3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

25.01.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Zweitausend Jahre sind es her, seit Jesus von Nazaret gelebt hat. Noch immer kennt man seinen Namen, noch immer richten Menschen ihr Leben nach ihm aus.
Als Christen stehen wir in einer gewaltigen Erzählgemeinschaft: Eltern erzählen ihren Kindern von Jesus, Katecheten unterrichten ihre Schüler über ihn, Theologen forschen über ihn und seine Worte nach, Männer und Frauen setzen ihr Leben dafür ein, dass seine Botschaft weitergegeben wird.
Auch wenn es immer wieder Wirren und geistige Krisen gab, diese Botschaft wurde weitergetragen bis zu uns. Nicht zuletzt dadurch, dass sich Sonntag für Sonntag Christen versammelt haben, um das Wort der Heiligen Schrift zu hören und zu deuten und an dem Mahl teilzunehmen, das ER zu seinem Gedächtnis gestiftet hat.
Wenn wir in seinem Namen versammelt sind, ist ER lebendig mitten unter uns.
Ihn ehren wir mit dem Ruf um Erbarmen...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 1,1-4; 4,14-21 )

Jesus kehrte, erfüllt von der Kraft des Geistes, nach Galiläa zurück. Und die Kunde von ihm verbreitete sich in der ganzen Gegend.
Er lehrte in den Synagogen und wurde von allen gepriesen.
So kam er auch nach Nazaret, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen,
reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt:
Der Geist des Herrn ruht auf mir; / denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, / damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde / und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze
und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.
Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich. Die Augen aller in der Synagoge waren auf ihn gerichtet.
Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?

 

Predigt/Ansprache

Wir hörten gerade die Programm-Rede Jesu, mit der ER sich und seine Sendung den Menschen seiner Heimat Nazaret vorstellt. Aus dem Buch des Propheten Jesaia hat er einige Sätze vorgelesen; jetzt sind die Augen aller auf ihn gerichtet, auf ihn, den sie von klein auf kennen.
Heute hat sich das Schriftwort, das ihr gehört habt, erfüllt - diesen Schlusspunkt fügt er der Lesung hinzu.
Über dieses Heute will ich mit ihnen nachdenken. Es ist so etwas wie eine Brücke, die die Zeiten überspannt.
Der erste Pfeiler liegt im Alten Testament. Gott war am Werk, als im Alten Bund jener Prophet auftrat, dessen Worte Jesus in der Synagoge vorgelesen hat. Da ist die Rede von einem, den Gott gesandt hat wie einen Propheten und der gesalbt ist wie in König zum Zeichen, dass Gott mit ihm ist. Seine Aufgabe sollte es sein, der Kleinen und Armen, der Kranken, der Gefangenen und Zerschlagenen sich anzunehmen. Das ist der erste Brückenpfeiler.
Jesus versteht sich als derjenige, für den Jahrhunderte vorher diese Worte gesagt worden sind.
Seine Zeitgenossen sollten an seinem Tun erkennen, dass er sich der Armen annimmt, dass er Freiheit bringt in einem viel tieferen Sinn als sie es je zu hoffen wagten. Er schenkt Blinden das Augenlicht, und sie erkennen jetzt viel mehr als nur mit ihren leiblichen Augen.
Jesus ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus und es ist in einem weit größeren Sinn Gnadenzeit
als nur alle 5o Jahre, wo Schuldenlasten getilgt werden, wo gepfändetes Land wieder zurückgegeben wurde, wo eine Amnestie die Gefangenen wieder frei machte.
Die Menschen damals konnten erkennen, dass im Rabbi Jesus von Nazaret der verheissene Messias gekommen war. Das ist der zweite Brückenpfeiler, der alles trägt und hält, mitten im Strom der Zeit.
Der dritte Pfeiler aber steht in unserer Zeit. Wir, die Jünger Jesu heute, sind dieser Pfeiler.
Und alles wird darauf ankommen, dass unsere Zeitgenossen an uns die großen Linien der tragenden Brücke erkennen und von uns sagen: Heute ist Gott wieder am Werk, heute zeigt sich wieder das Wirken seines Geistes.
Gott wirkt sich aus durch Menschen in unserer Mitte da, wo knechtende Zwänge aufgebrochen werden, wo jene, die nicht mehr vorankamen, eine neue Beweglichkeit erleben; Gott wirkt sich aus, wo jenen, die blind sind und nichts mehr sehen, sich neue Horizonte auftun; wo jene, die fest gefangen sind in irgendwelchen verbohrten Ideen und Süchten oder in schicksalhaften Verhältnissen, trotz allem nicht verzweifeln müssen, denn alle Dinge des Lebens werden von einem Licht angestrahlt, das jedem zeigt: Gottes Wirklichkeit durchpulst auch dein Leben,
wie immer es aussehen mag.
Dass sich heute das Schriftwort neu erfüllt, dafür müssen wir stehen als der dritte Pfeiler,
manchmal schwankend und wenig stabil, manchmal mehr des Halts bedürftig als selber tragend.
Vor IHM müssen wir uns unserer Ohnmacht nicht schämen. Denn heute, jeden Tag neu, wird ER an uns wirken, wenn wir IHN und SEINE Gnade wirken lassen an uns und durch uns...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Immer wieder sind wir gerufen, uns einzulassen auf die Botschaft Jesu Christi.
Darum beten wir:


* für die Frauen und Männer in der Kirche, die sich in Verkündigung oder caritativer Aufgabe
mit ganzer Kraft einsetzen für Gottes Reich...

Christus, höre uns ...Christus, erhöre uns ...

* für alle, die auf den Namen des Herrn getauft sind, dass sie die Einheit im Glauben und in der
Liebe suchen und sie wirken wollen...

* für alle Mitarbeiter, die in den großen Weltorganisationen oder in kleinen Bereichen sich bemühen um Gerechtigkeit in der Welt und um das tägliche Brot für alle...

* für die Menschen in unserer Umgebung, die der Hilfe bedürfen:
für die Menschen mit einer Behinderung, für die Kranken,
für die Arbeitslosen, für die einsam Gewordenen und für alle, die sich um sie kümmern...

* für alle, die ihre Meinung nicht offen sagen können und für alle, die um ihrer Überzeugung willen benachteiligt oder unterdrückt werden...

* für unsere Verstorbenen und für alle, die um sie betrauern...

Du Herr, wohnst in jedem von uns. Dir sei Ehre und Lobpreis jetzt und in der Ewigkeit. Amen