32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

07.11.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Im November gedenken wir mehr als zu anderen Zeiten an die Vergänglichkeit und an den Tod. Damit kommt eine Wirklichkeit in unseren Blick, die wir sonst gern übersehen.
Zwar gedenken wir Christen bei jeder heiligen Messe ausdrücklich des Sterbens unseres Herrn Jesus Christus; aber der Gedanke daran ist uns so selbstverständlich, dass wir seinen Ernst kaum mehr wahrnehmen.
Es ist wirklich so: im Mittelpunkt dieser Feier steht der Tod eines Menschen, des Menschen, der sich für uns hingegeben hat, damit für uns der Tod seinen Schrecken verliere. In der Auferstehung Christi liegt die Verheißung, dass es auch für uns ein unzerstörbares Leben gibt.

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 20,27-38 oder Lk 20,27.34-38 )

Von den Sadduzäern, die die Auferstehung leugnen, kamen einige zu Jesus und fragten ihn: Meister, Mose hat uns vorgeschrieben: Wenn ein Mann, der einen Bruder hat, stirbt und eine Frau hinterlässt, ohne Kinder zu haben, dann soll sein Bruder die Frau heiraten und seinem Bruder Nachkommen verschaffen.
Nun lebten einmal sieben Brüder. Der erste nahm sich eine Frau, starb aber kinderlos.
Da nahm sie der zweite, danach der dritte und ebenso die anderen bis zum siebten; sie alle hinterließen keine Kinder, als sie starben.
Schließlich starb auch die Frau. Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.
Da sagte Jesus zu ihnen: Nur in dieser Welt heiraten die Menschen. Die aber, die Gott für würdig hält, an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten teilzuhaben, werden dann nicht mehr heiraten.
Sie können auch nicht mehr sterben, weil sie den Engeln gleich und durch die Auferstehung zu Söhnen Gottes geworden sind.
Dass aber die Toten auferstehen, hat schon Mose in der Geschichte vom Dornbusch angedeutet, in der er den Herrn den Gott Abrahams, den Gott Isaaks und den Gott Jakobs nennt.
Er ist doch kein Gott von Toten, sondern von Lebenden; denn für ihn sind alle lebendig.
Da sagten einige Schriftgelehrte: Meister, du hast gut geantwortet.
Und man wagte nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

 

Predigt/Ansprache

Ein komisches Evangelium, ein konstruierter Fall, eine Falle, in die Jesus tappen soll, um sich lächerlich zu machen. Es geht freilich um eine Frage, die entscheidend ist; eine Frage, die Glaubende von Nicht-Glaubenden trennt: gibt es eine Zukunft über den Tod hinaus? Oder ist es so, dass der Mensche wie eine abgebrannte Kerze verlischt, dass man im Sterben ins große Nichts hinein verendet?
Die Gruppe der Sadduzäer war dieser Überzeugung: der Mensch endet im Tod, voll und ganz.
Sie fanden das Thema Auferstehung in den fünf Büchern des Mose nicht behandelt; deshalb gab es für sie dieses Thema nicht und auch nicht dessen Sache. Laut Meinungsumfragen des Focus vom April dieses Jahres gehören heute 52 Prozent der deutschen Bevölkerung dieser Richtung an: mit dem Tod ist alles aus, es gibt keine Auerstehung.
Die Pharisäer dagegen waren der Meinung, die Gläubigen hätten ein Leben nach dem Tod zu erwarten. Für sie war das kommende Leben freilich nichts anderes als die Fortsetzung des irdischen Lebens: es geht alles im wesentlichen unverändert weiter, nur ohne Probleme, ohne Schmerz und Leid. Man isst und trinkt, nur sorgenfrei, man heiratet und wird geheiratet, nur ohne Risiko.
Da haken die Sadduzäer ein, konstruieren einen Fall und wollen Jesus blamieren. Der aber gibt souverän eine zweifache Antwort. Einmal gegen die Pharisäer, denn sie denken viel zu kindisch und zu primitiv über das, was Gott denen bereitet, die ihn lieben. Nach der Aussage des Herrn beginnt im Sterben etwas völlig anderes, ein Leben, das mit unseren Maßstäben von Essen und Trinken und Heiraten nicht verglichen werden kann; ein Leben, das mit unseren Worten nicht ausgedrückt werden kann. Es beginnt eine Neuschöpfung.
Ehrlich, ist unsere Vorstellung von dem, was wir Himmel nennen, nicht ähnlich armselig und primitiv?
Auch wir erwarten eine Fortsetzung unseres Lebens mit all seinen Vorzügen und in all seinen Vollzügen nur ohne jegliches Problem und ohne jede Enttäuschung.
In seiner Antwort schlägt Jesus dann auch die Sadduzäer und zwar mit ihren eigenen Waffen.
Sie hatten sich auf Mose berufen; der aber hatte schon in der Geschichte vom brennenden Dornbusch Gott einen Gott der Lebenden und nicht von Toten genannt. Wenn er ein Gott der Lebenden ist, dann hat seine Schöpferkraft nur das eine im Sinn: seine Geschöpfe in sein Leben hinein zunehmen.
ER ruft allen zu: Ich lebe und auch ihr sollt leben! ER allein ist mächtiger als der Tod.
Er allein spricht in den Tod hinein: Seht, ich mache alles neu.
Wir müssen uns entscheiden, wem wir glauben wollen: den Predigern einer Diesseitigkeit
und ihrer Botschaft wie sie zum Beispiel Bert Brecht ausgesprochen hat:
Lasst euch nicht verführen.
Es gibt keine Wiederkehr.
Der Tag steht in den Türen;
Ihr könnt den Nachtwind spüren:
Es kommt kein Morgen mehr.
Lasst euch nicht betrügen!
Das Leben wenig ist.
Schlürft es in schnellen Zügen!
Es wird euch nicht genügen,
wenn wir es lassen müsst.
Lasst euch nicht vertrösten!
Ihr habt nicht zu viel Zeit!
Lasst Moder den Erlösten!
Das Leben ist am größten:
Es steht nicht mehr bereit.
Lasst euch nicht verführen
Zu Fron und Ausgezehr!
Was kann euch Angst noch rühren?
Ihr sterbt mit allen Tieren.
Und es kommt nichts nachher.
Oder vertrauen wir diesem Jesus, der im eigenen Sterben erfahren hat, dass der Mensch auch im Tod nicht aus der Hand Gottes fällt, sondern gerade da aufgefangen wird und hinein genommen in neues Leben mit Gott.
Wir beten das Credo, manchmal so recht nebenher, ohne viel zu denken.
Es stellt uns heute vor die Frage, zu welcher Gruppe von Glaubenden wir gehören: zu den 52 Prozent, für die Ostern ein Wochenende ist wie jedes andere, oder zu jenem geringeren Teil, der sich nicht beirren lässt, von Gott alles zu erhoffen, auch ein Leben nach dem Tod, das ewige Leben.
Therese von Lisieux betete auf ihrem Krankenlager: Herr, halte du mich fest, damit ich durchhalte. Herr, halte auch uns fest, damit wir diesen Glauben durchhalten und wir durchgetragen werden in ein neues Leben, das du schenkst, wenn du alles nimmst...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir beten zu Gott, der kein Gott der Toten ist, sondern ein Gott der Lebenden.


* Wir beten für die Kirche, die den Auftrag hat, Zeugnis zu geben vom Glauben an die Auferstehung...

Lebendiger und lebensspendender Gott ... Herr, erbarme dich

* wir beten für die Ärmsten der Armen, für die Opfer von Terror und Krieg, für die aus ihrer Heimat Vertriebenen, für die Menschen in den Hungergebieten der Erde...

* wir beten für die Schwerkranken, die herausgerissen sind aus aller Sicherheit, für die Menschen, deren Leben in diesen Tagen zu Ende geht...

* wir beten für jene, die um einen verstorbenen Menschen trauern; für alle, die sich einem Verstorbenen gegenüber schuldig fühlen...

* wir beten für alle, die uns durch das Tor des Lebens vorausgegangen sind...

Du, Gott der Lebenden, bist unsere Hoffnung.
Auf dich schauen wir und dich preisen wir in dieser Zeit und in der Ewigkeit. Amen

 

Segensgebet

Gott, wir leben.
Wir arbeiten, um zu leben.
Wir genießen das Leben.
Wir bangen um unser Leben.
Aber leben wir wirklich?
Was meinen wir mit Leben?
Was ist denn das Leben?

Dein Sohn sagt: Was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, dabei aber sein Leben verliert?
Ist Leben nicht mehr als essen und trinken, als arbeiten und genießen, als lachen und weinen?

Dieses Leben - vergeht schnell.
Das wahre Leben - bleibt.
Das wirkliche Leben - ist uns geschenkt.
Leben, das du meinst, ist Vertrauen und Hoffen, ist Lieben und Menschsein,
ist Preis und Dank, ist Einssein mit dir.
Gott, lass mich dieses dein Leben dankbar annehmen als ein Geschenk. (Theo Schmidkonz SJ)

Guter Gott, dein Geist ist es, der uns immer wieder erleuchtet, der uns ermutigt und bereit macht, unser ganzes Vertrauen in dich zu setzen.
Begleite uns auf unserem Weg und lass uns über alle Stolpersteine des Lebens hinweg das Ziel sehen, das du selber bist.
Zeige uns, wie herrlich du bist und wie selig es ist, dir in allem vertrauen zu können.
So bitten wir Dich durch Christus unseren Herren Amen.

Gott, der das Leben verheißt, segne und behüte euch.
ER sei mit euch auf eurem Weg, er trage euch in seiner Liebe, besonders dort, wo eure Schritte zögerlich und schwer werden.
Er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch zugeneigt, denn seine Gnade gibt euch das Leben heute und alle Tage bis zur Ewigkeit.
So segne euch der allmächtige Gott der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.