4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

01.02.2007



Einleitung in die Eucharistiefeier

Es gibt Situationen in unserem Leben, da fühlen wir uns wie im siebten Himmel.
Eine himmel-hoch-jauchzende Stimmung freilich kann auch rasch ins Gegenteil umschlagen.
Das heißt: wir können zu Tode betrübt sein, wenn uns ein harter Schicksalsschlag trifft.
Die Menschen, von denen im heutigen Evangelium die Rede ist, hat zwar kein Schicksalsschlag getroffen, aber ihre Stimmung ändert sich total: erst spenden sie Jesus Beifall und wenig später sind sie wütend auf ihn.
Sie spüren den Anspruch Jesu: der meint ja uns, uns ganz persönlich.
Jesus meint uns, uns ganz persönlich, so wie wir hier sind. Auf sein Erbarmen sind und bleiben wir angewiesen. So rufen wir ihn um Erbarmen an...

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 4,21-30)

Da begann er, ihnen darzulegen: Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt.
Seine Rede fand bei allen Beifall; sie staunten darüber, wie begnadet er redete, und sagten: Ist das nicht der Sohn Josefs?
Da entgegnete er ihnen: Sicher werdet ihr mir das Sprichwort vorhalten: Arzt, heile dich selbst! Wenn du in Kafarnaum so große Dinge getan hast, wie wir gehört haben, dann tu sie auch hier in deiner Heimat!
Und er setzte hinzu: Amen, das sage ich euch: Kein Prophet wird in seiner Heimat anerkannt.
Wahrhaftig, das sage ich euch: In Israel gab es viele Witwen in den Tagen des Elija, als der Himmel für drei Jahre und sechs Monate verschlossen war und eine große Hungersnot über das ganze Land kam.
Aber zu keiner von ihnen wurde Elija gesandt, nur zu einer Witwe in Sarepta bei Sidon.
Und viele Aussätzige gab es in Israel zur Zeit des Propheten Elischa. Aber keiner von ihnen wurde geheilt, nur der Syrer Naaman.
Als die Leute in der Synagoge das hörten, gerieten sie alle in Wut.
Sie sprangen auf und trieben Jesus zur Stadt hinaus; sie brachten ihn an den Abhang des Berges, auf dem ihre Stadt erbaut war, und wollten ihn hinabstürzen.
Er aber schritt mitten durch die Menge hindurch und ging weg.

 

Predigt/Ansprache

Für die Menschen von Nazaret war Jesus der Sohn Josefs und Marias, der bei seiner Familie aufgewachsen war und das Handwerk seines Vaters hätte übernehmen sollen.
Allerdings war er den Erwartungen seiner Familie nicht gerecht geworden. ER ging seinen eigenen Weg.
Nachdem Jesus schon in anderen Dörfern und Kleinstädten gepredigt hatte, kehrte ER in seinen Heimatort zurück. Natürlich wollen ihn alle, die ihn kannten, wiedersehen. Man hatte ja soviel von IHM gehört. Das ganze Dorf war auf den Beinen und erwartete IHN. Und dann kam ER.
Während des Gottesdienstes las er aus der Schrift vor und legte sie auch aus. Die Leute hörten ihm erwartungsvoll und staunend zu. Das also war aus dem Sohn des Zimmermann geworden.
Einer von ihnen hatte es geschafft. Er war Prediger geworden, Rabbi. Was für eine Ehre für das ganze Dorf! Die Leute waren glücklich, und am Ende des Gottesdienstes klatschten sie Beifall und jubelten IHM zu.
Jesus muss sich wohl geehrt gefühlt haben. Nach einigen Tagen zog er dann weiter. Und seine Heimatgemeinde dachte noch lange an seinen Primiztag und seine erste Predigt zurück.
Ganz so war es aber nicht. Die Menschen klatschten Beifall und waren begeistert, aber nur für kurze Zeit. Denn im Lauf der Rede Jesu schlägt die Stimmung um. Aus dem Beifall wird Wut,
am Ende will man Jesus sogar umbringen. Sie hatten gespürt, dass ER sie direkt angesprochen hat, dass ER ihnen mit seiner Predigt auf den Leib rückte und dagegen setzen sie sich zur Wehr. Und als ER noch drauflegt und behauptet, ER sei für alle Menschen da, nicht nur für seine Landsleute, da geraten sie außer sich. Der Zimmermannssohn identifiziert sich also
eher mit den Randgruppen als mit den eigenen Leuten. Kein Zweifel, dass sie da spüren müssen, dass Jesus in Wahrheit keiner von ihnen ist. ER verhält sich anders als sie es erwartet hatten. Sie nehmen Anstoss daran, dass ER behauptet, in IHM und seinem Wirken gehe die Heilsbotschaft Gottes an Israel in Erfüllung. Nein, dieser Jesus passt einfach nicht in ihr Schema.
Und da sind wir auf einmal mitten bei uns. Auch für uns gibt es so vieles, das nicht in unser Schema passt: der Freund oder die Freundin der Kinder, ihre Partner: den oder die darfst du mir nicht nach Hause bringen! Das oder jenes ist so unmöglich, damit will ich mich nicht beschäftigen müssen. Die Kirche mit ihrer Aussage zu dem oder jenem Problem liegt auf so falscher Schiene, dass ich da nicht länger mitmache.
Auch wir haben unsere Schablonen und wehe! etwas entspricht diesen Vorgaben nicht. Dann ist es aus! Dann wird etwas abgeschrieben, dick durchgestrichen, damit es meinen Frieden nicht länger störe. Wehe, wenn es nicht so läuft, wie wir es wollen, dann sind wir von der Rolle,
dann drehen wir durch, dann wird reiner Tisch gemacht.
Es ist schon seltsam, dass die, die Jesus von der Familie, von der Verwandtschaft, von der Gemeinschaft der Heimat her am nächsten stehen, IHN oft nicht verstehen und deshalb innerlich ganz weit von IHM entfernt sind.
Wer tatsächlich zur Familie Jesu gehört - das hat ER später so formuliert: Wer den Willen meines Vater tut, der ist für mich Bruder, Schwester und Mutter.
In einer kirchlichen Zeitschrift habe ich folgenden Text gefunden: Gott gab dir diesen Tag
und du kannst damit machen, was du willst.

Du kannst jemanden glücklich machen oder traurig.
Du kannst Böses tun oder Gutes.
Du kannst jemandem ein Lächeln schenken
oder ihm einen bösen Blick zuwerfen.
Du kannst einem aufhelfen
oder einen zu Boden schmettern.
Du kannst einem, der es schwer hat,
das Leben leichter machen,
du kannst ebenso gut einen hindern weiterzukommen.
Du kannst nach einer Rose suchen
oder Unkraut sammeln.
Was machst du aus diesem Tag?

Wer seine Berufung gefunden hat, wer auf seine innere Stimme hört und diesem Klopfen dort folgt, der wird wissen, was er aus diesem Tag zu machen hat: eine Zeit des Heils und der Gnade für den Menschen neben sich, ansonsten wird Jesus weggehen - wie er aus Nazaret wegging.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

In Christus ist das Wort der Befreiung, des Trostes und des Lebens erschienen.
Ihm tragen wir unsere Bitten vor:


* für die Journalisten und Redakteure in Presse, Rundfunk und Fernsehen, für die Redner und Prediger: um Behutsamkeit im Umgang mit dem Wort...

Christus, höre uns ... Christus, erhöre uns ...

* für die Armen, denen die Teilhabe an den Gütern der Welt gewaltsam verweigert wird:
um Veränderung der verhärteten Strukturen des Elends...

* für die Gefangenen, die in den Kellern des Unrechts und der Gewalt gefoltert werden:
um Befreiung durch Taten des Rechts und der Menschenwürde...

* für die Toten, die in ihrem Leben das Wort des Evangeliums gehört und darauf gehofft
haben: um die Erfüllung der Verheissung an ihnen...

Gott, dein Wort spendet Leben. Dein Sohn ist gekommen und hat unsere Zeit zu einer Zeit des Heils gemacht.
Dir und ihm werde Ehre und Lobpreis jetzt und in aller Ewigkeit. Amen

 

Segensgebet

Kerzensegen zu Mariä Lichtmeß

Herr Jesus Christus, du bist das Licht der Welt, das Licht für alle Menschen.
Segne + diese Kerzen, die wir im Gedenken an dich entzünden.
Wie ihr Licht das Dunkel erhellt, so mache du unser Leben hell mit deiner Gnade und Wahrheit. Schenke uns in den Bedrängnissen unseres Lebens Zuversicht und Freude und hilf uns, mit deinem Licht auch das Leben anderer Menschen hell zu machen, der du lebst und wirkst in alle Ewigkeit. Amen