25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

23.09.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Gnade und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus sein mit euch!
Was wir zum Leben brauchen, spielt in unserem Alltag eine wichtige Rolle:
Lebensmittel, Kleidung, Geld.
Das ist berechtigt, soweit es um die notwendigen Bedürfnisse des Lebens geht.
Wenn uns aber wichtigere Sorgen bedrängen, etwa die Frage nach unserer Gesundheit,
nach dem Scheitern unserer Beziehungen oder Lebensentwürfe, dann kann Geld sehr schnell unwichtig werden.
Es ist heilsam für uns, wenn unsere Wertordnung immer wieder zurecht gerückt wird.
Das geschieht nicht nur durch Probleme und Sorgen, das geschieht auch durch die Erfahrung dessen, was für uns zutiefst gut ist und uns zum Heil dient.
Um diese Erfahrung des Heils zu machen, die uns herausführt aus dem Vielerlei des Alltags
und die uns manchmal zu verschlingen droht, kommen wir zusammen im Gottesdienst.
Zu Beginn unserer Feier rufen wir zum Herrn, der die Mitte unseres Lebens ist.

Erste Lesung (Am 8,4-7 )

Hört dieses Wort, die ihr die Schwachen verfolgt und die Armen im Land unterdrückt.
Ihr sagt: Wann ist das Neumondfest vorbei? Wir wollen Getreide verkaufen. Und wann ist der Sabbat vorbei? Wir wollen den Kornspeicher öffnen, das Maß kleiner und den Preis größer machen und die Gewichte fälschen.
Wir wollen mit Geld die Hilflosen kaufen, für ein paar Sandalen die Armen.
Sogar den Abfall des Getreides machen wir zu Geld.
Beim Stolz Jakobs hat der Herr geschworen: Keine ihrer Taten werde ich jemals vergessen.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 16,1-13 oder Lk 16,10-13 )

In jener Zeit sagte Jesus zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter.
Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich?
Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung.
Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
Doch - ich weiß, was ich tun muss, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib „fünfzig".
Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib „achtzig".
Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.
Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen? 

Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?
Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden dienen, Gott und dem Mammon.

Predigt/Ansprache

Die Kirche soll sich heraushalten aus politischen, gesellschaftlichen Fragen oder aus dem Bereich der Kunst.
Wie oft hört man das! Und es kann nicht bestritten werden, dass auf diesen komplizierten Feldern es Kompetenzüberschreitungen gegeben hat und noch gibt.
Der Kirche wird oft vorgehalten, ihre Aufgabe sei die Verkündigung von Gottes Wort und aus allem anderen solle sie sich heraushalten.
Auf den ersten Blick klingt das einleuchtend. Aber nur auf den ersten!
In der Lesung hörten wir Worte des Propheten Amos aus dem achten Jahrhundert vor Christus.
Der Text ist merkwürdig modern.
Wir sagen doch auch: Wann ist der Monatserste? Ich brauche Geld!
Wir überlegen ganz ähnlich: Wie komme ich am schnellsten vorwärts?
Geschäfte machen bei möglichst kleinem Einsatz und denkbar höchstem Gewinn.
Billige Arbeitskräfte sind genauso gesucht und werden auch heute genauso raffiniert ausgebeutet.
Oder: Hochkonjunktur verträgt keine Stagnation; wer die Sache versteht, wird immer reicher und mächtiger, wer hingegen die Dinge nicht in Griff bekommt, immer ärmer und schwächer.
Amos liest seinen Zeitgenossen die Leviten: euer Wohlleben und euer Luxus ist ja nur möglich, weil andere für euch schuften; ihr lebt auf Kosten der Armen!
Die Schickeria von Samaria hat sich solche Worte nicht gefallen lassen und Amos musste ins Exil gehen.
Weil der Prophet an Gott glaubte, mit ihm rechnete, weil er das ganze Leben mit den Augen Gottes sah, darum nimmt er in solcher Schärfe Stellung gegen die Machenschaften der oberen Klasse.
Die Ausbeutung und die Übervorteilung der Mitmenschen widerspricht seinem Glauben.
Er hat sich davon nicht abbringen lassen, als man ihm entgegengehalten hat:
mein lieber Amos, halt dich aus solchen heraus, das geht dich nichts an, du sollst von Gott reden ...
Was haben wir denn für eine Auffassung vom Glauben?
Ist der Glaube an Gott nur eine Angelegenheit für Sonn- und Festtage?
Muss er nicht das ganze Leben durchdringen?
Ist der Glaube für uns nur in einem kleinen Ausschnitt maßgebend und nicht allen Bereichen?
Von Mahatma Gandhi ist der Ausspruch überliefert:
„Wer behauptet, Religion hat nichts mit Politik zu tun, der hat noch nicht verstanden, was Religion ist."
Unbestechlicher Anwalt des Menschen im Namen Gottes, ein furchtloser Mahner - das war Amos gewesen.
Jeder in der Kirche darf und muss das heute sein: engagiert, das heißt dem Menschlichen verpflichtet, vom Wohl des Menschen in Pflicht genommen, auf allen Sektoren des Lebens, angefangen in der Familie bis hin zur Gesellschaft und zum Staat.
Die Kritik des Amos schärft auch unser soziales Gewissen.
Haben doch auch wir unsere heißen Eisen: Mietwucher, Ausbeutung der Arbeitskräfte, die Macht der Konzerne und Supermärkte, Parteienwirtschaft, Bürokratie und manches andere mehr.
Wo ist da nur das „ein einzig Volk von Brüdern" in Christus?

Der Theologe Heinrich Spaemann hat geschrieben:
Das Gute nicht tun heißt dem Bösen Raum geben, in sich selbst und in der Welt.
In dem Leerraum, der entsteht, wenn wir ein Werk nicht tun, das die Brüderlichkeit erfordert
und das Gott getan haben will, stürzen sich alsbald die Mächte des Bösen.
Denn es gibt keine neutrale Zone, es gibt nur Licht oder Finsternis."

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott, unser Vater will das Heil aller Menschen.
Deswegen hat er seinen Sohn Jesus Christus gesandt.
Zu ihm rufen wir:


+ für die Kirche,
auf die so viele unterdrückte und ausgenützte Menschen ihre Hoffnung setzen ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ für die Mächtigen in Politik und Wirtschaft, von deren Entscheidungen die Sicherheit und das
Wohlergehen ganzer Völker abhängen ...

+ für die Armen in unserem Land, deren Alltag von Sorge um das tägliche Brot geprägt ist,
die keine Arbeit haben und denen es an Lebenschancen fehlt ...

+ für unsere verstorbenen Angehörigen und für alle Toten, deren niemand mehr gedenkt ...

Gott unser Vater,
immer wieder tust du deine milde Hand auf und erfüllst alles, was lebt, mit deinem Segen.
Dir danken wir und dich preisen wir jetzt und in der Ewigkeit. Amen