2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

18.01.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Wir brauchen Feste für unsere seelische Gesundheit, um Mensch zu bleiben. So wahr es ist, dass man nicht jede Woche die Kerzen am Weihnachtsbaum anzünden kann, dass nach zwei Feiertagen mit Feinschmeckerküche das Schwarzbrot wieder schmeckt, so wahr ist es auch, dass wir zwischen den Werktagen Sonntage und im grauen Alltag Feste brauchen. Sie sind wie Steine in einem unruhigen Wasser, die uns helfen, über Wasser zu bleiben und an ein anderes Ufer zu kommen.
Wir brauchen Feste aber auch, weil wir sie uns gegenseitig schulden. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir Freunde haben, dass wir Hilfe erfahren, dass es Liebe gibt, dass es Menschen gibt, die Gutes tun und die Schönes schaffen in der Welt. Sie verdienen nicht, hinter Sorgen oder Ärger vernachlässigt zu werden.
Und was Gott betrifft, so schulden wir das Feiern auch ihm. Ganz gleich, ob wir ein kirchliches Fest feiern oder einen Geburtstag - immer geht unser Dank über den sichtbaren Vordergrund hinaus und gilt ihm, dem Geber alles Guten. Ihn rufen wir an, damit wir freien Herzens unser Fest hier feiern können...

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (Joh 2,1-11 )

Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt und die Mutter Jesu war dabei.
Auch Jesus und seine Jünger waren zur Hochzeit eingeladen.
Als der Wein ausging, sagte die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr.
Jesus erwiderte ihr: Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter sagte zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut!
Es standen dort sechs steinerne Wasserkrüge, wie es der Reinigungsvorschrift der Juden entsprach; jeder fasste ungefähr hundert Liter.
Jesus sagte zu den Dienern: Füllt die Krüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis zum Rand.
Er sagte zu ihnen: Schöpft jetzt und bringt es dem, der für das Festmahl verantwortlich ist. Sie brachten es ihm.
Er kostete das Wasser, das zu Wein geworden war. Er wußte nicht, woher der Wein kam; die Diener aber, die das Wasser geschöpft hatten, wußten es. Da ließ er den Bräutigam rufen
und sagte zu ihm: Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.
So tat Jesus sein erstes Zeichen, in Kana in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.
Danach zog er mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern nach Kafarnaum hinab. Dort blieben sie einige Zeit.

Predigt/Ansprache

Vieles in unserem Leben ist eingestellt auf Zahl, Maß und Gewicht. Was wir berechnen können - das allein gilt als wirklich und wahr. Wir haben gewiss große Erfolge erzielt, mit dem, was wir berechnet haben oder errechnet. Aber die ganze Wirklichkeit haben wir damit nicht erreicht, höchstens den Vordergrund, hinter dem sich die eigentliche Tiefe verbirgt. Wir sind dadurch nicht besser, nicht glücklicher, nicht menschlicher geworden.
Auch unser Glaube lässt sich nicht in mathematischen Formeln erfassen und darstellen. In seiner Tiefe und in seiner Breite wird er nur zugänglich in Bildern, die sein Unsagbares, sein Geheimnis deuten. Wir brauchen Bilder, in denen der Glaube zu uns spricht. Solche Bilder finde ich im heutigen Evangelium.
Ein Wunder wir dort erzählt. Mitten in einer berechenbaren, zählbaren und wägbaren Welt geschieht etwas, das alles Berechnen, Wägen und Zählen hinter sich lässt. Das Wunder ist mehr als die vordergründige Befreiung des Bräutigams aus einer peinlichen Verlegenheit. Es ist wie jedes Wunder Jesu ein Bild für das endgültige Heil des Menschen. Die Zukunft, in die der Glaube uns einlädt; ist eine Zukunft der Fülle, die alles Zählen und Machenkönnen, die allen Mangel hinter sich lässt. Die Vollendung beginnt, die wir in dunklen Vorstellungen ahnen und Visionen ersehnen, von der wir aber auch wissen, dass wir sie uns nicht selber geben können, dass wir sie nur als Geschenk empfangen können aus der Hand eines anderen. Es ist eine Vollendung, in der es keine Störfaktoren mehr gibt: nicht das Böse und nicht den Tod. Es ist die Vollendung, in der Liebe so selbstverständlich vorhanden ist, wie die Luft, die wir atmen. Ein anderes Bild, dem wir begegnen, ist das Bild vom Hochzeitsmahl. Jesus hat das Reich Gottes oft verglichen mit einem Hochzeitsmahl, das Gott am Ende ausrichten wird.
Die nie endende Gemeinschaft mit Gott wir da gefeiert. Gott selbst ist der Gastgeber, der zu Tisch bittet. Alle sind eingeladen, wie immer auch ihre Lebensumstände waren in dieser Welt. Was wir jedem bezeugen, den wir an unseren Tisch einladen, das bezeugt uns Gott: sein Vertrauen, seine Liebe, und seine Gemeinschaft. In der Eucharistie, die wir miteinander feiern. ist dieses Mahl vorgebildet. Ein alt überliefertes Gebet lautet: O heiliges Gastmahl, in dem Christus genossen, das Andenken an sein Leiden gefeiert und uns ein Unterpfand der künftigen Herrlichkeit gegeben wird. Hier können wir unsere Hoffnung stärken, und Hoffnung weitertragen in eine zukunftsarme Welt. Das dritte Bild, dem wir im Evangelium begegneten, ist das der Verwandlung. Auch das ist ein Grundbild unseres Lebens. Niemand möchte so bleiben wie er ist. Der alte und hässliche Mensch soll vergehen und ein neuer Mensch soll aus uns werden. Das geschieht nur dann, wenn uns einer liebt. Durch den Kuss der Liebe wird aus dem Frosch ein Prinz. Der Feige soll sich in einen Mutigen wandeln, der Träge in einen Eifrigen, der im Egoismus Erkaltete in einen, der aus Liebe glüht, der in Gewohnheit Erstarrte in einen, der mit dem ganzen Herzen dabei ist, als überkäme ihn die erste Liebe wieder. So können wir uns wandeln durch das, was Gott uns gibt: als einzelne, als Familie, als Kirche, wenn wir teilnehmen am Sakrament der Wandlung, der Eucharistie, wo die Gaben von Brot und Wein sich wandeln, in Leib und Blut Christi, die Zeichen seiner Hingabe für die Rettung der Welt.
Das ist das Wunder, das Gott an uns wirken will: dass auch wir uns verschenken, hingeben und einsetzen. In der Hektik und im Stress des täglichen Lebens suchen wir oft nach Stille und Ruhe und nach innerem Halt. In den Bildern, die Jesus gebraucht, finden wir das. Sie kommen aus der Tiefe und wollen in die Tiefe hineinführen, wo Gott auf uns wartet, um uns zu beruhigen, um uns zu uns selbst zu bringen, um uns in ihm festzumachen, in ihm, dem Geber alles Guten.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Laßt uns beten zu unserem Herrn Jesus Christus, in dem Gottes Liebe sichtbar erschienen ist:


· für die getrennten christlichen Kirchen:
dass sie zusammenfinden zur Einheit im gemeinsamen Glauben, in der einen Hoffnung und in tätiger Liebe... Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

· für die Völker der Erde:
dass sie sich gemeinsam verantwortlich fühlen füreinander und für eine Zukunft ohne Gewalt und ohne Krieg...

· für alle, die verzweifelt sind und keinen Ausweg wissen:
dass sie in menschlichen Begegnungen Gottes Liebe entdecken und erfahren können...

· für die Eheleute, besonders für die, die es schwer miteinander haben:
dass sie wieder die guten Seiten im Partner sehen und miteinander Freud und Leid bewältigen können...

· für unsere Verstorbenen:
dass Gott ihnen alles Gute lohne mit der Fülle seines Lebens...

Erhöre uns, barmherziger Gott, weil wir dich bitten im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und wirkt in alle Ewigkeit. Amen