33. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

14.11.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Der Monat November erinnert uns jedes Jahr an die Vergänglichkeit alles Irdischen.
Wir Christen bleiben dabei aber nicht stehen. Die Kirche erinnert uns an das, was danach kommt: nach all dem, was die Schönheit und Herrlichkeit dieser Welt ausmacht, und nach den Katastrophen, die über die Welt hereinbrechen oder die sich die Menschen selbst bereiten.
Die Kirche erinnert uns in diesem Zusammenhang auch an ein Wort Jesu: Richtet euch auf, und erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe. (Lk 21, 28)
Dieses Wort auch jetzt für uns, wenn wir uns zum Gottesdienst versammeln, aufgerichtet vor Gott, weil er uns kennt, auch unsere Fehler und Schwächen, und mit frohem Herzen, weil er Heil schenkt.

Erste Lesung (Mal 3,19-20b )

Denn seht, der Tag kommt, er brennt wie ein Ofen:
Da werden alle Überheblichen und Frevler zu Spreu und der Tag, der kommt, wird sie verbrennen, spricht der Herr der Heere. Weder Wurzel noch Zweig wird ihnen bleiben.
Für euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und ihre Flügel bringen Heilung. Ihr werdet hinausgehen und Freudensprünge machen, wie Kälber, die aus dem Stall kommen.

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 21,5-19 )

Als einige darüber sprachen, dass der Tempel mit schönen Steinen und Weihegeschenken geschmückt sei, sagte Jesus: Es wird eine Zeit kommen, da wird von allem, was ihr hier seht, kein Stein auf dem andern bleiben; alles wird niedergerissen werden.
Sie fragten ihn: Meister, wann wird das geschehen und an welchem Zeichen wird man erkennen, dass es beginnt?
Er antwortete: Gebt Acht, dass man euch nicht irreführt! Denn viele werden unter meinem Namen auftreten und sagen: Ich bin es!, und: Die Zeit ist da. - Lauft ihnen nicht nach!
Und wenn ihr von Kriegen und Unruhen hört, lasst euch dadurch nicht erschrecken! Denn das muss als erstes geschehen; aber das Ende kommt noch nicht sofort.
Dann sagte er zu ihnen: Ein Volk wird sich gegen das andere erheben und ein Reich gegen das andere.
Es wird gewaltige Erdbeben und an vielen Orten Seuchen und Hungersnöte geben; schreckliche Dinge werden geschehen und am Himmel wird man gewaltige Zeichen sehen.
Aber bevor das alles geschieht, wird man euch festnehmen und euch verfolgen. Man wird euch um meines Namens willen den Gerichten der Synagogen übergeben, ins Gefängnis werfen und vor Könige und Statthalter bringen.
Dann werdet ihr Zeugnis ablegen können.
Nehmt euch fest vor, nicht im voraus für eure Verteidigung zu sorgen;
denn ich werde euch die Worte und die Weisheit eingeben, sodass alle eure Gegner nicht dagegen ankommen und nichts dagegen sagen können.
Sogar eure Eltern und Geschwister, eure Verwandten und Freunde werden euch ausliefern und manche von euch wird man töten.
Und ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden.
Und doch wird euch kein Haar gekrümmt werden.
Wenn ihr standhaft bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen.

Predigt/Ansprache

Es gibt zwei Möglichkeiten, sich die Zukunft vorzustellen. Zum einen kann das gegenwärtige Leben so trostlos und drückend sein, dass von der Zukunft eine Änderung erwartet wird; zum anderen können die gegenwärtigen Eindrücke vom Leben so beglückend sein, dass man sie gerne verewigen möchte.
Diese beiden Gesichter der Hoffnung kennt auch die Bibel, wenn sie von der Zukunft spricht.
In der Apokalypse heißt es: Gott werde dem Leid ein Ende bereiten und alle Tränen abwischen.
Als Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg Tabor den Herrn in seiner Verklärung erleben, will Petrus diesen Augenblick für alle Ewigkeit festhalten: Lass uns drei Hütten bauen.
Dass Petrus vom Herrn in die Wirklichkeit zurückgeholt wird, zeigt für uns alle, dass unser Leben gezeichnet ist durch seine Vergänglichkeit, oder schärfer formuliert: durch das Ausgeliefertsein an die Zeit, die nicht stehen bleibt, sonder vergeht.
Dürfen die Glaubenden, dürfen wir von Gott erwarten, dass Seligkeit und nicht Bedrängnis, dass Freude und nicht Leid das letzte Wort haben werden?
Die knappen Sätze der Lesung aus dem Buch des Propheten Maleachi geben eine Antwort, die bis heute nicht überholt ist. Ja, es ist wahr, dass im Lauf der Welt und im der Lebensgeschichte des Einzelnen vieles rätselhaft und ungerecht ist, so dass jemand daran irre werden kann. Der Glaube muss deswegen ein gerüttelt Maß Hoffnung in sich tragen, um nicht zu ersticken an Unsicherheiten und Zweifeln.
Glaube wäre nicht Glaube im Sinn von Vertrauen, wenn er diese Belastungsprobe verweigern würde.
Maleachi spricht vom Tag des Herrn, der alles wieder ins rechte Lot bringen wird, was jetzt aus den Fugen geraten ist. Gott hat sich nicht geändert, auf IHN ist Verlass, auch wenn es oft scheint, als würde seine Gerechtigkeit zerbrechen am Unrecht dieser Welt.
Mit dem Tag des Herrn wird allen Gerechtigkeit zuteil, die am Namen Gottes festgehalten haben und nicht dem Sog des Bösen erlegen sind. Mag vieles für den Augenblick Vorteil versprechen, es wird wie Spreu in einem brennenden Ofen vergehen, wenn es zu Lasten anderer ging und damit Sünde war.
Was der Tag des Herrn offen legen wird in aller Klarheit, das soll der Glaubende schon jetzt zu leben versuchen, indem er - wie die Lesung sagt- den Namen Gottes fürchtet, nicht im Sinne der Angst, sondern der Ehrfurcht und der Liebe.
Diese Haltung zeigt sich in der Hoffnung, die über den Augenschein des Momentanen hinausreicht und sich nicht unterwirft den Maßstäben der Gewalt und des Egoismus.
Das wiederum verlangt Mut zu Widerstand gegen die großen Namen unserer Welt wie Geld und Macht, wie Herrschaft und rücksichtlose Durchsetzungskraft oder wie das Suchen nach dem eigenen Vorteil.
Vorfreude auf eine Zukunft, in der es weder Leid noch Unrecht geben wird, wird nur aufkommen, wenn zu spüren ist, wie viel Menschlichkeit gewonnen wird im Durchhalten des Guten und im Widerstand gegen das Böse.
Vorfreude wiederum beflügelt, und lässt auch bei Rückschlägen nicht resignieren, sondern lässt dem Reich Gottes entgegen gehen, als dem Reich der Gerechtigkeit und des Friedens
und der Freude, und zwar aktiv handelnd in Gerechtigkeit, den Frieden schaffend und Freude bringend.
Den Namen Gottes ehren könnte weiter bedeuten: mit Gott selbst einen Verbündeten auf unserer Seite wissen, auf den Verlass ist. Immer wieder sind wir ja in Versuchung, unsere Zukunft allein sichern zu wollen; wie die Turmbauer zu Babel wollen wir uns einen unvergänglichen Namen machen, der uns das Überleben garantieren soll.
Wir wollen weiterleben in unseren Werken oder in unseren Kindern; wir setzten auf die eigenen Kräfte und wollen nicht abhängig sein, auch nicht von der Zusage Gottes, uns Leben zu schenken.
All diese Versuche gleiche Häusern, die auf Sand gebaut sind. Kurzfristig gaukeln sie Sicherheit vor, aber Bleibendes, ewiges Leben ist so nicht zu gewinnen, spätestens beim Tod blieben nur Trümmer.
Wer sein Überleben in der Zukunft unlösbar mit dem Vertrauen in Gott verknüpft hat, wird eine Zukunft haben, die nur in Bildern umschrieben werden kann: die Sonne der Gerechtigkeit wird aufgehen, ihre Strahlen bringen Heilung für alle Wunden, die wir im Leben davongetragen haben.
Solches Vertrauen, solcher Glaube soll in uns wachsen und reifen.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Der Herr hat uns zum Vertrauen auf Gottes Hilfe ermutigt.
So beten wir:


* für unsere Kirche, die in unserer Gesellschaft mit ihrer Botschaft von der Auferstehung und vom ewigen Gericht einen schweren Stand hat...

Herr, erbarme dich ... Herr, erbarme dich ...

* für die Regierenden, die um das Wohl ihrer Völker bemüht sind; und auch für jene Menschen, die von Hass erfüllt sind und Versöhnung und Frieden verhindern...

* für die christlichen Brüder und Schwestern, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden, für alle, die aus Angst schwach geworden sind, und für alle, die den Glauben leichtfertig aufgegeben haben...

* für die Menschen, die in großer Angst vor der Zukunft leben; die Menschen mitten unter uns, die ohne Arbeit sind, für die Kranken, die ein Ende ihrer Not ersehnen...

* für die Verstorbenen, für die Opfer von Krieg und Gewalt, für jene, die jäh aus dem Leben gerissen wurden, für alle, die uns nahe standen und die wir vermissen...

Allmächtiger Gott, in aller Unsicherheit dürfen wir auf das Wort deines Sohnes bauen.
Für ihn danken wir dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen

Segensgebet

Es segne euch Gott, der Kraft ist und Zuversicht gibt.
Er gehe die Wege eures Lebens mit euch.
Er bleibe euch zugetan und mache euch stark durch den Glauben an ihn.
Er helfe euch, in Liebe zu leben und gerecht zu sein zu jedem Menschen.
Es segne euch Gott, damit ihr Zeugnis ablegen könnt für ihn in der Welt eures Alltags.

Es segne euch der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.