3. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

21.04.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Es gehört zu den alten Grundsätzen der kirchlichen Personalpolitik, dass ein Priester nicht eingesetzt wird in der Gemeinde, aus der er stammt.
Dahinter steht die Sorge und die Erfahrung, dass menschliche Fehler und Schwächen der Botschaft, die vertreten werden soll, oft im Wegen stehen.
Es ist eines der Probleme der Kirche, dass durch das Menschliche, durch das Allzumenschliche der Verkünder die Botschaft des Herrn verdunkelt wird.
Auf der anderen Seite liegt daran auch etwas Befreiendes: Gottes Heil ist nicht unmenschlich, sondern seine Kraft kommt gerade in der menschlichen Schwachheit zum Zug und zur Vollendung.
Dieses Gesetz gilt auch von der Feier, zu der wir uns hier versammelt haben.
Brot und Wein gehören zu den Selbstverständlichkeiten unseres Alltags, ihnen haftet von vorne herein kein göttlicher Glanz an. Gerade aber sie werden zum Zeichen der wirklichen und wirkenden Gegenwart des Herrn unter uns.
Ihn, der gekommen ist nicht im Goldglanz und Pomp, sondern in Schwachheit, rufen wir um Erbarmen an.

Predigt/Ansprache

Wir hörten die Programm-Rede Jesu, mit der er sich und seine Sendung den Leuten seiner Heimat Nazaret vorstellt.
Er hat zuerst einige Stellen aus dem Buch des Propheten Jesaia vorgelesen.
Die Augen der Gottesdienstbesucher sind auf ihn gerichtet, auf ihn, den sie von klein auf kennen. Und dann fügt er als Schlusspunkt hinzu: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.

Über dieses Heute will ich mit ihnen nachdenken. Es ist so etwas wie eine Brücke,
die die Zeiten der Vergangenheit und der Gegenwart umspannt.
Der erste Pfeiler liegt im Alten Testament. Gott war am Werk, als im Alten Bund jener Prophet auftrat, dessen Worte Jesus in der Synagoge vorgelesen hat.
Da ist die Rede von einem, den Gott gesandt hat wie einen Propheten und der gesalbt ist wie ein König zum Zeichen, dass Gott mit ihm ist. Seine Aufgabe sollte es sein, sich der Kleinen und Unbedeutenden anzunehmen, der Armen, der Kranken, der Gefangenen und irgendwie Geschlagenen. Das ist der erste Brückenpfeiler.
Jesus weiß sich als derjenige, für den letztlich Jahrhunderte vorher diese Worte gesagt worden waren.
Seine Zeitgenossen sollten an seinem Tun erkennen: Gott nimmt sich der Schwachen an
und er bringt den Gefangenen Freiheit in einem viel tieferen Sinn, als sie es je zu hoffen wagten.
Er schenkt Blinden das Augenlicht und sie erkennen jetzt viel mehr als mit ihren nur leiblichen Augen.
Er ruft ein Gnadenjahr des Herrn aus und es ist in einem weit größeren Sinn Gnadenzeit
als nur alle fünfzig Jahre, wo alle Schuldenlasten getilgt wurden, wo gepfändetes Land wieder zurückgegeben wurde und eine Amnestie die Gefangenen wieder frei machte.
Die Menschen damals in Galiläa konnten erkennen, dass in dem Rabbi Jesus von Nazaret
der verheißene Messias gekommen war. Das ist der zweite Brückenpfeiler,
der alles trägt und hält mitten im Strom der Zeit.
Der dritte Pfeiler aber steht in unserer Zeit.
Wir, die Jüngergemeinschaft Jesu heute, sind dieser Pfeiler. Und alles wird darauf ankommen,
dass unsere Zeitgenossen an uns die großen Linien der tragenden Brücke erkennen und von uns Christen sagen: Heute ist Gott wieder am Werk, heute zeigt sich wieder das Wirken seines Geistes.
ER wirkt sich aus durch Menschen in unserer Mitte und knechtende Zwänge werden aufgebrochen; jene, die nicht mehr vorankamen, erleben eine neue Beweglichkeit; jenen, die vor lauter Blindheit nichts mehr sahen, tun sich neue Horizonte auf; und jene, die fest gefangen sind in irgendwelchen verbohrten Ideen und Süchten oder in schicksalhaften Verhältnissen - sie müssen trotz allem nicht verzweifeln, denn alle Dinge des Lebens
werden von einem Licht angestrahlt, das jedem zeigt: Gottes Wirklichkeit durchpulst auch dein Leben, wie immer es aussehen mag.
Dass sich heute das Schriftwort neu erfüllt, dafür müssen wir stehen als der dritte Pfeiler der Brücke, manchmal schwankend und wenig stabil, manchmal des selbst des Halts bedürftig als selber tragend.
Vor IHM müssen wir uns unserer Ohnmacht nicht schämen. Denn heute, jeden Tag neu, wird ER an uns wirken, wenn wir IHN und SEINE Gnade wirken lassen an uns und durch uns ...

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Durch die Taufe sind wir als Glieder in den einen Leib Jesu Christi aufgenommen, wir sind einander Brüder und Schwestern und Volk Gottes geworden.
Voll vertrauen beten wir zu unserem Herrn


+ um die Kraft des Heiligen Geistes für alle, die sich um die Überwindung der Spaltungen der getrennten Christenheitund um die Einheit im Glauben bemühen ...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

+ um die Bereitschaft aller Getauften, einander besser kennen zu lernen und zu verstehen ...

+ um die Überwindung von Hass und Feindschaft zwischen den Völkern und Volksgruppen
und um den unbedingten Willen zum Frieden ...

+ um Rettung aus ihrer Not für Flüchtlinge
und um ein Leben in Würde für die verfolgten und unterdrückten Menschen ...

+ für uns alle,
um ein offenes Herz für Gottes Wort und um die Erkenntnis, wo wir der Umkehr bedürfen ...

+ um die spürbare Nähe Gottes für die Sterbenden und um das ewige Leben bei Gott für alle Toten ...

Ewiger Gott, in deiner Güte und Barmherzigkeit schenkst du uns mehr, als wir erhoffen.
Wir danken dir und preisen dich jetzt und in der Ewigkeit. Amen