2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

14.01.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

25. jähriges Dienstjubiläum unseres Kirchenmusiker


Wir alle brauchen Feste für unsere seelische Gesundheit, um „Mensch" bleiben zu können.
So wahr es ist, dass man nicht jede Woche die Kerzen am Weihnachtsbaum anzünden kann,
dass nach zwei Feiertagen das Schwarzbrot wieder schmeckt, so wahr ist es auch, dass wir zwischen den Werktagen Sonntage und im grauen Alltag Feste brauchen.
Sie sind wie Steine in einem unruhigen Wasser, die uns helfen über Wasser zu bleiben und an das andere Ufer zu kommen.
Wir brauchen Feste aber auch, weil wir sie uns gegenseitig schulden.
Es ist nicht selbstverständlich, dass wir Freunde haben, dass es Liebe gibt, dass es Menschen gibt, die Gutes tun und Schönes schaffen in der Welt. Sie verdienen nicht, hinter Sorgen oder Ärger vernachlässigt zu werden.
So darf dieser Sonntag nicht vorübergehen, ohne dass wir Jürgen Mauri für seinen Dienst auf der Orgelbank und als Leiter des Kinderchores, des jungen Chores, der Spirit Voices und des Kirchenchores danken.
Am 1. Januar vor fünfundzwanzig Jahren hat er hier in St. Michael begonnen und seitdem mit Ideen und Kompetenz unter wechselnden Pfarrern mit mehr oder weniger Sachverstand seine Sache gemacht, und gut gemacht.
Über den sichtbaren Vordergrund eines Dankeschön-Sagens schulden wir Feiern aber auch Gott, der uns nicht als Trauerklösse, sondern als Festgäste, die sich freuen sollen, eingeladen hat zur Gemeinschaft mit sich. Er ist und er bleibt der Geber alles Guten.
Ihn ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen.

Erste Lesung (1 Chron)

David berief ganz Israel nach Jerusalem, um die Bundeslade des Herrn an den Ort zu bringen, den er für sie hergerichtet hatte.
Dann rief er die Priester und befahl ihnen: Heiligt euch und bringt die Lade des Herrn, des Gottes Israels, herauf an den Ort, den ich für sie hergerichtet habe.
Da heiligten sich die Priester und Leviten, um die Lade des Herrn heraufzubringen.
Sie hoben die Lade Gottes mit den Tragstangen auf ihre Schultern, wie es Mose auf den Befehl des Herrn angeordnet hatte.
Dann befahl David den Vorstehern der Leviten, sie sollten sich und die Sänger aufstellen mit ihren Instrumenten: mit Harfen, Zithern und Zimbeln, damit sie zum Jubel laut ihr Spiel ertönen ließen.
Kenanja, der Vorsteher der Leviten, leitete den Vortrag. Vor der Lade bliesen die Priester die Trompeten.
Alle waren voller Freude.
So brachte ganz Israel die Bundeslade des Herrn hinauf unter großem Jubelgeschrei und unter dem Klang des Widderhorns, unter dem Lärm der Trompeten und Zimbeln, beim Spiel der Harfen und Zithern.

Man trug die Lade Gottes in das Zelt, das David für sie aufgestellt hatte,
und setzte sie auf ihren Platz in der Mitte des Zeltes.
David bestellte Leviten, die den Herrn rühmen. loben und preisen sollten.
Diesen Lobpreis ließ er zur Ehre des Herrn vortragen:
Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
Singt und spielt ihm! Sinnt nach über all seine Wunder!
ER ist unser Gott, seine Herrschaft umgreift die Erde.
Sagt: Hilf uns, du Gott unseres Heiles.
Führe uns zusammen und rette uns.
Deinen Namen wollen wir preisen.
Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels,
vom Anfang bis ans Ende der Zeiten.

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes (1 Kor 12, 4-12)

Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn.
Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen.
Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt.
Dem einen wird vom Geist die Gabe geschenkt, Weisheit mitzuteilen, dem andern durch den gleichen Geist die Gabe, Erkenntnis zu vermitteln, dem dritten im gleichen Geist Glaubenskraft, einem andern - immer in dem einen Geist - die Gabe, Krankheiten zu heilen,
einem andern Wunderkräfte, einem andern prophetisches Reden, einem andern die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden, wieder einem andern verschiedene Arten von Zungenrede, einem andern schließlich die Gabe, sie zu deuten.

 

Predigt/Ansprache

Das Leben heute ist eingestellt auf Zahlen. Was wir berechnen können, gilt manchem als wirklich und wahr. Mit Zahlen und Zahlenreihen, mit Messen und Berechnen, sind große Erfolge erzielt worden, die keiner von uns missen möchte.
Aber die ganze Wirklichkeit ist damit nicht erreicht, höchstens der Vordergrund, hinter dem sich die eigentliche Tiefe verbirgt. Und bei allen Zählen, Wiegen und Wägen - wir sind dadurch nicht besser, nicht glücklicher, nicht menschlicher geworden.
Auch der Glaube lässt sich nicht in mathematischen Formel erfassen und darstellen.
In seiner Tiefe ist er nur zugänglich in großen Bildern, die das Unsagbare, das Geheimnis deuten.
Wir brauchen Bilder, in denen der Glaube zu uns spricht.
Wir brauchen den Klang der Worte und wir brauchen den Klang der Musik.
Wort und Musik sprechen zu uns auf verschiedene und doch ähnliche Weise.
Beide Klangformen dringen in uns ein über das Gehör.
Der Klang des Wortes zuerst ins Gehirn, in das Denkorgan; und der Klang der Töne schnell ins Herz, in dem Raum der emotionalen Empfindungen. Der Dirigent Nikolaus Harnoncourt nennt das Klangrede.
Was ein Organist tut und ein Chor im gemeinschaftlichen Tun, ist also Klangrede und damit nichts anderes als Klangpredigt.
Mit Klängen, einstimmig oder mehrstimmig wir gepredigt - Erbauung, Trost und Ermahnung, Erhebung, Belehrung, Kritik, Trauer, Freude und Jubel, Verehrung und Anbetung findet hinein in die Predigt der gottesdienstlichen Musik.
Darum ist Musik in Kirchen unverzichtbar. Sie ist nicht nur Vehikel, das in Dienst genommen wird, damit der Gemeindegesang besser klappt, sie ist nicht nur verschönerndes Ornament.
Sie ist nicht Girlande, die mit der eigentlichen Sache nichts zu tun hat. Gottesdienstliche Musik nähert sich durch ihr Wesen dem unsagbaren Geheimnis, dem wir in den Gottesdiensten begegnen wollen und gelegentlich auch begegnen können.
Und sie hilft mit ihrer Stimmung unserer Stimmung, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen und nachzuspüren mit allen Fasern unserer Gefühlskraft und dann der Denkenskraft.
Wer eine Sammlung für biblische Worte aufschlägt, findet auf vielen Seiten Stichwörter zur Musik, zu Instrumenten und zum Singen; und je festlicher es zugehen soll, umso mehr wirken alle zusammen: Instrument und Stimme und die Vielfalt der Klänge spiegelt die Vielfalt wieder, in der uns jener entgegenkommt, den wir brauchen mit seiner Gnade und seinem Erbarmen. Schließlich kommt noch die Bewegung des Leibes hinzu, wenn alles gipfelt im Tanz, wo Worte fehlen dürfen, aber der ganze Mensch überschäumt voller Klang und Rhythmus.
Wer mit Menschen musikalisch arbeitet, bei Menschen Freude an der Musik weckt, wer im Einstudieren Verständnis weckt für die geistig-geistliche Dimension der kirchenmusikalischen Werke der verschiedenen Epochen und Stilrichtungen und der Herkunft aus anderen Ländern, der macht sich verdient um die Weitergabe des Glaubens. Der trägt wesentlich dazu bei, die frohe Botschaft zu verinnerlichen.
Damit sind wir wieder beim Einstieg in die Predigt zu der Erzählung vom ersten Wunder, das der Herr gewirkt hat. Dieses Zeichen ist mehr als die vordergründige Befreiung des Bräutigams aus einer peinlichen Verlegenheit. Es ist wie jedes Wunder Jesu ein Bild für die Zukunft, in die der Glaube uns einlädt.
Alles Zählen, Wiegen und Berechnen wird da weit hinter sich gelassen, aller Mangel wird vergessen, denn die Zukunft ist Fülle und Überfluss.
Es ist eine Vollendung, in der es keine Störfaktoren mehr gibt: nicht mehr den Missklang, nicht das Böse und nicht den Tod. Es ist eine Vollendung, in der die Harmonie, die Liebe,
so selbstverständlich vorhanden ist wie die Luft, die wir atmen.
Ein anderes Bild war das vom Hochzeitsmahl. Die nie endende Gemeinschaft mit Gott wird da gefeiert. Gott selbst ist der Gastgeber, der zu Tisch bittet. Alle sind dazu eingeladen,
wie immer auch ihre Lebensumstände sind. Was wir jedem bezeugen, den wir zu uns an den Tisch bitten, das bezeugt uns Gott: sein Vertrauen in uns, seine Liebe zu uns, sein Eintreten für uns, die Gemeinschaft mit ihm.
In jeder Eucharistie, die wir feiern, ist dieses Mahl vorgebildet und ein Stück Vorweggenommen.
Und ein drittes Bild war das von der Verwandlung.
Wasser wurde in Wein verwandelt. Auch das ist ein Grundbild unseres Lebens.
Niemand möchte so bleiben, wie er gerade ist. Das was alt an uns ist, marode, hinfällig,
der alte Mensch - wie es der Apostel Paulus genannt hat - soll vergehen und ein neuer Mensch soll aus uns werden, der mit den Kräften lebt, die in ihm drin stecken, damit sie anderen zum Nutzen sind.
Der Feige soll sich in einen Mutigen wandeln, der Träge in einen Eifrigen, der Dauerredner in einen, der zuhören kann, der Stumme in einen, der das Wort ergreift, der im Egoismus Erstarrte in einen, der mit ganzem Herzen dabei ist, als überkäme ihn die erste Liebe wieder.
So müssen wir uns immer wieder wandeln, wenn wir teilnehmen am Sakrament der Wandlung der Eucharistie.
Das ist das Wunder, das Gott an uns wirken will.
In der Rastlosigkeit und im Stress des täglichen Lebens suchen wir alle immer wieder nach Stille und Ruhe und nach innerem Halt.
In den Bildern und in den Klangreden mancher Musik könnten wir das alles finden.
Die Bilder und Klangreden kommen aus der Tiefe und wollen in die Tiefe hineinführen,
wo Gott auf uns wartet: um uns zu uns selbst zu bringen, damit wir uns freien Herzens festmachen in ihm, dem Geber alles Guten.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Der Herr hat uns seinen Geist geschenkt, durch den wir christus-gleich für unsere Welt da sein sollen. Ihn bitten wir:

+ für die getrennten christlichen Kirchen,
dass sie zusammenfinden zur Einheit im Glauben und in der Liebe ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns .

+ für die Völker auf der ganzen Erde:
dass sie sich verantwortlich fühlen füreinander und für eine Zukunft ohne Gewalt und Krieg eintreten ...

+ für alle, die verzweifelt sind und keinen Ausweg aus ihrer Not wissen:
dass sie in menschlichen Begegnungen neuen Mut finden und so Gottes Hilfe erfahren
und die nächsten Schritte selbständig gehen können ...

+ für die Eheleute,
besonders für jene, die es schwer miteinander haben:
dass sie einander annehmen in stets neuer Kraft und in Freud und Leid zusammenstehen können ...

+ für unsere Gemeinde,
die Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst zusammenkommt:
dass in unserem Herzen das lebt und uns prägt, was wir singen und beten ...

+ für uns selbst:
dass wir gegen alle lähmende Resignation bereit bleiben,
uns zu engagieren für die Kirche und die Gesellschaft ...

+ für die Sterbenden und die Toten:
dass Gott ihnen den Tod wandle in die Fülle seines Lebens ...

So bitten wir Gott den Vater durch seinen Sohn und unseren Bruder Jesus Christus, der alles wirkt durch den Heiligen Geist.
Diesem Gott sei Ehre und Lobpreis jetzt und in der Ewigkeit. Amen