Veränderung. Das braucht sicher Kraft und Mut. In jeder Veränderung steckt auch etwas von Sehnsucht. Vielleicht könnte Fastenzeit bedeuten: Du sollst dir die Sehnsucht nicht nehmen lassen. Die Sehnsucht beginnt im eigenen Haus.
Also! Was brauche ich? Was brauche ich eigentlich zum Leben? Nicht viel! so das schnelle Ergebnis. Etwas später, nach einigen Minuten desÜberlegens und des Nachdenkens kommt doch einiges zusammen: der Sport in der Freizeit, das Bier am Abend, das Mittagsschläfchen, das Glas Orangensaft beim Frühstück, eine gute Beziehung, die Zigarette zum Ruhigwerden und und und... Mit den Jahren ist einiges zusammengekommen an Lebens-Gepäck. Abnehmen gehört folglich zur Sehnsucht meiner diesjährigen Fastenzeit. Meist wird das wörtlich genommen, und vielen tun ein paar Kilo weniger Gewicht auch gut; doch abnehmen kann man auch anderes.
Überflüssiges loswerden zum Beispiel. Eingeschliffene Gewohnheiten überprüfen und gegebenenfalls ändern. Weniger Forderungen stellen, dafür mehr Zeit haben. Den Berg dahin dümpelnder Beziehungen und Freundschaften abtragen. Gewiss, auch weniger malochen. Das Korsett von 4o Tagen Fastenzeit wirkt da nicht beengend, jedenfalls nicht immer. Es erinnert daran, dass es Zeiten derÜberprüfung und der Korrektur geben muss. Gäbe es die Fastenzeit nicht, würden wir das womöglich vergessen.
Meine Sehnsüchte sind am Aschermittwoch konkret. Kein Alkohol, nicht um abzunehmen, sondern um überhaupt noch zu erfahren, was Verzicht heißen könnte. In der Beziehung zu einem guten Freund liegt einiges quer. Das muss sich ändern in dieser Zeit. Es wird Momente geben, die nur mir gehören; Ruhe und Besinnung sind wichtiger. Und es wird Zeiten geben, die nur Gott gehören. Gebet und Gottesdienst sind wichtiger. Das Almosengeben nicht billig abtun, sondern Formen des Teilens suchen und finden, die wirksam sind und durchaus schmerzlich sein dürfen.Weniger ist mehr.


Wenn es die Fastenzeit nicht gäbe, sie müßte erfunden werden. Aus dem gewöhnlichen Ablauf der Zeit wird so plötzlich ein Rhythmus, Lebensrhythmus sogar, der gut tut, weil er uns neu in Schwung bringt und mit anderen Drehungen als sonst. Die 40 Tage der Fastenzeit, die vor uns liegen, sind so etwas wie die Leitplanken einer Autobahn, die in die Richtung weisen. Man kann überholen, man rechts fahrend das Tempolimit einhalten, sogar auf der Standspur stehen bei Problemen. Nur in die richtige Richtung muss ich fahren. Andersfalls besteht die Gefahr, zum Geisterfahrer des eigenen Lebens zu werden. Der Geisterfahrer beeinträchtigt das Leben, sein eigenes und das der anderen. Nur wer ausgerichtet ist in der richtigen Richtung, wird das Leben finden. Nicht der Staub ist das letzte, auch wenn es heißt: Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück, sondern dahinter steht das Leben, das Gott gibt in der Auferstehung - auf sie gehen wir zu in Fasten, Beten und Umkehr...nicht weil wir meinen, Dreck zu sein, sondern weil wir zuversichtlich glauben, dass wir zum Leben gerufen sind...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott schenkt uns diese Zeit der Gnade und des Heiles.
Ihm wenden wir uns zu und stehen bittend vor ihm:

mit allen Schwestern und Brüdern, die heute bewusst die Zeit der Busse und Umkehr beginnen,bitten wir um die Erfrischung unseres Glaubens und um die Erneuerung unseres Lebens...

Gott, du unsere Barmherzigkeit ... Herr, erbarme dich ...

für die Kinder unserer Gemeinde, die auf die Erstkommunion vorbereitet werden;
und für die Heranwachsenden, die sich zum Empfang der Firmung entschlossen haben, bitten wir um vertiefende Begegnung mit Jesus Christus und um das Hineinwachsen in die Gemeinschaft der Kirche...

für alle Menschen, die von Schuld niedergedrückt und wie gelähmt sind,
bitten wir um die Gabe der Versöhnung und um die Gnade des Neubeginns.

für alle Frauen und Männer, die für das Zusammenleben der Völker Verantwortung tragen,
bitten wir um den Willen zum Frieden und um Taten der Gerechtigkeit...

für alle, die uns bislang auf unserem Lebensweg begleitet haben und die gestorben sind, erbitten wir das ewige Leben der Auferstehung...

Gott, du bist größer als unser Herz.
Lass uns immer wieder deine Liebe erkennen und daraus leben durch deinen Sohn Jesus Christus, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen