24. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

16.09.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Der Frauengesprächskreis unserer Gemeinde erinnert heute an seine Gründung vor 25 Jahren.
Die Mitglieder, die von Anfang an dabei waren, sind in die Jahre gekommen, aber nicht die Idee, die damals zur Gründung geführt hat und die das Programm bestimmt hat und damit über ein Vierteljahrhundert vieles angeregt und angestoßen und mit Aktivität bereichert hat.
Frauen sind für Frauen aktiv geworden mit einer staunenswerten Bandbreite von Themen aus dem religiösen Bereich, aus dem gesellschaftlichen, dem pädagogischen und dem künstlerischen Bereich.
Aus dem Gedankenaustausch ist Hilfe erwachsen für die Frauen selbst, aber auch in manche Stelle der Gemeinde hinein, wofür es einfach auch zu danken gilt.
Heute ist dafür der Punkt.
Wir feiern zusammen Gottesdienst, alte und junge Menschen, frohe und besorgte, lustige und traurige, Männer und Frauen - gleichgültig wie wir und wer wir sind, bleiben wir angewiesen auf die Zuwendung Gottes.
Er schenkt sie jedem, damit er sein Leben annehmen und seinen Weg gehen kann.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 15,1-32 oder Lk 15,1-10 )

In jener Zeit kamen alle Zöllner und Sünder zu Jesus, um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen....
Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte:
Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren.
Wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet?
Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wieder gefunden, die ich verloren hatte.
Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.

Predigt/Ansprache

Im Lukasevangelium steht die kleine Geschichte von der verlorenen Drachme zwischen der Geschichte vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Sohn.
Sie ist sozusagen das Stiefkind unter diesen drei Erzählungen.
Woran mag das liegen?
Daran, dass sie so kurz ist?
Oder daran, dass das Verlorene kein lebendiges Wesen, sondern nur ein Geldstück ist?
Mir ist diese Geschichte wichtig, nicht nur für diesen Tag des fünfundzwanzigjährigen Jubiläums Frauengesprächskreis in der Sillenbucher katholischen Gemeinde.
Unser Herr hat viele Geschichten erzählt, die zum Teil von Verkündern seiner Botschaft aufgeschrieben worden sind.
In vielen überlieferten Geschichten spielen Männer eine Rolle: der Kaufmann, der Perlen sucht, der Bauer, der das Feld bestellt, der Hausvater, der für seine Familie sorgt, der Bauherr, der einen Turm errichtet und die Finanzierung bedenkt und der Kriegsherr, der eine Gesandtschaft ins feindliche Lager schickt, weil er ausgerechnet hat, dass er mit seinen Truppen unterliegen wird. Männer spielten die wichtige Rolle in der Gesellschaft damals.
Es gibt aber auch ein paar wenige Geschichten, die von Frauen handeln:
die Frau, die Sauerteig unter das Mehl mengt,
die klugen Mädchen,
die Öl in ihren Krügen mitnehmen, als sie auf den Bräutigam warten am Beginn des Hochzeitsfestes und die dummen Dinger, die darauf vergessen und nichts dabei haben, als die Wartezeit lang wird.
Kommen Frauen zu kurz? Und warum?
Ein Rabbi, der sich mit Frauen abgibt, gerät in Verdacht, nicht in Ordnung zu sein.
Ein Rabbi hat sich zu distanzieren von Frauen in der Gesellschaft, in der nur Männer aufgeführt werden.
Männer zählen in dieser Wirtschaft.
Frauen sollen schweigen hieß es in der jungen Kirche und lange Zeit, viel zu lange Zeit wurde auf dieser Schiene gefahren.
Dass Jesus mit Frauen gesprochen hat, dass er sie berührt und geheilt hat, dass er sich hat von ihnen begleiten und unterstützen lassen, wurde schnell an den Rand gedrängt, weil es die Ikone vom Meister anders verlangt hat.
Vieles ist dadurch in die Schieflage geraten und bis heute noch nicht wieder ins Gleichgewicht gebracht.
Aber man ist dabei, weil die Betroffenen sich gerührt haben, sich nicht mehr dem Mund zuhalten ließen, aufgetreten sind und klar gesprochen haben, so dass doch einige merkten: wir Brüder haben die Schwestern vergessen und damit die Hälfte des Lebens.
Die Geschichte von der verlorenen Drachme: die Frau sucht, sie macht Licht, sie fegt in den Ecken und unter den Truhen und findet endlich erleichtert das verlorene Geldstück.
Eine Drachme in der griechischen Währung hat den gleichen Wert wie ein Denar im Römischen Reich.
Es ist der Tageslohn für die Arbeit eines Mannes.
Frau verdiente auch damals schon weniger als Mann.
Sie musste doppelt so lange wie ein Mann für den gleichen Lohn arbeiten.
Mit einer Drachme konnte sie den Lebensunterhalt für knapp zwei Tage bestreiten.
Es ging also um das Geld für das tägliche Brot.
Was wird die Frau vorgehabt haben mit dem Geld?
War es nur für ihren Lebensunterhalt für die nächsten Tage bestimmt?
Hatte sie es für eine besondere Aufgabe gespart?
Wir erfahren nichts darüber.
Die zehn Drachmen stellten keinen Reichtum dar, waren eher wie ein Notgroschen,
der das Überleben für einige Tage gewährleistet.
Ein Teil davon geht verloren. Das gilt es zu suchen und wieder zu finden. Darum zündet sie die Lampe an und sucht, aber nirgends kann sie die glitzernde Münze entdecken, so kehrt sie ihren fensterlosen Raum durch, damit sie das Geldstück wenigstens am Klang entdeckt.
Mit Ausdauer, mit Achtsamkeit und mit Genauigkeit ist sie ans Werk gegangen.
Sie hat gesucht und hat gefunden.
Auch wir verlegen manchmal Sachen: den Schlüssel, die Geldbörse, einen Brief, einen Kontoauszug.
Auch wir suchen und finden auch wieder.
Aber jetzt Lebensnotwendiges? Etwas, das Ihnen wirklich soviel bedeutet, das ihr Leben reich macht?
Wann haben Sie das letzte Mal so etwas gesucht? Mit allen Fasern der inneren Angespanntheit, der Achtsamkeit, der Genauigkeit, der Ausdauer?
Und wenn Sie es gefunden haben, haben Sie dann ein Fest gefeiert?
Wir alle kennen in unserem Leben Verlorenes und erleben Verluste.
Haben Freunde verloren, ihre Heiterkeit, ihre Gelassenheit, einige haben Heimat verloren
und sind noch immer auf der Suche nach ihr.
Wir sind Suchende.
Suchen Glück, Geborgenheit und Zuwendung.
Wir sehnen uns nach Gesundheit, nach Besitz, der uns absichert.
Ist uns das ein Fest wert, wenn wir es finden? Es werden viel zu wenig Feste gefeiert, heißt es.
Weil wir nichts finden? Oder alles für selbstverständlich halten?
Es sind viele Fragen, auf die uns die kleine Geschichte stößt.
Wer ist diese Frau in der biblischen Geschichte, die sucht und findet?
Sie ist nicht nur ein Bild für unsere eigenen Suchbewegungen.
Sie ist wie der Vater des verlorenen Sohnes und wie der Hirt des wiedergefundenen Schafes ein Bild für Gott.
Gott ist wie eine Frau, die etwas verloren hat, das ihr wichtig war und die mit allen zu Gebote stehenden Mitteln versucht, das Verlorene wiederzufinden.
Gott ist wie eine kehrende, fegende Frau.
Selten finden wir in der Bibel solche Bilder für Gottes Tun.
Das lag auch daran, dass die weibliche Lebenswelt den wahrscheinlich männlichen Schreibern nicht innerlich vertraut war.
Aber es gibt solche Bilder und es ist gut, darum zu wissen, dass wir alle, nicht nur die Frauen,
in unserem zaghaften Sprechen über Gott solche Bilder suchen und gebrauchen dürfen.
Gott ist wie diese Frau, die sucht, die ein Licht nimmt und sucht, und die ein Fest feiert, als sie gefunden hat, was suchenswert gewesen ist.
Gott hat eine überschwängliche Freude am Menschen, der umkehrt.
Damit verteidigt sich Jesus denen gegenüber, die beanstanden, dass er Umgang mit Sündern hatte und mit ihnen gemeinsamen Tisch machte.
Gott hat Freude am Menschen.
Augustinus hat gesagt: Gottes Sehnsucht ist der Mensch.
Und ohne Sehnsucht könne keiner sein.
Auch Gott nicht.
Er sehnt sich nach mir und nach dir, für ihn sind wir wertvoll, „lebensnotwendig".
Er sucht mich, bis er mich findet. Das soll uns diese kleine Geschichte lehren.
Diesen Wert habe ich vor Gott, ich und der Mensch neben mir, selbst der, der im Dreck sitzt und schuldig geworden ist.
Gott sehnt sich nach allen, auch wenn sie ihm nichts anzubieten haben außer ihren leeren Herzen und Händen.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Eine Frau aus dem Frauengesprächskreis hat ein Symbolbild gelegt:
ein gewundener Weg, trotz der Windungen und trotz der Steine führt er an das Ziel.
Vielleicht sind die Steine, die sich in den Weg legen nicht nur wie Hindernisse, sondern Hilfen für den Schritt.


Sind sie nicht wie Füße geformt, damit sie mir sagen: geh über mich?
Tritt auf mich, ich bringe dich weiter? Zum Ziel, der Sonne entgegen?

Was habe ich gelernt als einer, der den Frauengesprächskreis begleitet hat über einige Stationen?

Langsam und bestimmt auf die Suche gehen um neu finden zu können was mir abhanden gekommen ist

Langsam und entschieden sich vertiefen in jene Grundwerte die dem Leben Sinn verleihen

Langsam und beglückt das Leben feiern die Kraft der Symbole und Rituale als Hoffnungsweg entdecken

Langsam und beschwingt meinen Beziehungen Tiefe schenken miteinander aufzeichnen
was zum engagierten Aufbruch bewegt. (Pierre Stutz)

Segensgebet

Gott segne unsere Gemeinde und uns,die wir hier sind.
Er mache sie reich in den Begegnungen,die wir planen und die sich ergeben.
Gott mache uns reich durch die Menschen, die Gemeinde gestalten auf ganz verschiedene Weise,aber einig in dem Wunsch,gemeinsamen einen Weg zu gehen.
Gott segne uns auf dem Weg,damit wir einander zum Segen werden.
Gott segne uns im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen