30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

24.10.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Unsere Zeit ist geprägt von großer Ratlosigkeit im öffentlichen wie im privaten Leben. Hunger und Armut, Krieg und Terror scheinen unausrottbar zu sein. Die Selbstmordziffern sowie die Zahl der Drogenabhängigen und der Alkoholkranken sprechen beredt von der Hilflosigkeit von uns Menschen, mit den Lebensproblemen umzugehen. Da haben wir Christen eine große Aufgabe: einerseits unser eigenes Leben mit seinen Höhen und Tiefen, mit seinen Erfolgen und seinem Scheitern gläubig anzunehmen und andererseits an der Stelle, an der wir stehen, Zeugen dafür zu sein, was es heißt: Christ, also Erlöster zu sein; und dann noch dazu beizutragen, damit andere an der Freude der Hoffnung eines christlichen Lebens Anteil erhalten durch missionarische Impulse, die von uns ausgehen. In dieser Feier wollen wir für das Geschenk des Glaubens danken und den Herrn für jene bitten, die noch auf der Suche sind...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 18,9-14 )

Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel:
Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.
Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort.
Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens.
Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!
Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Predigt/Ansprache

Das ist uns allen schon passiert: wir hören die Geschichte vom Pharisäer im Tempel und unwillkürlich denken wir: ein fieser Kerl! so bin ich nicht! Gott sei dank! Und die spontane Reaktion hat uns einen üblen Streich gespielt. Denn im gleichen Augenblick stehen wir neben dem Pharisäer und haben seine Selbstbeweihräucherung fast wörtlich nachgebetet. Wir haben getan, was wir alle so gern tun: sortiert, klassifiziert, klischiert. Die Leute zurzeit Jesu hatten die Klischeevorstellung Zöllner - das ist ein schlechter Mensch, und Pharisäer - das ist ein Guter, ein Gerechter, einer der in Ordnung ist. Mit einer Negativfigur will keiner etwas zu tun haben, geschweige denn, sich mit ihr auf eine Stufe stellen. Durch Jahrhunderte lange Gewöhnung ist für uns der Pharisäer zu einer Negativfigur geworden. Wenn wir erleichtert feststellen: Gott sei Dank! so einer bin ich nicht, dann sind wir genau wie er. Genau? Ach, könnten wir wenigstens das doch von uns sagen! Der Pharisäer ist ein eifriger Mann. Mit keiner Silbe deutet Jesus an, dass der Mann in seinem Gebet übertrieben hat. Er tut alles, was das Gesetz von einem Frommen erwartet hat.
Er hat niemanden ausgeraubt, er beutete keinen aus, auch wir tun das nicht! Er war treu in der Ehe, das können wir nicht alle unter uns sagen. Er fastete zweimal in der Woche, er ist also ein 150prozentiger und er gibt den zehnten Teil seines Einkommens für die Belange der Religionsgemeinschaft - so großzügig sind wir nicht und asketisch leben ist anstrengend.
Der Pharisäer hat mehr getan als verlangt wurde. Wie ein korrekter Buchhalter zählt er das vor Gott auf und zieht die Summe. Sein Resultat lautet: Ich hab's geschafft; Gott hat allen Grund, mit mir zufrieden zu sein. Bin ich nicht ein toller Mann?!
Ein armes Würstchen dagegen ist der Zöllner. Nicht nur dass er mit leeren Händen dasteht, sie sind sicher auch beschmutzt mit allerlei Betrügereien. Erstaunlich genug, dass er überhaupt den Weg in den Tempel fand. Vielleicht hat ihn auf einmal die Angst gepackt. Wohin soll er sich flüchten wenn nicht in die Arme Gottes? Was da gestammelt wird, was inbrünstig- ich sage bewusst das unmoderne Wort -was inbrünstig aus ihm heraus bricht, kann man nicht vergleichen mit den wohl gebauten Sätzen des Pharisäers.
Nein, das kann man nicht. Denn es trifft das Herz Gottes; er ging gerechtfertigt nach Hause, jener nicht.
Der Zöllner hat nichts beschönigt; er weiß wie er lebt. Er hat sich dazu bekannt. Aus seiner ehrlichen Selbsteinschätzung kam die Bitte: Gott, sei mir Sünder gnädig. Sein Vertrauen in Gott ist größer als sein Erschrecken vor seiner Schuld. Aus Erfahrung wissen wir doch alle, wie wir uns immer wieder rechtfertigen wollen, um gut dazustehen vor uns selbst, vor den anderen und auch vor Gott. Wir glauben manchmal mehr an uns selbst als an einen verstehenden und verzeihenden Gott. Der Zöllner freilich hat mehr an einen solchen Gott geglaubt als an sich. Er beruft sich nicht auf sich, sondern er ruft zu Gott: Gott, sei mir Sünder gnädig.
Das ist die gute Nachricht für uns: dass wir uns nicht ausweisen müssen mit Leistungen und Verdiensten, dass man keinen guten Namen braucht und keine weiße Weste, um bei Gott vorgelassen zu werden, kein besonderes Ansehen. Der Gott, den Jesus verkündet, ist einer, der sich an uns verschenken will, nicht einer der sich verkaufen möchte. Gott ist nicht käuflich, er gibt sich umsonst, gratis, das heißt aus Gnade, ganz einfach weil ihm an uns alles gelegen ist.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

In der Heiligen Schrift heißt es: Das Flehen der Armen dringt durch die Wolken.
Im Vertrauen darauf wollen wir beten:


* wir beten für die Völker, die gefangen sind in einer Spirale von Hass und Gewalt,
für die Menschen, die verletzt sind an Leib und Seele...

Herr, erbarme dich ... Gott, sei ihnen gnädig...

* wir beten für Menschen auf der weiten Welt, die auf der Suche sind nach einer Botschaft, die ihnen Halt gibt für ihr Leben und die sie im Guten bestärkt...

* wir beten für alle, die um ihres christlichen Glaubens willen zu leiden haben:
für die Priester, die trotz staatlicher Verfolgung bei ihrer Herde bleiben,
für die Gläubigen, die beruflich und gesellschaftlich benachteiligt werden...

* wir beten für die Menschen, die sich wertlos fühlen, weil sie den Anforderungen des Lebens nicht gewachsen sind oder weil sie versagt haben...

* wir beten für alle, die materiell in große Not geraten sind und keinen Ausweg sehen
und wir beten für jene, die sich ihrer Not schämen und keinen Mut haben, um Hilfe zu bitten...

* wir beten für unsere Verstorbenen, mit denen wir im Frieden sind, und auch für jene, an denen wir uns noch in der Erinnerung reiben...

Gott unser Vater, du bist denen gnädig, die dir vertrauen. Wir preisen dich in dieser Zeit und in der Ewigkeit.

Segensgebet

Der Segen Gottes durchströme euren Geist, eure Seele und euren Leib.
Er richte euch auf, wenn ihr niedergedrückt und gebeugt seid.
Er stärke euch, wenn ihr auf eurem Lebensweg schwankt und wankt.
Er fange euch auf, wenn ihr den Boden unter den Füssen verliert.
Er fülle euren Mund mit Freude, mit Lachen und Dankbarkeit.
So segne euch ...