25. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

19.09.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Ganz herzlich begrüße ich alle zu unserer Eucharistiefeier.
Wir sind der Einladung des Herrn gefolgt. Er möchte uns in dieser Feier beschenken mit seiner Gegenwart, seinem Wort und Sakrament.
Die Prophetenworte der heutigen Lesung und die Jesus-Worte im Lukas Evangelium zum Problem Gott und Reichtum sollten wir nützen als Gelegenheit zur Besinnung:
Wie sollen die Jünger Jesus mit dem Geld umgehen?
Wir wissen dass wir nicht zugleich Gott und dem Geld dienen können.
Wir wollen Gott dienen, aber es lockt uns auch der Mammon.
Wir sind berufen als Kinder des Lichtes, und doch sind wir noch so sehr Kinder dieser Welt.
Wir wollen Gott um die Kraft bitten, dass wir unseren Glauben mutig und entschieden leben können. Wir bitten um sein Erbarmen an:

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 16,1-13 oder Lk 16,10-13 )

Jesus sagte zu den Jüngern: Ein reicher Mann hatte einen Verwalter. Diesen beschuldigte man bei ihm, er verschleudere sein Vermögen.
Darauf ließ er ihn rufen und sagte zu ihm: Was höre ich über dich? Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung! Du kannst nicht länger mein Verwalter sein.
Da überlegte der Verwalter: Mein Herr entzieht mir die Verwaltung. Was soll ich jetzt tun? Zu schwerer Arbeit tauge ich nicht, und zu betteln schäme ich mich.
Doch - ich weiß, was ich tun muß, damit mich die Leute in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich als Verwalter abgesetzt bin.
Und er ließ die Schuldner seines Herrn, einen nach dem andern, zu sich kommen und fragte den ersten: Wie viel bist du meinem Herrn schuldig?
Er antwortete: Hundert Fass Öl. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich gleich hin, und schreib «fünfzig».
Dann fragte er einen andern: Wie viel bist du schuldig? Der antwortete: Hundert Sack Weizen. Da sagte er zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, und schreib «achtzig».
Und der Herr lobte die Klugheit des unehrlichen Verwalters und sagte: Die Kinder dieser Welt sind im Umgang mit ihresgleichen klüger als die Kinder des Lichtes.
Ich sage euch: Macht euch Freunde mit Hilfe des ungerechten Mammons, damit ihr in die ewigen Wohnungen aufgenommen werdet, wenn es (mit euch) zu Ende geht.
Wer in den kleinsten Dingen zuverlässig ist, der ist es auch in den großen, und wer bei den kleinsten Dingen Unrecht tut, der tut es auch bei den großen.
Wenn ihr im Umgang mit dem ungerechten Reichtum nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann das wahre Gut anvertrauen?
Und wenn ihr im Umgang mit dem fremden Gut nicht zuverlässig gewesen seid, wer wird euch dann euer (wahres) Eigentum geben?
Kein Sklave kann zwei Herren dienen; er wird entweder den einen hassen und den andern lieben, oder er wird zu dem einen halten und den andern verachten. Ihr könnt nicht beiden die

Predigt/Ansprache

Da meinte einmal ein Großgrundbesitzer: "Mein Verwalter geht während des Sommers höchstens zweimal in die Kirche, aber ich kann Gift darauf nehmen, dass ich ihn dort sehe, wenn das Evangelium vom ungerechten Verwalter gelesen wird."
Dieser Großgrundbesitzer hat entweder selber dieses Evangelium falsch verstanden oder er fürchtet, dass sein Verwalter es falsch verstehen könne.
Und tatsächlich: das Evangelium vom heutigen Sonntag wird oft missverstanden.
So manche meinen, der Herr aber habe die Schwindeleien seines Verwalters gelobt,
aber das ist durchaus nicht der Fall.
Um die Art dieses Lobes richtig zu verstehen, können wir ein Beispiel aus unserer Zeit heranziehen. Da wird im Zentralbüro- einer großen Fabrik eingebrochen und dabei ein Panzerschrank gewaltsam geöffnet. Der Betriebsleiter schaut sich den Schaden an and meint: "So gut wie diese Kassenschränke gearbeitet haben, sollten meine Arbeiter arbeiten." In diesem Fall ist klar, dass nicht der Einbruch gelobt wird, sondern die Art seiner Durchführung, und dasselbe trifft anlog beim Lob des Herrn im Evangelium zu: Er lobt nicht den Schwindel, sondern die raffinierte Art, auf die sich der Verwalter seine Zukunft zu sichern versteht. Auch für Jesus bleibt dieser Verwalter ein Betrüger.
Es ist ein Gleichnis! Kein Beispiel.
Was Jesus an diesem Verhalten lobt, ist der nüchterne Blick für die eigene Situation und das entschlossene Handeln.
Dass die Kinder der Welt in ihrer Art schlecht sind, ist für Christus und seine Zuhörer klar, aber sie sind beispielhaft in ihrer Klugheit, das heißt in ihrem Handeln. Die Kinder der Welt gehen sehr sorgfältig mit ihren Gütern um. Sie führen darüber genau Buch.
Sie überlegen sich gründlich, wie sie ihre Werte anlegen.
Sie wissen mit dem Geld umzugehen, sie sind sparsam, sie sind vorsichtig.
Der ungerechte Verwalter war klug, denn er benützte seine Möglichkeiten in der Gegenwart, um sich seinen Lebensunterhalt für die Zukunft zu sichern, in der er ganz hilflos sein würde.
Wir als Kinder des Lichtes sollten auch klugerweise jetzt unsere Möglichkeiten nutzen, um dereinst gesichert zu sein, wenn wir selber nichts mehr für uns tun können.
Das Schlüsselwort scheint mir Verantwortung zu sein: „Leg Rechenschaft ab über deine Verwaltung!" gilt nicht nur für den unredlichen Verwalter. Es gilt auch für uns. Wir haben Rechenschaft abzulegen über unseren Umgang mit den Gütern, die wir zum Leben brauchen und nutzen, mit denen wir arbeiten und Geschäfte machen. Wenn wir klug sind, werden wir einsehen, dass alles, was wir auf Erden besitzen, nur geborgt ist und dass Gott einmal von uns Rechenschaft und Zinsen fordern wird.
Die wichtigste Frage ist dabei nicht, ob es uns gelungen ist, den Reichtum zu vermehren, sondern wem das Vermögen gedient hat. Nicht die Regeln und Gesetze der Marktwirtschaft sind die entscheidenden Kriterien, nach denen wir beurteilt werden, sondern die Werte, für die wir unser Vermögen eingesetzt haben. Von entscheidender Bedeutung ist aber auch, wofür wir es einsetzen, wem es dient und wem wir dienen. Und deswegen wird der Prophet Amos, der im 8. Jahrhundert vor Christus lebte, sehr konkret. Er nennt die religiösen und sozialen Missstände der damaligen Zeit beim Namen. Er spricht gegen die menschenverachtende und damit auch Gott-verachtende Praxis ungerechten Handelns in der damaligen Geschäftswelt. Die Not der sozial Schwachen wird ausgenutzt. Man setzt sich über die in der Tora, dem Gesetz Gottes für sein Volk, festgelegte Wirtschaftsordnung hinweg.
Gerade in der schonungslos offenen Schilderung der konkreten Situation liegt die Aktualität dieses Textes. Die Inhalte und Methoden ungerechten Handelns sind sich in den Grundzügen über die Jahrhunderte hin gleich geblieben. Wir würden uns erinnern an den Welthunger, die soziale Fragen, und die ungerechte Güterverteilung auf unserer Erde.
Ich bin überzeugt, dass für jeden einzelnen von uns solch ein prophetischer Text Grundlage einer Gewissenserforschung ist für das eigene Verhalten im weitgefassten Bereich:
Gott - ich - die anderen - das Geld.
Wie sollen die Jünger Jesu mit dem Geld und Reichtum umgehen?
Wenn ich heutigen Lesung und das Evangelium richtig verstehe, geht es nicht darum, Reichtum und Geld zu verdammen. Vielmehr fordert uns der Vergleich mit dem unehrlichen Verwalter dazu auf, Geld und Besitz als Mittel zu betrachten, die wir für Ziele einsetzen, für die sich volle Anstrengung lohnt.
Die Gefahr besteht darin, dass „die wichtige Nebensache der Welt" zur Hauptsache wird und dass Menschen sich nicht klar darüber sind, für welche Ziele es sich zu leben lohnt.
Die Sorge um das Geld verselbständigt sich allzu leicht und macht jene, die dies nicht bedenken, zu Dienern ihres Reichtums.
Wer in seinem Leben bewusst Gott an die erste Stelle setzt, gelangt zu einer anderen Wertordnung als jemand, der sein Leben von den Gesetzen des Geldanhäufens bestimmen lässt. Diese andere Wertordnung fasst Jesus im Hauptgebot der Gottes- und der Nächstenliebe zusammen. Wer mein Herz hat, der ist mein Schatz.

Pater Jose Nandhikkara CMI, z. Zt. Ferienvertretung in St. Michael

Fürbitten

Guter Gott, Du hast uns Menschen geschaffen und uns diese Welt anvertraut.
Voll Vertrauen kommen wir zu Dir und bitten Dich:

Für alle Verantwortungsträger, dass sie bereit sind, solidarisch zu handeln und so zum Aufbau weltweiter sozialer Gerechtigkeit beizutragen.

Für alle, die nicht genug Anteil bekommen haben an den Gütern der Welt, um davon leben zu können. lass sie Gerechtigkeit erfahren.

Für die jungen Menschen, die nach Werten suchen, die ihr Leben ausfüllen.
Lass sie erkennen, welche Inhalte ihnen dauerhafte Lebensfreude bringen.

Für alle Menschen, die von ihrem Leben enttäuscht sind und ihre Hoffnungen schwinden sehen.

Lass sie neue Lebensperspektiven finden.
Für uns selber, dass wir die Sehnsucht nach Gott wach halten, damit wir Zeugen einer anderen Dimension sind, in der Du, Gott, im Zentrum des Denkens und Handelns stehst, damit alle Enttäuschten und Verzweifelten erfahren können, dass es Leben in Fülle in der Gemeinschaft mit dir gibt.

Gott, unser Vater, Du willst, dass wir alle Leben haben, Leben in Fülle.

Dafür danken wir Dir und preisen Dich heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.