5. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C

08.02.2004



Einleitung in die Eucharistiefeier

Da oder dort haben wir das vielleicht schon einmal erfahren: Gott ist gut für Überraschungen.
Wer sich auf sein herausfordernden Wort einlässt und darauf vertraut, der wird Wunder erleben.
Überraschungen haben meistens Folgen und die können uns durcheinander bringen; wir wissen dann nicht mehr, wie es weitergeht, wie es weitergehen soll; und wir spüren auch mit einer letzten Faser, dass es anders weitergehen müsste danach. Deswegen rechnen und berechnen wir selber
statt dass wir uns den Überraschungen Gottes aussetzen.

Überlassen wir uns wenigstens hier dem, der uns die Fülle des Lebens verheißen hat, weil er Erbarmen mit uns sündigen Menschen hat....

 

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 5,1-11 )

Als Jesus am Ufer des Sees Genesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören.
Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus.
Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus!
Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten.
Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, sodass sie fast untergingen.
Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.
Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen.
Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach.

 

Predigt/Ansprache

Jede Zeit wird von bestimmten Worten aus dem Evangelium in besonderer Weise angesprochen.
Denn die Lage der Kirche ändert sich von Generation zu Generation.
Es gibt Zeiten, in denen das Christentum sieghaft dastand und es gibt Zeiten der Flaute und der Niedergeschlagenheit. Resignation spricht aus den Worten des Petrus im heutigen Evangelium:
Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.
Aus einem solchen Satz spricht die Erfahrung vieler Menschen, die sich einsetzen für verschiedene Werte, unter anderem für die Weitergabe des Glaubens.
Da sind pastorale Mitarbeiter wie Pfarrer und Diakone, wie Pastoralreferenten, die sich abmühen,
Sonntag für Sonntag eine halbwegs vernünftige Predigt auf die Kanzel zu bringen und den Gottesdienst ansprechend zu gestalten; und die versuchen, die verschiedenen, oft auseinander strebenden Interessen der Gruppen einer Gemeinde unter einen Hut zu bringen.
Und die trotz allem mit ansehen müssen, dass die Kirche ständig leerer wird und nur die Zahl der Kirchenaustritte zunimmt.

Da sind die Religionslehrer und Katecheten, die Gruppenväter und Gruppenmütter der Erstkommunion oder Firmkatechese, die versuchen, den Heranwachsenden eine gute Nachricht für ihr Leben zu erschließen, während überall von der Rückständigkeit der Kirche und ihrer Botschaft gesprochen wird. Sie erleben nicht mehr, dass ein Funke der Begeisterung überspringt, selbst wenn sie noch so begeistert bei der Sache sind.
Da sind Eltern, die versucht haben, ihre Kinder im Glauben zu erziehen und die dennoch erleben,
dass die Kinder dem Glauben und der Kirche den Rücken kehren, sobald sie erwachsen werden.
Derartige Misserfolge können einmünden in den Satz: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen.
Viele von uns erliegen der Gefahr, dass sie bei diesem Satz stehen bleiben und dann übersehen, was Petrus anschließend gesagt hat: Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen.
Als Petrus auf das Wort des Herrn hin erneut die Netze auswirft, macht er den reichen Fischfang.
Da liegt freilich der Unterschied zu uns heute. Auch wenn wir am Ball bleiben, werden wir die Fülle eines Erfolges nicht festhalten können. Von seiner Erfahrung überwältigt ruft Petrus aus:
Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder.

Ich frage mich: Ist es nicht manchmal so bei uns, dass wir nichts erreichen, weil wir Gott nichts zutrauen? Ein Wort des heiligen Ignatius von Loyola könnte eine kleine helfende Krücke sein:
Wir sollen so handeln, als ob alles von uns abhinge, und wir sollen so vertrauen, als ob alles von Gott abhinge.
Auch der große Apostel Paulus war sich bewusst, dass er das Evangelium nur verkünden konnte
mit dem Beistand Gottes. Mehr als alle anderen habe ich mich abgemüht - nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir - so haben wir in der Lesung gehört.
Gott selbst freilich hat den Weg des Scheiterns gewählt. ER „landete" am Kreuz.
Auch die großen Gestalten des geistlichen Lebens sind von Misserfolg nicht verschont geblieben.
Charles de Foucault hat keinen einzigen der Tuaregs bekehrt, unter denen er lebte.
Die Wirkungsgeschichte mancher Heiliger begann erst nach ihrem Tod. Sie sind ein Beispiel dafür, dass Gott dort nicht am Ende ist, wo wir Menschen an unsere Grenzen kommen.
Wenn uns aus eigener Kraft alles gelingt, dann werden wir schnell stolz und bilden uns etwas ein auf unser Wissen und Können. Auch im kirchlichen Leben können Durststrecken den Glauben läutern und festigen und neu motivieren.
In der gegenwärtigen Krise der Kirche - und es ist wirklich eine große Krise - brauchen wir Geduld und Ausdauer, um den Auftrage Jesu zu erfüllen.
Er ruft uns zu, dass wir die Hände nicht in den Schoss legen, sondern weiter mitarbeiten;
dass wir uns abmühen, nicht wir allein, sondern die Gnade Gottes mit uns zusammen.
Auch wenn der Erfolg nicht sofort sichtbar wird - auf sein Wort hin sollen wir weiter unseren Dienst tun, wo immer wir stehen.

Pater Gottfried Eigner OSA, Pfarrer von St. Michael

Fürbitten

Wir rufen zu Gott, der nicht darin erlahmt, den Menschen zu suchen:

* für die Menschen mit einer Behinderung, die in der Kostbarkeit ihres Lebens oft verkannt werden...

Gott, du Allerbarmer ... Herr, erbarme dich ...

* für die Menschen ohne Arbeit, die von vielen Sorgen gequält werden, besonders für jene,
deren Beziehungen in Familie und Freundschaft gefährdet sind...

* für die Menschen in den Hilfsorganisationen, die sich der vielfältigen Not in der Welt aussetzen
und die sich engagieren für ein menschenwürdiges Leben...

* für die Männer und Frauen, denen die Verkündigung des Evangeliums aufgetragen ist
und für alle, die sich dafür ehrenamtlich einsetzen...

* für die Schwestern und Brüder, die ihr Leben ungeteilt Gott geschenkt haben; besonders für jene, denen die Treue schwer geworden ist...

Gott, du rufst uns in die Weite deines Lebens und begegnest uns mit deinem Erbarmen.
Dir bringen wir unseren Lobpreis durch Christus unsern Herrn. Amen