Fest des Heiligen Augustinus, Lesejahr C

30.08.2009



Einleitung in die Eucharistiefeier

 

Am Freitag der zu ende gehenden Woche hat unser Orden das Fest des heiligen Augustinus gefeiert. Oft wird der Heilige mit einem durchbohrten und brennendem Herzen dargestellt.
Diese Symbolik gehört auch zum Wappen unserer Ordensgemeinschaft.
Im Herzen muss uns etwas wie ein Pfeil berührt haben, dort muss etwas brennen, damit wir ihm entsprechen.
Was hat uns tief innen berührt? Welches Feuer brennt dort und lässt uns glühen?
Den, der gekommen ist als Licht für alle, den, der uns will mir brennenden Lampen in Händen, rufen wir um Erbarmen an

Erste Lesung ( 1 Joh 4, 7-16)

Liebe Brüder, wir wollen einander lieben; denn die Liebe ist aus Gott, und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe.
Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart, dass Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben.
0Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.
Liebe Brüder, wenn Gott uns so geliebt hat, müssen auch wir einander lieben.
Niemand hat Gott je geschaut; wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollendet.
Daran erkennen wir, dass wir in ihm bleiben und er in uns bleibt: Er hat uns von seinem Geist gegeben.
Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt.
Wer bekennt, dass Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott, und er bleibt in Gott.
Wir haben die Liebe, die Gott zu uns hat, erkannt und gläubig angenommen. Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus (Mt 23, 8-12)

Ihr aber sollt euch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder.
Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel.
Auch sollt ihr euch nicht Lehrer nennen lassen; denn nur einer ist euer Lehrer, Christus.
Der Größte von euch soll euer Diener sein.
Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, und wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden.

 

Predigt/Ansprache

Augustinus war ein Mensch voller Sehnsucht. Die Sehnsucht war so etwas wie der Motor seines Lebens, seiner Lebensverwirklichung, auch dann noch als er schon längst in einem Kloster lebte, war die Sehnsucht das bestimmende Element.
Er war einer, der sucht und von der Suche getrieben ist.
Er sucht vieles, ist von vielem gereizt und gelockt aber letztlich muss er sich erst selbst finden, ehe er alles andere annehmen und genießen kann, ehe er den Sinn seines Lebens findet.
In den Bekenntnissen fragt er einmal: Wo war ich, Herr, als ich dich suchte. Du standest vor mir, ich aber war vor mir selbst davon gelaufen, fand mich nicht und noch viel weniger dich.
Du, Herr, hast mich hinter meinem Rücken hervorgeholt, dort hatte ich mich versteckt,
weil ich mich selbst nicht anschauen wollte.
Sein Suchen kommt erst zur Ruhe, als er bereit ist, einem Gott zu begegnen, wie ihn die Bibel offenbart. Von da an wird er nicht müde, diesem Gott immer näher zu kommen, ihn immer tiefer zu ergreifen als die Mitte seiner Sehnsucht, ihn nach allen Seiten hin auszuloten und seine Größe und Liebesbereitschaft rühmend und lobpreisend zu verkünden.
Lange bevor er so weit war, trat er auf der Stelle.
Er quält sich, weil es ihm lange nicht gelungen ist, ein Leben zu finden, das ihm sinnvoll erscheint. Er quält sich und müht sich ab, bis zu dem entscheidenden Moment.
Im Garten hörte er eine Kinderstimme: Nimm und lies! Nimm und lies! wie bei einem Kinderspiel, das er nicht kennt und doch in diesem Moment auf sich bezieht.
So nimmt er die Rolle mit den Briefen des Apostels Paulus und liest.
Und da ist er offen und beginnt zu verstehen, und nimmt an, was ihm in diesem Wort gereicht wird.
Gerade die Geschichte des heiligen Augustinus untermauert, was in allen Zeiten der Offenbarung Gottes grundgelegt ist: alles hat seine Zeit und seine Stunde.
Und das ist wohl auch heute noch so, dass alles seine Zeit braucht, bis der Augenblick da ist, ins Leben zu treten.
Nichts lässt sich erzwingen, erst recht nicht das Glauben.
Vielmehr darf ich darauf vertrauen, dass der Augenblick einmal auch für mich kommen wird,
wo ich offen sein werde, für dieses oder jenes Wort, wo ich verstehen werde und es keinen Zweifel mehr gibt, wo ich hören werde und gehorsam sein werde.
Das wirklich notwendige ist wohl, das Interesse nicht zu verlieren und wach zu bleiben.
Und vielleicht bleibt es auch uns nicht erspart, schmerzhaft darum zu ringen.
Und manchmal reicht dann ein kleiner Kinderreim, um neue Dimensionen für das Leben zu eröffnen: Nimm und lies! Nimm und lies!
Und eine dritte Station, die ich herausgreifen möchte, die Augustinus so umrissen hat:
Wir wurden getauft und alle Unruhe wegen unseres vergangenen Lebens schwand.
Endlich kann er das Zeichen setzen, auf das seine Mutter Monika schon so lange gewartet hatte. Mit seinem Sohn Adeodatus und seinem Freund Alypius tritt er in der Osternacht 387 zur Taufe an.
Dass er dabei nicht allein ist, macht einmal mehr deutlich, dass die Taufe für Augustinus
nicht nur Zeichen einer privaten Standortbestimmung ist, sondern immer auch Gemeinschaft stiftenden und Gemeinschaft fördernden Charakter hat.
Christ bin ich nicht für mich allein, sondern immer auch mit anderen und für andere.
Ich gehe nicht allein einen Weg, sondern andere gehen ihre Weg, jede, jeder anders .
Vielfalt und gleichzeitig Gemeinschaft.
Nur gemeinsam sind wir der Christus, der in unserer Welt lebt und sie liebt und für sie leidet und stirbt und aufersteht.
In der Auslegung zum Johannesevangelium ruft er aus: Wir wollen uns gegenseitig beglückwünschen und Dank sagen, dass wir nicht nur Christen geworden sind, sondern Christus.
Wir stellen uns bei der Taufe immer klares, sauberes Wasser vor. So rein, dass wir auf den Grund blicken können. Wasser, das reinigt und erfrischt. Taufe hat von der Tiefe des Wortes her mit Untertauchen zu tun, und damit mit dem Tod.
Ich gehe unter und erstehe zu neuem Leben. Ohne das, was wir Tod nennen, gibt es keine Auferstehung.
Ich erinnere an das Glaubensbekenntnis: hinabgestiegen in das Reich des Todes und die Ikonen stellen dar, wie Jesus in seinem Tod zu den Toten ging, um sie aus ihren Gräbern zu befreien.
Dort wo manchmal symbolisch das Wasser über uns zusammenschlägt, wenn alles buchstäblich am Ende zu sein scheint, wenn da jemand ist, der meine Hand nimmt, und mir heraushilft aus diesem Abgrund, dann spüre auch ich ganz neu, was leben heißt
und auferstehen. Oft ist es im Leben so, dass wir eintauchen müssen in unergründliche Tiefen,
bis wir zum neuen Leben aufsteigen könnten.
Augustinus hat diese Stationen erlebt und erlitten. Und genauso ist zum Heiligen geworden
mit dem durchbohrten und dem brennenden Herzen. Das durchbohrte Herz ist Zeichen einer Liebe, die uns getroffen hat, das brennende ist Zeichen unserer Antwort der Liebe.
Ist das auch unser Symbol? Unser Zeichen? Im Lukasevangelium sagt Christus: Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden. Was wollte ich lieber, als das es schon brennte.

 

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Gott kennt unsere Sorgen und Nöte.
Vertrauensvoll wenden wir uns an ihn und beten:


+ für den Papst, die Bischöfe und für alle, die sie beraten:
um den Geist der Liebe und Güte bei all ihren Entscheidungen ...

Gott, unser Vater, du liebender Gott... Herr, erbarme dich ...

+ für die Mächtigen in Politik und Gesellschaft; um Orientierung am Wohl der Mitmenschen und deren Zukunft ...

+ für die Menschen, die unter Krieg und Gewalt, unter Ungerechtigkeit und Unfreiheit leben;
um Hilfe in ihren Nöten ...

+ für Menschen, deren Herz ausgebrannt, müde und leer ist:
um Begegnungen, die Hoffnung, Mut und Leben bringen ...

+ für die Brüder und Schwestern in den Klöstern, die nach der Regel des heiligen Augustinus leben:
um Orientierung an Willen Gottes und um eine geschwisterliche tragfähige Gemeinschaft ...

+ für junge Menschen, die Sinn und Orientierung suchen in einem kirchlichen Dienst:
um ein hörendes Herz und um Entschlusskraft zu einem Leben in der Nachfolge des Herrn ...

Ewiger Gott, du hast deinen Sohn gesandt, damit unser Leben gelinge.
Wir danken dir und preisen dich, jetzt und in der Ewigkeit. Amen