26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

29.09.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir feiern heute das Namensfest unseres Patrons, das Fest des heiligen Erzengel Michael.
Er soll uns helfen, die vielen Widersprüche in der Welt zu erkennen, gerade die, die durch unterschiedliche Besitzverhältnisse entstanden sind.
Es gibt Völker, die hungern, und andere, die nicht wissen, wie sie ihren Reichtum verbrauchen sollen. Vor Gott ist eine solche Ordnung nicht in Ordnung.
Jesus erzählt uns deshalb im heutigen Gleichnis vom armen Lazarus von der großen Umkehr der Verhältnisse durch Gott.
Es ist eine Mahnung an uns. Eine Mahnung an die urchristlichen Amtsträger spricht auch Paulus aus - sie geht uns aber alle an: „Du aber, ein Kind Gottes, strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut."

 

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 16,19-31 )

In jener Zeit sprach Jesus:
Es war einmal ein reicher Mann, der sich in Purpur und feines Leinen kleidete und Tag für Tag herrlich und in Freuden lebte.
Vor der Tür des Reichen aber lag ein armer Mann namens Lazarus, dessen Leib voller Geschwüre war.
Er hätte gern seinen Hunger mit dem gestillt, was vom Tisch des Reichen herunterfiel. Stattdessen kamen die Hunde und leckten an seinen Geschwüren.
Als nun der Arme starb, wurde er von den Engeln in Abrahams Schoß getragen. Auch der Reiche starb und wurde begraben.
In der Unterwelt, wo er qualvolle Schmerzen litt, blickte er auf und sah von weitem Abraham, und Lazarus in seinem Schoß.
Da rief er: Vater Abraham, hab Erbarmen mit mir, und schick Lazarus zu mir; er soll wenigstens die Spitze seines Fingers ins Wasser tauchen und mir die Zunge kühlen, denn ich leide große Qual in diesem Feuer.
Abraham erwiderte: Mein Kind, denk daran, dass du schon zu Lebzeiten deinen Anteil am Guten erhalten hast, Lazarus aber nur Schlechtes. Jetzt wird er dafür getröstet, du aber musst leiden.
Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, so dass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst wenn er wollte.
Da sagte der Reiche: Dann bitte ich dich, Vater, schick ihn in das Haus meines Vaters!
Denn ich habe noch fünf Brüder. Er soll sie warnen, damit nicht auch sie an diesen Ort der Qual kommen.
Abraham aber sagte: Sie haben Mose und die Propheten, auf die sollen sie hören.
Er erwiderte: Nein, Vater Abraham, nur wenn einer von den Toten zu ihnen kommt, werden sie umkehren.
Darauf sagte Abraham: Wenn sie auf Mose und die Propheten nicht hören, werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn einer von den Toten aufersteht.

Predigt/Ansprache

Immer wieder, spätestens an unserem Namenstag, werden wir daran erinnert, dass es Heilige gibt, denen wir nachstreben sollen.
Von ihrer Tugend sollen wir lernen und das Wesentliche möglichst übernehmen.
Und was machen die, die Michael heißen? Sollen die engelgleich werden?
Aber Michael ist d e r große Fürst - er ist der Fürst der himmlischen Heerscharen.
Er wird dargestellt mit Richtschwert und erscheint als Seelenwäger.
Es wird klar, dass man diesem nicht nachkommen und schon gar nicht gleichkommen kann.
Von daher haben die Menschen seit je her, und das gilt bis heute und auch für unsere Gemeinde, ihn als Beschützer und Helfer in der Not angesehen und angerufen.
Immer wieder bitten wir um himmlische Hilfe, wenn wir uns in scheinbar aussichtslosen Situationen befinden.
Aber brauchen wir eigentlich zusätzliche Hilfe, außer den Worten Jesu?
Das heutige Evangelium bringt uns die Worte über den reichen Prasser und den armen Lazarus.
Der eine hat hier im Leben alles; aber nach seinem Hinübergang in das andere Leben muss er feststellen, dass er auf der absoluten Verlustseite gelandet ist.
Der andere hat hier im Leben nichts; aber nach seiner Auferstehung findet er sich in der himmlischen Herrlichkeit.
Wieso kommt es zu diesem harten Ausgang des Lebens für den Reichen und diesem über alle Vorstellungen hinaus glücklichen Ausgang des Lebens für den Armen?
Das liegt nicht etwa darin begründet, dass Gott irdischen Reichtum durch den Entzug der himmlischen Herrlichkeit bestraft und irdische Armut mit der Verleihung der himmlischen Herrlichkeit belohnt.
Hier geht es nicht darum, was der Mensch hat, sondern darum, was er tut.
Hätte der Reiche den Armen vor seiner Tür wahrgenommen und angenommen, dann hätten sich beide im Himmel wiedergetroffen.
Hätte der Arme sein schlimmes Schicksal zum Anlass genommen, sich gegen Gott oder Gottes Geschöpfe zu wenden, dann wäre er dem Reichen in der Verdammnis begegnet.
Der Reiche kommt also nicht ins Verderben, weil er Besitz hat.
Er verspielt quasi den Sinn des Lebens; weil er von seinem Besitz nicht lassen, nichts abgeben will. Nicht alle Reichen sind böse, nicht alle Armen sind gut.
Es kommt darauf an, was einer aus der ihm gegebenen Lebenssituation macht.
Armut kann - wir spüren es gerade wieder weltweit - genauso zum Bösen führen wie Reichtum.
Reichtum kann genauso zu einem Leben bewussten Glaubens und aufmerksamer Nächstenliebe führen wie Armut.
Jesus richtet unseren Blick nicht auf das, was wir haben, sondern auf das, was wir den Menschen tun.
Das heutige Evangelium bringt auch die feinsinnige Schilderung des Gesprächs zwischen Abraham und dem Reichen.
In dieser Unterhaltung bittet der Reiche, dass Gott den Menschen doch deutliche Zeichen geben solle, damit sie seinen Willen erkennen und nicht in die Verdammnis fallen.
Abraham antwortet und spricht zuerst von der großen Kluft, die jetzt zwischen Lazarus und dem Reichen liegt.
Tatsächlich scheint die Gier des Besitzens, die Habsucht, der Neid, die hemmungslose Raffsucht solche Abgründe zwischen den Menschen aufzureißen, man hört ja immer wieder mal von Erbschaftsstreitigkeiten und ähnlichem, dass weder ein menschliches Wort der Bitte noch ein göttliches Wort der Mahnung diese Kluft überspringen kann.
Wer der Gier nach Geld und Reichtum, wer der Gier nach Macht verfallen ist, hat ein Herz aus Stein.
Um des Geldes oder der Macht willen gehen heute wie damals Menschen über Leichen.
Abraham sagt dem Reichen dann auch, dass die an die Dinge dieser Welt verfallenen Menschen das Wort der Heiligen Schrift nicht mehr hören.
Die Schrift bezeugt den Willen Gottes hell und deutlich. Das Wort Gottes in der Hl. Schrift reicht völlig aus, um uns Menschen Weisung zu geben und uns vor dem ewigen Verderben zu bewahren. Wer aber seinem Bankkonto oder Machtgelüsten verfallen ist, lässt sich auch von den Worten der Hl. Schrift nicht mehr anrühren.
Die dritte Bitte des Mannes in der Verdammnis muss ebenfalls abgewiesen werden; denn selbst ein außerordentliches Zeichen wie die Erscheinung eines von den Toten Auferstandenen würde den habsüchtigen und besitzgierigen Menschen keine Rettung bringen.
Die Begier des Menschen wehrt sich gegen jeden Bußruf des Auferstandenen ebenso heftig, wie gegen jedes erhellende Schriftwort.
Wo das Herz eines Menschen dem Besitz verfallen ist, scheint sogar das Kreuz Christi keine Brücke mehr über den Abgrund schlagen zu können.
Und deshalb, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, werden Heilige soundso oft, um Hilfe angerufen.
Machen wir uns nichts vor. Nehmen wir die Heiligen als das, was sie sind - Menschen, denen es gelungen ist, das Wort des Herrn ernst zu nehmen und es im Leben wirksam werden zu lassen.
Ihr Andenken soll uns auf unserem Lebensweg begleiten und uns vor Fehlentscheidungen bewahren.
Wir werden wachsam sein müssen, dass unser Besitz oder das, was wir am meisten mögen, nicht anfängt, uns zu besitzen, damit St. Michael nicht Seelenwäger sein muss für uns, sondern
fürstlicher Begleiter des Wertvollsten in uns - unserer Seele, vor das Angesicht Gottes, wenn es soweit ist. Amen.

Peter Völkel, Diakon in St. Michael

Fürbitten

Guter Gott, wir stellen uns heute unter den besonderen Schutz des Erzengels Michael und bitten ihn, unsere Bitten vor dich hinzutragen, denn du hast ein Ohr für alle, die arm sind oder schwach.
Wir stehen vor dir mit unseren ideellen Bitten, in unserer materiellen Welt.
Wir beten: Erhöre uns, o Gott.


Um Gerechtigkeit für alle Völker und für jeden einzelnen Menschen dieser Erde.


Um Frömmigkeit für alle Christen, die, die mit dir in ihrem Leben nicht mehr
rechnen, die, die Hilfe deiner Heiligen bedürfen, die, die deine Worte nicht hören
und verstehen.


Um Glauben für die Menschen, deren Horizont sich nur auf das Materielle beschränkt.


Um Liebe für alle, die nur noch sich selbst im Blick haben und denen das Geschehen um sich herum und in der Welt egal geworden ist.


Um Standhaftigkeit für die, die mit ihrer ganzen Kraft für die Kleinen, Hilflosen und Entrechteten einstehen.


Um deine Gnade und Barmherzigkeit für die, die im Angesicht des Todes stehen
und die, die unvorbereitet der Tod getroffen hat.


Dir, Gott, vertrauen wir uns an. Unser Innerstes kennst du. Hilf uns dabei, uns so zu korrigieren, dass wir deinem Weg folgen können und das Ziel unseres Lebens bei dir nicht verfehlen.
Erhöre unsere Bitten, und bleibe bei uns bis ans Ende der Zeit.
Dir sei Lob und Preis in Ewigkeit. Amen.